Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Dritter Band. (3)

Der  lÜbergang  bei  Warschau  und  Iwangorod  341

wolin—Warschau  zurückgeworfen.  Hier  verstärkte  sich  der  Widerstand  zu
standfester  Gegenwehr.  Aber  der  Brückenkopf,  den  das  ktolllühne  Vorgehen
Königs  geschaffen,  war  schon  so  stark,  daß  ihn  lein  Gegenangriff  mehr  zerbrechen
  konnte.  Bei  Ruyczvwol  wuchs  die  erste  Kriegsbrücke  über  den
Strom.  Als  die  deutschen  Batterien  vom  linken  Ufer  aus  in  das  Gesecht
eingriffen  und  Obolin  in  Brand  schossen,  gaben  die  Russen  die  Hoffnung
auf,  die  Deulschen  mit  den  bereitgestellten  Kräften  in  den  Strom  zurückzuwerfen.
  Nur  gegenüber  der  Radomkamündung  gelang  es  ihnen,  die
Angreifer  auf  den  Weideninseln  festzuhalten  und  der  4.  Landwehrdivision
das  Vordringen  gegen  Domaszew  zu  verwehren.

Am  30.  Juli  zogen  beide  Teile  Verstärkungen  heran  und  rüfleten  zum
entscheidenden  Kampf.  Die  Deutschen  schafften  Minenwerser  in  die  Schügzengräben
  und  machten  sich  bereit,  durch  die  Uferwälder  und  über  die  Sandblößen
vorzudringen  und  den  RKussen  Maciejowice  und  Domaszew  zu  entreißen,
die  Russen  suchten  sie  in  den  Flanken  zu  fassen  und  einwärks  aufzurollen.
Schweres  Artilleriefeuer  fiel  auf  die  Wälder,  riß  Erd.  und  Qualmfahnen  in
die.  Höhe  und  schlug  auf  beiden  Seiten  tiese  Wunden.  Der  Deuesche  behielt
im  Geschügkampf  die  Oberhand,  seine  Gasgranaten  räumten  den  Wald.

Am  Nachmittag  des  1.  August  erhoben  sich  die  Schlesier  zum  Sturm  auf
die  zerschossenen  Stellungen.  Die  Russen  hielten  auf  dem  linken  Flügel
stand  und  empfingen  die  Sturmwellen  mit  Gewehr.  und  Geschügfeuer,  das
die  Sandblößen  und  die  Gründe  zwischen  den  Totwassern  verheerte  und
den  rechten  Flügel  Königs  wieder  zur  Erde  zwang.  In  der  Mitte  brach
der  Angreifer  in  eine  zerschossene  Stellung  und  segte  sich  fest.  Auf  dem
linken  Flügel  erreichte  er  im  Abenddämmer  stürmend  die  Trümmer  von
Domaszew.  Die  Russen  waren  nicht  dazu  gekommen,  sich  zum  Gegenangriff
zu  entwickeln  und  durch  die  Amfassung  Domaszews  in  schwere  Bedrängnis
geraten.  Als  es  nachtete,  lagen  die  Schlesier  vor  dem  letzten  Waldstreifen,
der  die  Uferlandschaft  von  dem  ostpolnischen  Hügelland  schied,  und  dicht  am
Wasserlauf  der  Struga,  eines  parallel  zur  Weichsel  ziehenden  Nebenflüßchens,
das  die  Südflanke  der  russischen  Haupltstellung  und  Maciejowice  deckte.

Der  Kampf  dauerte  ohne  Unterbrechung  an.  Die  kurze  Sommernacht
hallte  von  Gewehrfeuer,  Leuchekugeln  stiegen  aus  den  schwarzen  Forsten,
der  Mond  flimmerte  auf  den  Waldblößen  und  geisterte  in  Nebeldünsten
und  Gasschwaden,  die  sich  zwischen  Erlen  und  Kiefern  verfangen  hatten.
Im  Schude  dieses  Helldunkels  ging  der  Russe  vorsichtig  aus  den  Uferwäldern
auf  Maciejowice  gegen  die  Bahnlinie  und  die  Straße  Warschau—Lublin
zurück.  Er  verzichtete  darauf,  den  Durchbruch  abzuwehren,  der  die  Ufer.
verbindung  zwischen  Iwangorod  und  Warschau  zerriß,  und  sehte  sich  erst
bei  Podzamcze  und  Laskarzew  zu  neuem  Widerstand.  Mit  dem  ersten
Morgenstrahl  stießen  die  Schlesier  dem  Feinde  nach  und  warfen  seine  Nachhuten
  aus  Laskarzew  und  von  den  Höhen  von  Podzamcze.  Sengend  und