Full text : Hermann Stegemanns Geschichte des Krieges. Zweiter Band. (2)

246  Der  Feldzug  im  Osten  vom  12.  Sept.  bis  5.  Nov.  1914

unlöslich  verkämpft.  Die  russischen  Bakterien,  die  auf  der  Czysckihöhe  und
auf  der  Wegrzelista  aufgepflanzt  standen,  spannen  die  Schlacht  in  ihr  Kreuzfeuer,
  nachdem  der  Durchbruch  hüben  und  drüben  gescheitert  war,  und  ließen
sie  im  Artilleriegetöse  erskarren.  Die  2.  Armee  lag  vor  der  Lysa  Gora  und
bei  Starasol  fest  und  kämpfte  bei  Stary-Sambor  in  hin  und  her  springenden
Gefechten  um  einzelne  Karpathenkuppen,  auf  denen  sich  die  Gegner  gegenseitig
  in  Seite  und  Rücken  zu  kommen  suchten.  Je  weiter  diese  Kämpfe  ins
Gebirge  zurückgriffen,  desto  stärker  wurde  die  Verstrickung,  die  den  Osterreichern
  gefährlicher  war  als  den  Russen,  da  Iwanow  immer  noch  Werstärkungen
  zuflossen.  Am  23.  Okkober  sah  sich  Boehm--Ermolli  genötigt,
die  Lage  dadurch  auszugleichen,  daß  er  den  rechten  Flügel  gegen  Turka
zurücknahm  und  die  in  den  Gebirgstälern  zerstreuten  Abteilungen  rückwärts
sammelte.  Die  Lücke,  die  infolgedessen  zwischen  Tersztyanskis  IV.  Korps  und
dem  XII.  Korps  aufsprang,  wurde  durch  Kavallerie  und  Landsturm  verkleidet.

Am  24.  Oltober  war  der  Durchbruch  auf  dem  Südflügel  der  2.  Armee
so  stark  geworden,  daß  die  4.  Armee  nördlich  des  Serwiaz  zu  Entlastungsangriffen
  schreiten  mußte,  obwohl  diese  keine  Erfolge  versprachen.  Der  Mangel
an  Munition  gestattete  keine  große  Vorbereitung  der  Angriffe,  und  die  Cholera
fraß  die  Kraft  der  Infanterie  schon  vor  dem  Gefecht.  Trotdem  warf  sich
Boroevics  linker  Flügel  noch  einmal  auf  Mizynicc  und  erstlirmte  am
25.  Okkober  nach  zweitägigen,  Tag  und  Nacht  wütenden  Kämpfen  den  Friedhof,
  die  Kirche  und  das  Schloß  von  Mizyniec  und  die  Höhe  279.  Gestützt
auf  diesen  Erfolg,  riß  Boroevic  seine  Armee  am  26.  Oktober  zu  einer  letzten
Anstrengung  hin.  Noch  einmal  flammte  sein  Artilleriefeuer  auf,  dann  ging
die  ganze  Front  der  3.  Armee  von  der  Blozewka  bis  zur  Buchta,  von  Chyrow
bis  Trzemysl  zum  Angriff  vor.  Der  Angriff  gewann  hier  und  da  Raum,
führte  eine  Brigade  des  XI.  Korps  bei  Chraplice  auf  eine  Höhe,  die  in
bartem  Kampf  behauptet  wurde,  vermochte  aber  die  russischen  Haupt.
stellungen  nicht  zu  erschüttern.  Unangreifbar  trotzten  die  Wegrzeliska  und
die  Höhen  von  Czyscki  am  Süd-  und  die  große  Schanze  von  Medyka  am
Nordflügel  der  russischen  Stellungen.

Die  3.  Armce  hatte  ihr  äußerstes  getan  und  fiel  in  die  Verteidigung,
um  gleich  der  4.  Armce  Teilkräfte  auszuscheiden  und  an  andere  Stellen  zu
entsenden.  Erschöpft  und  von  Seuchen  gemartert  lagerte  die  Armee  Boroevics
im  Serwiaz-  und  Blozewkatal  und  auf  den  Hügeln,  die  sie  zwischen  Sanoczanv
und  Chraplice  erstritten  hatte,  bart  am  Feinde  in  ihren  Gräben.  Ihre  rück.
wärtigen  Verbindungen  ließen  immer  noch  zu  wünschen,  die  große  Sanbrücke
von  Zagorz  wurde  eben  erst  fertig,  an  der  Wiarbrücke  von  Nizankowice
klangen  die  lehten  Hammerschläge.  Die  Hoffnungen,  die  man  an  die  Herstellung
  der  großen  Schienenwege  geknüpft  hatte,  sollten  nicht  mehr  erfüllt
werden.  Als  am  27.  Okkober  der  erste  Zug  über  den  San  rollte  und  schweres
Geschüs  heranschleppte,  war  es  zu  spät,  den  Angriff  wieder  aufzunehmen.