III. Die Friedensexekution und der Versuch einer deutschen Politik. 147
bis nach Regulierung der (Zrenze besetzt halten. Bei den Verhandlungen
darüber suchten sie den einzubehaltenden Streifen
rechts der Oder möglichst breit zu bemessen, vornehmlich im
Interesse der dort versorgten schwedischen Generale und Beamten.
Ferner beanspruchten sie — und nach dem Wortlaut des
Friedeno nicht mit Unrecht — auch für die Zukunft die Ueberlassung
der Seezölle in den an Brandenburg kommenden hinterpommerschen
Häfen. Jahre schleppten sich die Verhandlungen
hin. Dabei ließ der schwedische Uebermut den Kurfürsten seine
Hilflosigkeit recht geflissentlich fühlen und suchte ihn durch
immer neue Chicanen mürbe zu machen. So wenig wie eine
neue Gesandtschaft nach Stockholm und die Wiederaufnahme
des wunderlichen Tauschprojekts änderte daran die Fürsprache
des Kaisers, Kursachsens und Braunschweigs. Schweden wußte,
daß über leere Worte niemand hinausgehen würde.
Außerhalb des Reichs aber fand der Kurfürst vollends
keine Unterstützung, auch nicht bei den Niederlanden, auf die er
seit der Heirat mit Luise Henriette rechnen zu können glaubte.
Die damals eröffneten Verhandlungen hatten keinen Fortgang
genommen, nicht weil die republikanischen Staatomänner die
Vorteile des Bundes mit Brandenburg unterschätzt hätten, sondern
weil sie fürchteten, nach der Verschwägerung von Hohenzollern
und Oraniern werde ein solcher die Macht des Statthalters
gefährlich steigern. Daher wechselten die Auosichten für
die niederländisch-brandenburgische Allianz je nach dem Stande
des Kampfes zwischen der oranischen Partei und den in der
Provinz Holland gebietenden Aristokraten. Der Steigerung der
Antorität des Statthaltero durch den thatkräftigen Wilhelm II.
folgte mit dessen Tod (6. Februar 1050) ihr tieser Fall. Das
dem Abschluß nahe Bündnis mit Brandenburg, das auch den
westfälischen und niedersächsischen Kreis umfassen und sowohl
Pommern wie Preußen sichern sollte, kam nicht zu stande, und
die erstarkende Herrschaft der aristokratischen Partei nahm zunachst
jede Aussicht auf eine günstige Wendung.
Auch für die jülich-elevesche Sache drohte das verhängnisvoll
zu werden. Der westfälische Friede hatte diese nicht berührt.
Während daher beide Teile die bisherigen Abmachungen, also