Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 60. Jahrngang (60)

Anummer  733

 

.  Mrufen  verstand,  hat  feine  Anwälte  beauftrag#t,.
gLegen  den  Fürsten  von  Fürstenberg-  Donaueschingen
  und  den  Fürsten-Konzern  im  Wege
der  Zivilklage  wegen  Vermögensschädigung  durch
urglistige  Täuschung  beim  Ankauf  des  Warenhauses
  vorzugehen.

Berlin,  12.  Juni.  Ein  abschreckendes  Beispiel
  aus  unferer  Rechtschreibung  hat  auf  der
Deutschen  Lehrerversammlung  in  Kiel  der
Lehrer  Kossog  gegeben.  Wie  die  „Frankf.  ZLg.“
mitteilt,  erzählt  er,  daß  vor  kurzer  Zeit  in
einer  Lehrerkonferen,  an  der  50  Lehrer  teilgenommen
  haben,  die  vier  Worte  diltiert  wurden:
  „Bloh  ein  bißchen  Grieß.“  Das  Redjultat
  war  mehr  als  überraschend.  Von  den  50
Lehrern  hatte  nur  ein  einziger  bloß  einen  Fehler
  gemacht,  während  die  übrigen  49  Lehrer
je  zwei  Fehler  machten.  Der  Lebrer  Kossog  zog
hieraus  den  Schluß,  daß  es  höchste  Zeit  sei,

in  dem  Formeltram  unserer  Rechtschreibung
Abhilfe  zu  schaffen.
erlin,  12.  Juni.  In  das  Schloß  der  Familie

  des  Prinmen  zu  Schönaich-Carolath  in
Haledorf  sind  heute  Nacht  Einbrecher  eingedrungen.
  Sie  entwendeten  eine  größere  Anzabl
  Gold=  und  Silbersachen  und  unersetzliche
Ueinere  Kunitgegenstände,  darunter  eine  Tabakdose
  im  Werte  von  2000  Mk.  und  eine  kostbare
  Uhr  von  Marie  Antoinette.

Berlin,  12.  Juni.  Ein  schweres  Unalüt
bat  sich  gestern  zachmittag  in  der  Kesselstraße
ereignet.  Ein  Droschkenautomobil,  das  einem
ihm  entgegenkommenden  Kraftwagen  und  einem
Lastwagen  ausweichen  wollte,  geriet  dabei  auf
den  Bürgersteig  und  überfuhr  zwei  Knaben,  vie
sich  in  Begleitung  eines  älteren  Mädchens  be
sanden,  das  noch  ein  kleines  Kind  auf  dem  Arme
  trug.  Vei  dem  einen  Knaben  konnte  nur
noch  der  Tod  festgestellt  werden,  der  andere
erlitt  so  schwere  Verletzungen,  daß  an  seinem
Aufkommen  gezwe  ifelt  wird.

Leipzia,  12.  Juni.  Im  Hause  Windmühlenstraße
  Nr.  18  versuchte  heute  Morgen  ein
junger  Mann,  der  sich  Hans  Hein  aus  Wien
nannte,  einen  Raubanfall  auf  seine  Logiswirtin.
Als  Lausbewohner  damlamen,  erschoß  sich  der
Täter.  Eleich  darauf  erichien  ein  Geldbrief
träger,  um  eine  Spoftanweiung  über  5  Marl
auszuhändigen.  stellte  sich  beraus,  daß  Hein
diese  Wid.x.z.  an  sich  selbst  abgeschickt
hatte,  um  den  Briefiräger  zu  überfallen.  Durch
den  mißglücklen  Ueberfall  auf  die  Wirtin  war
diese  Absicht  vereitelt  worden.  Bei  dem  Toten
wurden  zwei  geladene  Revolver  und  ein  Totschlager
  gefunden.  Die  Polizei  verhaftete  auf
der  Straße  einen  der  Mittäterschaft  verdächtigen
  jungen  Mann.

Elbing,  12.  Juni.  Auf  Antrag  des  Konlursverwalter
  der  Elbinger  Vereinsbank  wurde
über  das  Vermögen  Der  Osteeutichen  Sch  10
werft  füt  Motorenbaiu  von  Schend  u.  Co.  in
Elbing  der  Koniurs  eröffnel.  Die  Werft  überschritt

  den  ihr  von  der  Vereinsbanf  bewilligten
  Kredit  in  der  Höchstgrenze  von  100  C0O0  Ml.
um  zirta  500  000  Mk.  und  veranlaßte  dodurch
die  Zahlungseinstellung  der  Elbinger  Vereinsanl.


Liegnitz,  12.  Juni.  Ein  Sergeant  der
Maschinengewehrabteilung  der  Liegnitzer  Königsgrenadiere
  erschoß  seine  Braut,  ihren  5jähr.
unehelschen  Sohn  und  dann  sich  selbst,  weil  der

Heirat  große  Schwierigleiten  gegenüberstanden.


Graudenz,  12.  Juni.  Heute  Mittag  erkhüowiersé
  auf  der  biesigen  Fliegerstation  beim
1  Absüllen  von  Venzin  ein  Benzinfaß,  wobei  ein
I  ier,  ein  Sergeant  und  zwei  Gefreite
(einer  aus  Erlangen)  nelötet  wurden.  1  Die  Leichen
  wurden  entseglich  vertümmelt.  Der  Ma-###rialschaden
  ist  erhebtich.
Juni.  Bei  der  Abtragung
Aovlerbecer  Hülle  löste
#roßer  Blod  und  riß  meh-Dortmund,

  1½.
einer  Haloe  aus
sich  heute  morgen  :

—  2

—.1
Verneiung.

  

„Die  Hert  en  kind  ja  wohl  briann:,  “  jaate
Sabine.  „Linc.  Herr  Herter.  nuhmen  Sie
Platz.  Sie  müssen  ein  Schalchen  Tee  mit  uns
trinten.“

„Kom  tesse  baben  fün  selbit  bereitet?  Ah,
da  wird  er  da  ant  munden.  Was  sage
ich,  do  melt!  Be  *  ,  bundertigch!“

 

Dabei  heiran  H  )  kr  who  mit  einem

Blici,  der  ne  ung  iiür  ihre
ũevlichleit  zu  erinuien  aeb.  Da  richtete  sich
abine  snit  einem  hnd  ins  ihrer  nachlänng

Jüre  FriinentQ  Nascn
ein  Flimmern  war  in  ihren

bequerien  Stetinng  empor.
flügel  bebten.  and  e

Augen.  während  *  doch  lachelnden  Mundes
sagte

gte  ich's  nicht,  daß  sie  reizend  isl  cm
reeii  Wenn  Herr  Horter  Komplimente

maght,  muß  irgend  etwos  seine  Bewunderung
in  hohem  Maße  wachger  usen  haben.“

Herta  blicite  erstaunt  auf  die  Schwester.
Es  war  Sabines  Art  sonst  nicht,  unzarte  *
merkungen  zu  machen.  Har!e  sie  sie  unwissentuid
getränt  ?*  Fedenfalls  wollte  sie  sie  spater  berag

erter  aber  war  bleich  geworden  bei
Sabines  Worten,  und  er  wandte  seine  Aufmerksamkeit
  nur  noch  ihr  #.  All  seinen  Wige,
seine  gelollschafrihen  Tlente  bot  er  auf,
zu  unterhalten,  und  es  schien  ihm  in  der  Fat
vortrefflich  zu  gelingen.  Sie  hatte  ein  irönliches
  Lachen  für  seine  Scherze  und  freundliche
Blicke  für  seine  lühnen  Schineicheleien,  dis
Doktor  Cederstiösbs  Unwillen  hervorriesen.

(Jortse#ung  folgt.)

 

Eol
rere  Arbeiter  in  die  Tiese.  Vier  Tote  und  eln
Schwerrerletzter  sind  geborgen.  Ob  noch  mehr

Arbeiter  sich  unter  den  Schlacken  befinden,  sleht
noch  4iru

Hamburg,  12.  Juni.  Heute  Vormittag
wurde  hier  der  16jährige  Elektrotechnikerlehrling
  Kuhns  verhaftet,  weil  er  gestern  an  der  drei
Jahre  alten  Irma  Barz  (nicht  Haaß)  einen
Lustmord  verübte  und  die  Leiche  darauf  in  einen
Sack  steckte.  Kuhns  ist  geständ  ig

oulouse,  12.  Juni.  Ein-  mit  5  Angehörigen
  der  Familie  des  Arzles  Lautre  besetztes
Automobil  slürzte  heute  Morgen  infolge  Einbruchs
  einer  Brüke  in  einen  Graben.  Alle  Inlassen
  wurden  geiöt:#l.

London.  12.  Juni.  Die  Anhängerinnen
des  Frauenstimmrechts  versuchten  beute  Nacht
die  aus  dem  12.  Jahrhuwert  slammende  Parrlirche
  ron  Cbiustad  in  der  Grafschaft  Surren
in  Brand  zu  stecken.  Das  Portal  wurde  zerstört.
  Auf  dem  Friedhof  wurden  Schriften  der
Frauenreckhtlerinnen  vorgefunden.

Vondon,  12.  Juni.  Unter  den  Geretleten
der  Enipreb  of  Ireland“  siel  bei  der  gestrigen
Landung  ein  noch  junger  Mann  auf,  in  dessen
Gesicht  aber  tiese  Leidensspuren  eingegraben
waren.  Er  neunt  sich  William  Clarq  und  ist
der  einzige  Mann  auf  der  Welt,  der  die  beiden
größten  Schiffslatastr  -kophen  überlebt  hat.  Er
war  Heizer  auf  der  „Titanic“;  seine  erste  Ausreise
  nach  der  surchtbaren  Titanic-Katastropbe
machte  er  —  wieder  als  Schiffshei-  ser  —  auf
der  „Empreß  ofj  Freland“.  „In  derselben
Stelle  zum  dritten  Male  Unglä  zu  haben,“
sagte  er  lachend,  „halten  wir  Seeleute  für
fatal;  aber  ich  heize  trotzdem  weiler.“

Madrid,  12.  Juni.  Jn  dem  Dorfe  Palacios-Rubies
  in  der  Nähe  von  Salamanca  hatte
eine  Frau  Marin  Pro,  die  etwa  42  Jahre  alt
war,  dem  Ortspfsarrer  mitgeteillt,  daß  ihr
Mann  und  ihre  drei  Kinder  vom  Teufel  beses.
sen  seien,  weshalb  sie  gedenle,  diese  umzubringen
  und  sie  Gott  zu  opfern.  Der  Geistlliche  riet
der  offenbar  wahnsinni  gewordenen  Frau
energisch  von  ihrem  Vorhaben  ab  und  glaubte
nich#,  daß  diele  die  schredliche  Tat  ausführen
würde.  Tags  d  darauf  wurden  in  der  Wohnung
der  Pro  die  drei  Kinder  im  Alter  von  3,  3
und  11  Jahren  mit  zerschnittenem  Halse  in  den
Vetten  aufgesunden.  Nachdem  die  unglüdliche
Frau  das  Verbrechen  begangen  hatte,  ertränlte
sie  sich  in  einem  Ziehbrunnen.  Ihr  Mann,
der  sehr  früh  auf  das  Feld  gegangen  war,  en!
ging  dem  Tode.

Münchener  Neuigkellen.

münchen.  12.  Juni.  Der  Haupttresfer  der
Nürnberger  Blindenheim=  Lotterie  im  Betrage
ren  20  000  Mk.  fiel  auf  eine  in  München  wohnende,
  im  dürftigen  Verhäütnissen  lebende  Witwe,
  die  das  Los  in  ciner  Wirtschaft  im  Tal
gekauft  hatie.  Der  zweite  und  dritte  Haupttrefser
  sielen  nach  Regensburg  und  Rürnberg.

ünchen.  12.  Juni.  Im  ehemaligen  Cafe
Rona!  am  Karlsplatg  befand  sich  seit  einigen
Taqgen  ein  amerilanisches  Vergnügungselab.
lissemunt,  in  dem  Glüädspielbillards,  Glückspielautomaten,
  eine  get.  rische  Schießbude  usw.  aufgesteilt
  waren.  Die  Poliseidirettion  halte  die
Unternehmer  schon  vor  der  Eröffnung  darauf
aufmerlsam  gemacht,  daß  sogen.  amerikanische
mechanische  Glückspiele  in  München  verboten
seien.  Da  die  Unternehmer  trotzdem  das
Etablissement,  das  sich  übrigens  eines  starlen
  Besuches  bei  großem  Umsatz  erfreuen  durfte,
eröffueten,  wurde  es  nunmehr  polizeilich  geschlossen.


Barerische  Nachrichten.

Bamberg,  12.  Juni.  Die  Stadt  Bamberg
überließ  einen  in  der  Nähe  des  Hains  befindlichen
  wertvollen  Bauplatz  tauschweise  der
biesigen  Klerikalseminarstiftung  zum  Baue  eines
neuen  Klerikalsemmars  mit  anschließender  Kapelle.
  Dafür  erhält  die  Stadt  das  bisherige
Klerikalseminar  für  ein  neues  Nathaus.  Selbftverständlich
  muß  die  Stadt  an  die  Klerikalseminarstistung
  die  Wertdifferenz  zwischen  den  beiden
Tauschobiekten  daraufzahlen.  as  biherige
Rathaus  wird  das  kommende  „Fränkische  Heimatmuseum“
  beberbergen.  Das  alte  Klerikalseminar
  zählt  zu  den  ältesten  und  größten  Gebäuden
  Bambergs,  wurde  1585  gegründet  und
1733  nach  den  Plänen  Balthasar  Neumanns
unter  Fürstbischof  von  Schönborn  neuerbaut.

Bowerisches  Overland.

Kolbermoor,  12.  Juni.  Die  zu  Gunsten
der  freiwilligen  Krankenpflege  im  Kriege  in  der
Gemeinde  Kolbermoor  vorgenommene  Role-Zreuz
  Sapmlung  ergab  die  Summe  von  503

g.

Holzkirchen,  12.  Juni.  In  der  hier  abgehaltenen
  Generaloersammlung  des  Gastwirtevereins
  Miesbach  und  Umgebung,  der  auch  Regierungsrat
  de  Rudder  beiwohnte,  wurde  besonders
  gegen  den  Flaschenbierhandel  Stellung
genommen.  Die  Versammlung  beschloß  dann
einstimmig,  auf  Einführung  eines  Flaschenpfanoes
  zu  dringen.

Miesbach,  12.  Juni.  Der  Magistrat  Miesbach
  beschloß  die  Veräußerung  des  ehemaligen
Schulhauses  an  der  Kirchengasse  an  den  Verein
Fürr  uches  Bezirlsmuseum  Miesbach  um  20  000

Nar#.

 

 

 

er  Auzelger
Vas  Reichenhall,  12.  Juni.  Der  Gastwirteverein
  Bad  Neichenhall  und  Umgebung
hat  beschlossen,  ab  15.  Juni  sich  mit  der  Ersfhun
  eines  Flaschenpfandes  im  Betrag  von
fg.  einverstanden  zu  erklären.  Die  10

%.  für  die  entlehnte  Flasche  sollen  zurückerstattet
  werden,  wenn  der  Käufer  die  Flasche  zurückbringt.



Burghausen,  12.  uni.  Die  Bosnische  Elektrizitätsgesellschaft
  in  Wien  hat  der  bayerischen
Staateregierung  milgeteilt,  daß  sie  im  Prinzip
  bereit  sei,  die  Wasserkräfte  der  Alz  bei  Burghausen
  auszubauen  und  dort  eine  große  Fabrikanlage
  zu  errichten.  Es  schweben  Verhandlungen.


H#eumarkt,  12.  Juni.  In  dem  benachbarten
Feichten  sollte  am  Dienslag  eine  Hochreit  statlfinden,
  doch  müssen  zwischen  dem  Brautpaare
nach  der  slandesamtlichen  Handlung  Zoistlig-=keiten
  entslanden  sein,  denn  die  Braut  verweigerte
  ihr  Erscheinen  zur  kirchlichen  Trauung.
Im  Wirtohaus,  wo  reichlich  und  gut  für  des
Leibes  Atzung  vorgesorgt  war,  ging  es  troßtdem
recht  lebhaft  zu.  Das  Brautpaar  hat  enrft  am
Mittwoch  früh  in  St.  Veit  den  kirchlichen  Se.
gen  empfangen.

Grenzlande.

Innsbruck.  12.  Juni.  Vom  Roßlopf  am
Achensee  ist  gestern  ein  Tourist  abgestürzt.  Er.
erlitt  tödliche  Verletzungen.  Di:  Leiche  wurde!
geborgen.  Wie  gemeldet  wird,  soll  es  sich  um
einen  Münchener  Architetten  handeln.

Salzburg,  12.  Juni.  Der  bei  der  Firma
Brüder  Reklich  und  Berger  in  Unterstein,  Gem.
Eschenau,  beschäftigte  Bremser  Aulmanic  kroch
nachts  in  einen  Benzinmotor  und  öffnele  versehentlich
  den  Benzinbehälter,  dessen  Inhalt  sich
über  seine  Kleider  ergoß.  Als  fräler  Bulmanie
ein  Streichbolz  anzündete,  fingen  seine  Kleider
Feuer  und  im  Nu  schlugen  die  Flammen  hoch  an
seinem  Körper  hinauf.  Bulmanic  stürzte  sich
sofor!  in  die  Salzach.  Er  wurde  von  Bahnarbeitern
  gerettet  und  mit  schweren  Brandwunden
  nach  Salrburg  ins  St.  Johannsspital  verbracht.


Die  neue  Schulordnung  für  die
höheren  Lehranstalken.

I.  Schulordnung.

Höhere  Lehranstalten  sind  die  humanift  schen
umnasien  und  Progymnasien  und  die  Latkeinschulen,
  die  Realgymnasien  und  Realprogymnasien,
  die  Oberrealschulen  und  Realschulen.

Nach  Bedürfnis  übnnen  außerdem  eingerichtet
werden  und  sind  höhere  Lehranstalten  Reform-——
  un  und  Resormrcalprogymnasien.

Die  Gymnasien  und  die  Oberrealschulen  umsasicn
  je  neun,  die  Progymmase  en  und  die  Realschulen
  je  sechs,  die  Laleinschulen  in  der  Regel
je  jünf  Klassen.  Nierklassige  Realschulen  kön
nen  in  Berücssichtigung  besonderer  örtlicher
Verhöltaisse  zunelassen  werden.

Die  höheren#  Lehranstalten  haben  den  Zwelk,
ihre  Schüler  auf  religiöser  Grundlage  zu  sitllicher
  Tüchtigleit  zu  erz  ziehen,  ihnen  eine  höhere
  allgemeine  Bildung  in  vaterländischem
Geiste  zu  gewähren  und  sie  zu  selbständiger
Geistesorbeit  sähig  zu  machen.

Die  humanistischen  Gymnasien  gewähren  vorzugsweise
  sprachlich-Hisflorische  Schuiung  mit  besonderer
  Betonung  der  alten  Sprachen  und  der
antilen  Kultur,  die  Realgymnasien  und  Nesormrealgymnasien
  voczugsweise  sprachlich-hüflorische
  Schulung  mit  br  sonderer  Betonung  der
neucren  Sprachen  und  der  modernen  Kuliur,
die  C  Oberrealichulen  und  J  schulen  vorzugsweise
  rerlieste  Ausbildung  in  den  mathematischnaturwisse
  enschaftlichen  Hächern.

TI.  Grmnasien  und  Ober#calschuken  haben
weiter  die  Aufgabe,  die  Schüler  zum  selbflständigen
  Studium  an  einer  Hochschule  sähig
zu  machen.  Die  Progymnasen  und  Lateinschnlen
  entsprechen  den  unteren  Klassen  der  Gymnasien
  und  bereiten  somit  um  Eintritt  in  die
oberen  Klassen  dieser  Annallen  vor.  Die  Realschulen
  entsprechen  den  unteren  Klassen  der
Oberrealschulen  und  gewähren.  in  erster  Linie
eine  erweiterte  allgememne  Bildung  für  die  bürgerlichen
  Beruse,  be’eiten  aber  zugleich  zum
Eintritt  in  die  cb  2en  Klassen  der  Oberrealschulen
  vor.

Die  Zahl  der  Schüler  soll  in  den  Klassen
I  mit  III  nicht  über  45,  in  den  Klassen  IV
und  V  nicht  über  40,  in  den  Klassen  VI  und  VII
nichl  über  35  und  in  den  Klassen  VIII  und
und  IX  nicht  über  20  betragen.  Die  Schüler
haben  als  Beitrag  zur  Deckung  des  Aufwandes
für  die  Schulen  Schulgeld  zu  entrichten.  Die
Höhe  des  Schulgeldes  wird  vom  Ministerium
festgesetzt.  Dürftige  und  würdige,  einem  deulschen
  Bundesstaat  angehörige  Schüler  können
von  der  Entrichtung  des  Schulgeldes  je  für  die
Dauer  des  Schuljahres  ganz  oder  teilweise  befreit
  werden.

Die  Unterrichtsgegenstände  der  höheren  Lehranstalten
  teilen  sich  in  Pflichtfächer  und  Wahlächer


1  Nachmittage  sind  von  dem  Unterricht
in  den  Mflichtfächern  frei  zu  lassen

Der  Unterricht  in  den  Pflichtfächern  ist  in
der  Regel  auf  Vormittag  und  Nachmittag  3##
verteilen.  Eine  Verteilung,  durch  die  der  MA
unterricht  ganz  oder  nahezu  ganz  auf  den  Vormittag
  pexlegt  wird.  bedarf  der  Henehmigung

 

Z

 

 

onntag,  14.  Junl  1014
—  —  —  —  —
des  Ministerlums.  Zwischen  dem  Vormittaguno
  Nachmittagunterricht  muß  ein  Zoischenraum
  von  wenigstens  zwei  Stunden  und,  wenn
der  Vormittag-Unterricht  über  vier  Stunden
dauert,  tunlichst  von  3  Stunden  liegen.  Der
Vormittag-Unterricht  darf  in  “  Zeit  vom
1.  April  bis  zum  Schlusse  des  Schuljahres
nicht  vor  7  Uhr,  in  der  Zeit  vom  16.  Februar
bis  31.  März  und  vom  16.  September  bis  15.
November  nicht  vor  8  Uhr,  in  der  Zeit  vom
16.  Nov.  bis  15.  Februar  nicht  vor  8¼  Uhr
beginnen.  Zwischen  den  Unterrichtestunden  sind
Pausen  einzuschalten.

Das  Schuljahr  beginnt  mit  dem  16.  Septemler,
  ist  dieser  Tag  ein  Sonntag,  mit  dem  18.
September;  ist  er  ein  Montag,  mit  dem  17.
September;  es  endigt  mit  dem  15.  Juli,  ist.
dieser  Tag  ein  Sonntag  mit  dem  14.  Juli,
ist  er  ein  Montag,  mit  dem  13.  Juli.  An  den
Tagen  des  Schuljahrsbeginns  und  Schlusses
sollen  feierliche  Schüler-  Gottesdienste,  am  Tage
des  Schulsahrsschlusses  zugleich  eine  Schülerfestfeier
  abgehalten  werden.

Die  Weihnachtsferien  beginnen  mit  dem  23.
Dezember,  vormittags  10  Uhr,  ist  dieser  Tag
ein  Sonntag,  mit  dem  22.  Dezember,  vormiltags
  10  Uhr,  sie  endigen  mit  dem  2.  Januar,
ist  dieser  Tag  ein  Sonntag,  mit  dem  3.
Januar.

Die  Osterferien  beginnen  mit  dem  Freitage
vor  dem  Palmsonntag  vormitlags  10  Uhr
und  endigen  mit  dem  Montage  nach  dem  weisten
Sonntag.

Am  Samstag  vor  Pfingsten  endigt  der  Unterricht
  vormitiags  10  Uhr.  Dienslag  und
Mittwoch  nach  Pfingsten  sind  frei  vom  Unterricht,

  desgleichen  der  Nachmittag  des  Faslnachtsdienstags.

Bezüglich  der  Feier  der  Allerhöchsten  Geburts--

  und  Namensfeste  an  den  Anstalten  wird
rom  Min:  sterium  Anordnung  getroffen.  Der

Tag  des  P  t.  Luit
is#  frei  vom’  unterri  t.  Jur  Abhallung  eines
Frühjahrsfestes  mit  V  orträgen  der  Schüler  und
Schulerausflügen  ist  in  der  Regel  ein  Tag
vom  Unterrichte  srei  zu  geben.

Ueber  Betragen  und  Fleiß,  dann  über  die
bei  den  Pfiichtfächern  erzielten  Forlschritte  wecden
  den  Schülern  zu  Weihnachten  und  Oten
Zwischenzeugnisse  und  am  Jahresschluß  Jahreszeugnisse
  ausgestellt.  Betragen  und  Fleiß  werden
  in  den  Zvischenzeugnissen  mit  Noten,  im
Jahreszeugni=  durch  ein  Urteil  mit  Worten  angegeben.
  Die  in  den  einzelnen  Untlerrichtsfächern
  erzielten  Fortschrilte  werden  durch  Noten

poldbezeichnet.

  Die  zulässigen  Notenstufen  sind
I.  sehr  gut,  II=  gut,  III  -genügend  und  IV.
ungenügend.  Zur  Bezeichnung  der  Fortschritte

in  den  Zwischenzeugnissen  sind  Kach  die  Zwischennoten
  1  II  .  fast  sehr  gut,  IIII1  .  noch
gut  und  III.  IV  noch  Pemn.  zulässig.

Die  Reifeprüfung  zerfällt  in  einen  schriftlichen
und  mündlichen  Teil.  Prüfungsgegenstände  sind
Neligionslehre  be  i  allen  Anstallen,  Deutsch  bei
allen  Anstallen,  Latein  bei  den  Cymnasien,  Grier
  isch  bei  den  humanistischen  Gymnasien,  Franzasisch

  bei  allen  Anstalten,  Englisch  bei  den
Nealgymmofien,  Resormrealgymnasien  u.  Ober-Kralschulen,
  Mathematit  bei  allen  Anstalten,
Phosik  bei  allen  Anstalten,  Chemie  bei  den
Realanmnasien  und  Reformrealgumnasien,  Chemie
  mit  Naturlunde  an  den  Oberrealschulen,
Cieschichte  bei  allen  Anstalten,  Zeichnen  bei  den
Vealgumnasien,  Reformrealgymnasien  und
Oberrealschulen  .

Die  schriftliche  Prüfung  erstreit  sich  auf  alle
Prüfungsgegenstände  mit  Ausnahme  der  Geschichte.
  Die  mündliche  auf  alle  Prüfungsgegenstänode
  mit  Ausnahme  der  Religionslehre  und
des  Zeichnens.  Schüler,  die  in  der  schriftlichen
Prüfung  aus  der  Religionslehre  die  Note  IV
erhalten  haben,  sind  der  mündlichen  Prüfung  in
diesem  Gegenstande  zuzuweisen.  Schüler,  die
weder  im  Jahresfortgang  noch  bei  der  schriftlichen
  Prüfung  in  einem  Prüfungsgegenstand
die  Note  IV  erhalten  haben,  können  von  der
Ablegung  der  mündlichen  Prüfung  befreit  werden.
  Schüler,  die  sich  der  mündlichen  Krus
zu  unterziehen  haben,  können  von  dieser  Prüfung
  für  jene  Gegenstände  befreit  werden,  in
denen  sie  enkweder  im  Jahresfortgang  oder
in  der  schriftlichen  Prüfung  mindestens  ole
Note  II  und  in  keinem  von  beiden  die  Note  IV
erhalten  haben.  Die  Entscheidung  kommt  der
Prüfungskommission  zt

Im  Hinblick  auf  dir  Vorschriften  über  den
Nachweis  der  Befähigung  z#m  einjährig-freiwilligen
  Militärdienst  haben  sich  bei  den  sechstlassipen
  Anstalten  die  Schüler  der  VI.  Klasse
am  Ende  des  Schulfahres  einer  Schlußprüfung
  zu  unterzieben.

Schluß  folgt.

FEelalnachrichler.
Rosenheim,  13.  Jund

Neue  Lehr=  und  Schulordnung  für
die  Mittelschulen.  Wemn  die  Löbrer-ldungsanstalten
  nicht  in  der  neuen  bayer  ischen
Schulordnung  ausgeführt  sind,  so  hat  dies  seinen
Grund  darin,  daß  diese  Klasse  der  Mittelschulen
als  Fachschulen  angesehen  werden  müssen.  Die
bKehrerbildungsanstalten  erhielten  bereits  am  2.
ugust  1912  eine  neue  Lehrordnung  und  am
3.  #ui  1914  nrue  Prüfungsvorschriften,  die
sich  im  wesentlichen  mit  der  neuen  „Bayer.
Schulordnung“  decen.