— 198 —
Läßt man bei solcher Berechnung nicht nur die Säuglinge, sondern auch die Kinder
der zweiten Altersklasse außer Betracht, so ist der Unterschied noch erheblicher, denn von je
100 nach Ablauf des 15. Lebensjahres Gestorbenen hatten
in den Großstädten 40 bis 41 (40)),
außerhalb der Großstädte 54 bis 55 (54,)
ein Alter von mindestens 60 Lebensjahren erreicht.
Lebend geboren wurden während der beiden Jahre in den 33 Großstädten
289965 + 299 897 Kinder, außerhalb der Großstädte in den 21 Staaten 1668 339 —
1694702 Kinder, d. i. im Mittel hier 36,“, dort nur 32, auf je 1000 Einwohner. Der
jährliche überschuß der Geburten über die Sterbefälle betrug danach:
in den Großstädten 12,1 auf je 1000 Einwohner,
außerhalb der Großstädte 14,, „ „ „
Die einzige, das Großstadtleben anscheinend günstig beleuchtende Tatsache, welche
aus Vorstehendem sich ergibt, daß nämlich für den im Alter von 60 und mehr Jahren
stehenden Teil der Bevölkerung (Altersklasse d) die Sterbeziffer außerhalb der Großstädte
höher als in den Großstädten war, ist, wie bereits früher ausgeführt, nach den Ergebnissen
der Volkszählungen darin begründet, daß in dieser Altersklasse die Personen der allerhöchsten
Altersstufen von mehr als 70 und 80 Lebensjahren außerhalb der Großstädte zahlreicher
als in denselben vertreten sind. Solche hochbetagten Leute von mehr als 70 und 80 Jahren
sind aber naturgemäß dem Sterben weitaus am meisten ausgesetzt und beeinflussen also
außerhalb der Großstädte die Sterbeziffer der Altersklasse d offenbar in ungünstiger Weise.
Die nuter der grofstädtischen Vevölkerung beobachteten wichtigsten
ANrlachen der Sterbefälle.
a) Im Säuglingsalter. Von den 135 193 in den Großstädten gestorbenen Kindern
des ersten Lebensjahres, deren Todesursache bekannt war — bei nur 1742 Kindern dieses
Alters ist sie als „unbekannt“ bezeichnet —, sind 70 995, also mehr als 52 % derselben
einem Magendarmkatarrh erlegen; dieses Leiden war hier weit häufiger Ursache des
frühen Todes als außerhalb der Großstädte, wo von 683 398 aus bekannter Ursache gestorbenen
Säuglingen nur 237 154, d. i. 34,/% einem Magendarmkatarrh erlegen sind.))
Auf je 1000 Lebendgeborene sind hier 71, dort in den Großstädten 120 Säuglinge an
Magen= und Darmkatarrh bezw. an „Atrophie der Kinder“, welche gemäß Vereinbarung
jenem Leiden als Todesursache gleich geachtet wird, gestorben.
Von den aus anderer bekannter Ursache in den Großstädten gestorbenen Säuglingen
find 18768, d. i. etwa 32 auf je 1000 Lebendgeborene schon im ersten Lebensmonate
infolge angeborener Lebensschwäche gestorben, und außerhalb der Großstädte aus
gleicher Ursache 105970, d. i. ebenfalls etwa 32 auf je 1000 Lebendgeborene.
Ein ungünstiger Einfluß der großstädtischen Verhältnisse auf das Leben der Säuglinge
zeigt sich hinsichtlich der Häufigkeit entzündlicher Krankheiten der Atmungsorgane
und der Tuberkulose, denn den ersteren erlagen:
1) Unter den außerhalb der Großstädte aus bestimmter Ursache Gestorbenen sind hier, wie in
folgendem, stets die betr. Gestorbenen aus den 20 Staaten des Reiches (ausschl. Mecklenburg und Oldenburg)
verstanden.