58 Erstes Buch. Die neue Staatsgründung des Großen Kurfürsten.
größten Teil seiner Armee nach dem neuen Kriegoschauplatz
auf. Denn bei der Schwäche der Schweden machte de Souches
in Pommern schnelle Fortschritte. Er nahm Stadt und JInsel
Wollin, zwang Damm zur Uebergabe, zog die Oder aufwärts
und überschritt sie bei Greifenhagen, um Stettin zu belagern.
Ende September war auch der Kurfürst durch Mecklenburg im
Anmarsch. Die schwedische Reiterei ließ ihn die Vorpommern
begrenzende Recknitz ungehindert (26. September) überschreiten,
tags darauf stürmte er die Schanze von Triebsee. Nun räumten
die Schweden auch den „hochimportierenden Paß“ bei Dammgarten
an der Mündung der Recknitz, während auf dem rechten
Flügel Sporck, der den südlichen Weg über Malchin eingeschlagen
hatte, Loitz stürmte und von dort aus die Verbindung
mit de Souches herstellte. Dagegen mißlang des Kurfürsten
Versuch, sich des schwach besetzten Greifswald durch nächtlichen
Ueberfall zu bemächtigen. Auch erwiesen sich die festen Plätze
zum Teil besser besetzt, als man erwartet hatte; sie zu bewältigen
fehlte es namentlich an Infanterie. Doch wurde
Demmin von Sparr nach dreiwöchiger Belagerung zur Uebergabe
genötigt. Bei Anklam erbentete Sporck einen Transvort
von etlichen hundert Wagen und vielen Pferden, und der Kurfürst
selbst nahm auf einem nächtlichen Streifzug gegen Stralsund
hin eine schwedische Abteilung von 300 Mann mit vielen
Offizieren und vornehmen Volontaires gefangen. Mit der Be—
lagerung Stettins aber kam de Souches nicht vorwärte, teils
wegen der Schwierigkeit der Verpflegung, teilo wegen Mangels
an Geschütz und Munition. Auch half die Bürgerschaft tapfer
bei der Verteidigung: da die Wasserstraße von Wolgast offen
war, rechnete sie sicher auf Entsatz. Dazu hieß es, Karl Gustav
wolle in den noch behaupteten dänischen Plätzen nur Besatzungen
lassen, um mit dem Gros seiner Armee von Wiomar aus durch
die Marken den Krieg in die kaiserlichen Erblande zu tragen
Beim Kurfürsten aber roate sich ein Mißtrauen gegen die kaiserlichen
Generale, welche die vertragsmäßige Uebergabe der pommerschen
Eroberungen an ihn verweigerten. Erst Ende November
kam es zu einem Vergleich, wonach die genommenen
Orte gemeinsam besetzt werden sollten, auch das Juartier= und