122 Vorruer: Hebräisch.
und in I einzelne Abschnitte aus den Propheten gelesen werden sollten. 1882
wird zwar als Lehrziel in Aussicht genommen, daß die Abiturienten gleich bei
ihrem Eintritt in die Universität solchen Vorlesungen, die einige Kenntnis des
Hebräischen voraussetzen, sollen folgen können; aber die Prüfungsbestimmungen
des genannten Jahres streichen aus denen von 1834 die Kenntnis der Hauptregeln
der Syntax und fügen bezüglich der Übersetzung hinzu: “ohne erhebliche
Nachhilfe”. 1892 wird der Beginn von U II nach O II verschoben; der Unterricht
umfaßt also fortan nur noch 3 Jahre. Die Meldung zur Teilnahme verpflichtet
auf Y, Jahr; in der Regel sollen Englisch und Hebräisch nicht zugleich
von demselben Schüler betrieben werden. Die Lehrpläne von 1901 haben keine
Neuerung gebracht. Für die Klausurarbeit ist die Benutzung eines Lexikons
erlaubt; eine mündliche Prüfung ist nicht üblich; doch ist sie nach einem
Ministerialerlaß von 1893 für den Fall einer ungenügenden schriftlichen Arbeit
zulässig; aber es soll ein genügendes Ergebnis nur dann von Wirkung sein,
wenn die Klassenleistungen ohne Einschränkung genügend genannt werden
konnten.!) Seit 1834 ist ein nachträgliches Examen während der Universitätszeit
gestattet; doch sollen nachher noch 5 Semester auf das Studium verwendet
werden. Für dieses Examen ist die mündliche Prüfung beibehalten.
Keine Frage: das Hebräische hat von seinem früheren Ansehen auf der
Schule sehr viel eingebüßt. Immerhin gibt ein Vergleich nach unten noch
Anlaß zur Zufriedenheit: in Österreich hat das Fach auf dem Gyınnasium gar
keine Stelle. Von den Gegnern ist unter anderem geltend gemacht, die Resultate
dieses Unterrichts entsprächen in keiner Weise der darauf verwendeten
Zeit?) Wo das zutrifft, da liegt es wohl meist an dem Übelstand, daß fast
alles mit keineswegs immer begabten Schülern in den Stunden selbst geleistet
werden muß; möglicherweise aber auch am Lehrer. Denn die geringen Kenntnisse,
auf die hin bisweilen die Fakultas erteilt wird, reichen zu einem fruchtbaren
Unterricht in Prima nicht aus; scheint doch die geltende Prüfungsordnung
von den Kandidaten nicht einmal die Fähigkeit zu erwarten, einen leichteren
unpunktierten Text zu interpretieren. Von einem Handbuch wird man unter
diesen Umständen einige Winke erwarten, wie der angehende Lehrer des Hebräischen
solche bald genug sehr unangenehm empfundene Lücken ausfüllen kann.
Kenntnis anderer semitischer Dialekte ist eine schöne, wünschenswerte Sache;
aber für den Unterricht genügt, was Strack in seiner trefflichen Grammatik°)
(S. 128 ff.) transkribiert an altarabischen Paradigmen zur Erläuterung der
hebräischen Wortbeugung zusammenstellt. Zur Orientierung über ‘die semitischen
Sprachen’ sei aber jedem die ‘Skizze’ von Th. Nöldeke empfohlen“)
Neben ausgedehnter Lektüre übe man sich eifrig im Übersetzen aus dem Deutschen
ins Hebräische und im Lesen unpunktierter Texte — Stoff dazu bieten
, Vgl. hierzu die Bemerkungen von Sachse, ZGW LIT 1898 8. 209 ff.
») Bo Bachmann in seiner Schrift ‘Es geht so nicht weiter’ usw. Berlin 1891. Freilich
standen damals 4 Jahre zu Gebote.
®, Mit Übungsbuch. 8. Auflage, Beck-München 1902.
% Weigel-Leipzig 1899?.