Metadata : Die Gewerbefreiheit für Bayern.

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Einzelnen  hätte  entscheiden  lassen.  Die  adeligen  Vorrechtbegnadeten
hätten  dann  freilich  erklärt:  „eine  solche  frevelhafte  Neuerung  darf  nie
und  nimmermehr  geschehen,  unsere  uralten  Rechte  sind  feierlich  verbriest
und  verbürgt  seit  anno  X;  durch  Aufhebung  derselben  wird  die  Moral,
der  Halt  der  socialen  Zustände  gefährdet,  der  Glaube  an  die  Autoritär
vernichtet  und  überhaupt  die  verderblichsten  Folgen  herbeigeführt)!“

Aber  die  passiv  Betheiligten  vom  Mittelstande  werden  geantworter
haben:  „was  ihr  da  fürchten  machen  wollt,  glauben  wir  nicht;  wir
glauben  eher  das  Gegentheil;  euer  beanspruchtes  „Recht“  erkennen  wir
nur  als  ein  Unrecht  gegen  uns;  ihr  müßt  nun  gut  oder  übel  das  Opfer
verschmerzen,  das  den  Interessen  und  der  Wohlfahrt  aller  Staatsbürger
  gebracht  wird.“  —  .

Das  Recht,  das  ihr  damals  dem  Adel  gegenüber  in  Anspruch
nahmt,  ihr  Herren  vom  „Mittelstande",  diese  Gleichberechtigung  sollt
ihr  euren  tausend  Mitbürgern  um  so  weniger  jetzt  vorenthalten  wollen,
da  sie  den  Lebensathem  derselben,  ihre  ganze  Eristenz  bedingt.  Gewiß
würdet  auch  ihr  es  als  empörendes  Unrecht  finden,  wenn  der  sogenannte
gebildete,  der  „höhere“  Stand  euch  gegenüber  die  Preß-,  Rede-,  Gewissensfreiheit
  als  ein  Recht  für  sich  allein  privilegirt  wissen  wollte!  —

Was  soll  auch  das  ohne  alle  greifbaren  Gründe  erhobene  Geschrei:
  „die  jetzigen  Meister  werden  ruinirt  oder  können  ruinirt  werden
durch  Entfesselung  der  Gewerbe!“  anderes  bedeuten,  als:  es  wäre  moͤg—-lich,
  daß  einige  Hunderte  der  einmal  Privilegirten  durch  die  Gewerbefreiheit
  auf  irgend  eine  Weise  beeinträchtigt  und  ärmer  würden,  und
damit  dies  nicht  möglich  werde,  müssen  tausend  Andere  von  Staatswegen
  verurtheilt  werden,  arm  zu  bleiben?

Das  Ungerechte  und  Lieblose  der  Erwerbsbeschränkung  liegt  klar
vor  Augen;  aber  die  Gegner  des  freien  Erwerbs,  großentheils  als
Betheiligte  durch  Selbstsucht  geleitet,  wollen  nicht,  daß  man  mit  offenen
Augen  schaue  und  urtheile.  Sie  sind,  wie  schon  bemerkt,  sehr  erfinderisch
  in  allerlei  Mährchen  und  Wauwaugeschichten,  die  Pinsel  tragen
die  schwarzen  Farben  so  dick  auf,  daß  den  harmlosen  Bürger,  der  nur
gewohnt  ist,  Alles  in  seiner  gewerblichen  Vegetation  ganz  säuberlict
durch  die  weise  hohe  Obrigkeit  abgemacht  zu  sehen,  vor  Entsetzen  der
möglichen  Anarchiezustände  der  Gewerbefreiheit  ordentlich  die  Gänsehaut
  überläuft.  Wir  haben  diese  gefürchteten  Gespenster  noch  nicht
erblickt  und  können  deshalb  auch  nicht,  in  kindischer  Angst  befangen.
an  ihre  leibhaftige  Wirklichkeit  glauben.  Ohne  Vorurtheile  betrachter

*)  Die  Sklavenhalter  im  Süden  der  amerikanischen  Union  sagen:  die  Sklareren
ist  gut,  und  muß  bestehen;  wer  würde  denn  sonst  unsere  Plantagen  so  willig  und
billig  bebauen  ?  —