Der lÜbergang bei Warschau und Iwangorod 341
wolin—Warschau zurückgeworfen. Hier verstärkte sich der Widerstand zu
standfester Gegenwehr. Aber der Brückenkopf, den das ktolllühne Vorgehen
Königs geschaffen, war schon so stark, daß ihn lein Gegenangriff mehr zerbrechen
konnte. Bei Ruyczvwol wuchs die erste Kriegsbrücke über den
Strom. Als die deutschen Batterien vom linken Ufer aus in das Gesecht
eingriffen und Obolin in Brand schossen, gaben die Russen die Hoffnung
auf, die Deulschen mit den bereitgestellten Kräften in den Strom zurückzuwerfen.
Nur gegenüber der Radomkamündung gelang es ihnen, die
Angreifer auf den Weideninseln festzuhalten und der 4. Landwehrdivision
das Vordringen gegen Domaszew zu verwehren.
Am 30. Juli zogen beide Teile Verstärkungen heran und rüfleten zum
entscheidenden Kampf. Die Deutschen schafften Minenwerser in die Schügzengräben
und machten sich bereit, durch die Uferwälder und über die Sandblößen
vorzudringen und den RKussen Maciejowice und Domaszew zu entreißen,
die Russen suchten sie in den Flanken zu fassen und einwärks aufzurollen.
Schweres Artilleriefeuer fiel auf die Wälder, riß Erd. und Qualmfahnen in
die. Höhe und schlug auf beiden Seiten tiese Wunden. Der Deuesche behielt
im Geschügkampf die Oberhand, seine Gasgranaten räumten den Wald.
Am Nachmittag des 1. August erhoben sich die Schlesier zum Sturm auf
die zerschossenen Stellungen. Die Russen hielten auf dem linken Flügel
stand und empfingen die Sturmwellen mit Gewehr. und Geschügfeuer, das
die Sandblößen und die Gründe zwischen den Totwassern verheerte und
den rechten Flügel Königs wieder zur Erde zwang. In der Mitte brach
der Angreifer in eine zerschossene Stellung und segte sich fest. Auf dem
linken Flügel erreichte er im Abenddämmer stürmend die Trümmer von
Domaszew. Die Russen waren nicht dazu gekommen, sich zum Gegenangriff
zu entwickeln und durch die Amfassung Domaszews in schwere Bedrängnis
geraten. Als es nachtete, lagen die Schlesier vor dem letzten Waldstreifen,
der die Uferlandschaft von dem ostpolnischen Hügelland schied, und dicht am
Wasserlauf der Struga, eines parallel zur Weichsel ziehenden Nebenflüßchens,
das die Südflanke der russischen Haupltstellung und Maciejowice deckte.
Der Kampf dauerte ohne Unterbrechung an. Die kurze Sommernacht
hallte von Gewehrfeuer, Leuchekugeln stiegen aus den schwarzen Forsten,
der Mond flimmerte auf den Waldblößen und geisterte in Nebeldünsten
und Gasschwaden, die sich zwischen Erlen und Kiefern verfangen hatten.
Im Schude dieses Helldunkels ging der Russe vorsichtig aus den Uferwäldern
auf Maciejowice gegen die Bahnlinie und die Straße Warschau—Lublin
zurück. Er verzichtete darauf, den Durchbruch abzuwehren, der die Ufer.
verbindung zwischen Iwangorod und Warschau zerriß, und sehte sich erst
bei Podzamcze und Laskarzew zu neuem Widerstand. Mit dem ersten
Morgenstrahl stießen die Schlesier dem Feinde nach und warfen seine Nachhuten
aus Laskarzew und von den Höhen von Podzamcze. Sengend und