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in einem Kopf so viel ausgebreitete Gelehrsamkeit und so
viel gefälliger Scharfsinn vereinigt. Selten ist noch ein
Maun über sein ganzes Zeitalter so mit einemmal hinweggeschritten
und hat zu gleicher Zeit so schlaue Bahn gemacht,
daß sie ihm nachfolgen konnten. Besonders der Kirchenhisioriker
würde sehr undankbar seyn, wenn er den Namen des
Mannes nicht mit Hochachtung neunen wollte, durch dessen
kritische Lüäuterungen ihm so viel Wahrheit gewonnen und
noch weit mehr als moglicher Gewinn gezeigt wurde. Zwar
wie vielen Fehlern mußte nicht eben der Mann ansgesetzt
seyn, der zum erstenmal an die äußersten Gränzen der historischen
Kritik fortschritt, der fast in der ganzen Masse von
Meiuungen seines Zeitalters nichts als Hypothese fand, und
doch noch einige Wahrheit herausscheiden sollte? Jurieu'n
zum Collegen und zum unversoͤhnlichen Gegner zu haben,
war tägliche Geduldsübung, welche manchen Fehler verzeihlicher
macht, und ein großer Schriftsteller. der sich's bewuße
ist, wie sehr sein zeitalter seiner nöthig. hat, verwahrt si ch selten
genugsam vor der Schwaͤche, einem herrschenden Hange des
Publieums zu schmeichlen, um desto allgemeiner gelesen zu
werden. Ohnedieß war die Sprache der meisten schoͤnern
Franzoͤsischen Schriftsteller unmittelbar vor den Zeiten Bayle's
gar nicht keuscher als der schaͤndlich zusammengesuchte
Inhalt mancher Artikel im kritischen Dictionnaire, aber bei
einem Maune, wie Baple, glaubte man keine Saͤculumsfrivolität
befürchten zu dürfen; die Keuschheit seines Privatlebens
hat doch selbst Jurieu nicht zu verläumden gewagt.
Philosophie uͤber Geschichte und gesunde historische Kritik
si nd durch Bayle zuerst ans Licht gebracht worden: aber
Reformirte und Lutheraner haben erst geraume Zeit nach
seinem Tode der Goldader, welche er zeigte, weiter nach-Spittler's
sämmtl. Werke. II. Bd. 24