Full text : Medizinal-Statistische Mittheilungen aus dem Kaiserlichen Gesundheitsamte. Achter Band. (8)

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Läßt  man  bei  solcher  Berechnung  nicht  nur  die  Säuglinge,  sondern  auch  die  Kinder
der  zweiten  Altersklasse  außer  Betracht,  so  ist  der  Unterschied  noch  erheblicher,  denn  von  je
100  nach  Ablauf  des  15.  Lebensjahres  Gestorbenen  hatten

in  den  Großstädten  40  bis  41  (40)),
außerhalb  der  Großstädte  54  bis  55  (54,)

ein  Alter  von  mindestens  60  Lebensjahren  erreicht.

Lebend  geboren  wurden  während  der  beiden  Jahre  in  den  33  Großstädten
289965  +  299  897  Kinder,  außerhalb  der  Großstädte  in  den  21  Staaten  1668  339  —
1694702  Kinder,  d.  i.  im  Mittel  hier  36,“,  dort  nur  32,  auf  je  1000  Einwohner.  Der
jährliche  überschuß  der  Geburten  über  die  Sterbefälle  betrug  danach:

in  den  Großstädten  12,1  auf  je  1000  Einwohner,
außerhalb  der  Großstädte  14,,  „  „  „

Die  einzige,  das  Großstadtleben  anscheinend  günstig  beleuchtende  Tatsache,  welche
aus  Vorstehendem  sich  ergibt,  daß  nämlich  für  den  im  Alter  von  60  und  mehr  Jahren
stehenden  Teil  der  Bevölkerung  (Altersklasse  d)  die  Sterbeziffer  außerhalb  der  Großstädte
höher  als  in  den  Großstädten  war,  ist,  wie  bereits  früher  ausgeführt,  nach  den  Ergebnissen
der  Volkszählungen  darin  begründet,  daß  in  dieser  Altersklasse  die  Personen  der  allerhöchsten
Altersstufen  von  mehr  als  70  und  80  Lebensjahren  außerhalb  der  Großstädte  zahlreicher
als  in  denselben  vertreten  sind.  Solche  hochbetagten  Leute  von  mehr  als  70  und  80  Jahren
sind  aber  naturgemäß  dem  Sterben  weitaus  am  meisten  ausgesetzt  und  beeinflussen  also
außerhalb  der  Großstädte  die  Sterbeziffer  der  Altersklasse  d  offenbar  in  ungünstiger  Weise.

Die  nuter  der  grofstädtischen  Vevölkerung  beobachteten  wichtigsten
ANrlachen  der  Sterbefälle.

a)  Im  Säuglingsalter.  Von  den  135  193  in  den  Großstädten  gestorbenen  Kindern
des  ersten  Lebensjahres,  deren  Todesursache  bekannt  war  —  bei  nur  1742  Kindern  dieses
Alters  ist  sie  als  „unbekannt“  bezeichnet  —,  sind  70  995,  also  mehr  als  52  %  derselben
einem  Magendarmkatarrh  erlegen;  dieses  Leiden  war  hier  weit  häufiger  Ursache  des
frühen  Todes  als  außerhalb  der  Großstädte,  wo  von  683  398  aus  bekannter  Ursache  gestorbenen
  Säuglingen  nur  237  154,  d.  i.  34,/%  einem  Magendarmkatarrh  erlegen  sind.))
Auf  je  1000  Lebendgeborene  sind  hier  71,  dort  in  den  Großstädten  120  Säuglinge  an
Magen=  und  Darmkatarrh  bezw.  an  „Atrophie  der  Kinder“,  welche  gemäß  Vereinbarung
jenem  Leiden  als  Todesursache  gleich  geachtet  wird,  gestorben.

Von  den  aus  anderer  bekannter  Ursache  in  den  Großstädten  gestorbenen  Säuglingen
find  18768,  d.  i.  etwa  32  auf  je  1000  Lebendgeborene  schon  im  ersten  Lebensmonate
infolge  angeborener  Lebensschwäche  gestorben,  und  außerhalb  der  Großstädte  aus
gleicher  Ursache  105970,  d.  i.  ebenfalls  etwa  32  auf  je  1000  Lebendgeborene.

Ein  ungünstiger  Einfluß  der  großstädtischen  Verhältnisse  auf  das  Leben  der  Säuglinge
zeigt  sich  hinsichtlich  der  Häufigkeit  entzündlicher  Krankheiten  der  Atmungsorgane
und  der  Tuberkulose,  denn  den  ersteren  erlagen:

1)  Unter  den  außerhalb  der  Großstädte  aus  bestimmter  Ursache  Gestorbenen  sind  hier,  wie  in
folgendem,  stets  die  betr.  Gestorbenen  aus  den  20  Staaten  des  Reiches  (ausschl.  Mecklenburg  und  Oldenburg)
  verstanden.