Einfall der Schweden in Preußen. 269
Heinrich Horn in Preußen ein. Der Kurfürst hatte vergeblich
von Polen verlangt, ihnen den Durchzug zu wehren; dieses machte
sogar Anstalt, Truppen zu werben und zu den Schweden stoßen zu
lassen, um wo möglich Preußen bei dieser Gelegenheit wieder zu ge—
winnen. Der Kurfürst schickte deshalb den General Görtzke mit
3000 Mann nach Preußen vorauf, damit dieser im Verein mit den
dortigen Truppen den Feind aufhalten sollte. Doch ehe er noch dort
eintraf, war Horn bereits über die Memel gegangen, so daß Görtzke
sich darauf beschränken mußte, sich in Welau aufzustellen, um die
Hauptstadt zu decken; aber bald mußte er nach Königsberg selber
zuric, da er zu schwach war, den vordringenden Schweden Widerstand
zu leisten.
Im December brach das kurfürstliche Hauptheer von Pommern
nach Preußen auf. Es war die gesammte Reiterei nebst Dragonern,
vom Fußvolk eine Elite aus jedem Regimente, außerdem 34 Geschütze.
Am Schlusse des Jahres reiste der Kurfürst selber nach, nachdem
vorher ein Buß-= und Bettag im ganzen Lande angesagt worden war,
wie dies auch vor der Schlacht bei Fehrbellin stattgefunden hatte.
Bei Marienwerder wurden am ½. Januar 1679 die Truppen, 9000
an der Zahl, gemustert. Ungeachtet der heftigen Kälte und des ungemein
tiefen Schnees waren Alle unverdrossen, ja brannten vor
Begierde, an den Feind zu gelangen. Sobald aber dieser von dem
Heranrücken des Kurfürsten hörte, brach er eiligst zum Rückzuge auf,
was den General Görtzke bewog, mit 4000 Reitern und 1000 beritten
gemachten Infanteristen dem Feinde zu folgen; der Kurfürst schickte
ihm noch 3000 Reiter und Dragoner zu Hülfe, damit er den Feind
zum Stehen brächte. Er selber setzte sein Fußvolk auf Schlitten, um
desto schneller folgen zu können. So ging es von Heiligenbeil am
12. Januar über das Haff nach Königsberg, von dort über Labiau
und das kurische Haff nach der Gilge. Der Vortrab unter Görtzke
und Treffenfeld brachte dem Feinde bei Splitter, in der Nähe von
Tilsit, den 22 Januar erheblichen Verlust bei, später noch einen zweiten;
die Schweden büßten nicht nur viel Mannschaft ein, sondern
auch viel Geschütz, Gepäck und Mundvorrath. Sie verdankten ihre
Rettung nur dem Umstande, daß das Hauptheer des Kurfürsten sie
verfehlte; in dem kläglichsten Zustande setzten sie eiligst ihren Rückzug
durch Schamaiten nach Liefland fort. Aber auch die kurfürstlichen
Truppen hatten durch die furchtbare Kälte, durch Mangel an Lebensmitteln
und Obdach während der Nächte schwer zu leiden, so daß
Friedrich Wilhelm sie am 2 Zemiar nach preußischen Quartieren zurückführte.
Selbst Treffenfeld, der mit 1000 Reitern den Schweden
nachsetzte, mußte wegen Ermattung die weitere Verfolgung aufgeben.
Der General v. Schöning trat darauf mit 1500 Reitern an seine
Stelle und rückte bis auf zwei Tagemärsche von Riga vor, wo bereits
die größte Bestürzung herrschte. Von dem schwedischen Heere aber