Full text : Der Weltbrand. Deutschlands Tragödie 1914-1918. Erster Band. (1)

einer  gewaltigen  Kehrtschwenkung  so  aufzustellen,  daß  sein  früherer  rechter
Flügel,  jetzt  zum  linken  geworden,  sich  nördlich  und  westlich  um  Rawaruska
berumlegte,  während  seln  früberer  rechter,  jetzt  Unker,  an  der  Bahnlinie  Lemberg-Jaroelau
  den  Anschluß  an  die  neue  Linle  der  3.  Armee  fand.

So  war  nun  dle  ganze  österreichlsch-ungarische  Nordarmee
westlich  und  nordwestlich  Lemberge  von  der  Mündung  der  Wereszyca
in  den  Dnzestr  bie  zur  Weichsel  gegenüber  der  Mündung  der  Zlzanca  vereinigt.
Allerdinge  klaffte  zwischen  dem  bel  Turobin  ringenden  rechten  Flügel  Dankie
und  Auffenberge  linkem  Flügel  nördlich  Rawarueka  eine  Lücke  von  etwa  75  Kllometern.
  Nur  ein  schmales  Teilstück  dieser  gähnenden  Leere  konnte  südwestlich
Tomaszow  von  der  Armeeabtellung  des  Erzherzoge  Josef  Ferdinand  ausgefüllt
werden,  die  soeben  vor  der  neu  anrückenden  5.  russischen  Armee  hart  kämpfend
bis  an  den  linken  Flügel  der  neuen  Stellung  Auffenberge  zurückgewichen  war.

Die  Lage  der  österreichischen  Armeen  war  im  höchsten  Mabe  gefährdet.
Einsam  und  sich  selbst  überlassen,  dabel  erschöpft  von  der  Wucht  elnes  erst  siegreichen,
  dann  aber  hart  bedrängten  Ringens,  kämpfte  die  Armee  Dankl  auf
einem  verlorenen  Außenposten  in  welt  schlimmerer  Lage  als  die  1.  deutsche
Armee  zur  selben  Zeit  am  OQurcq.  Oie  Lücke,  die  zwischen  ihr  und  der  Hauptmacht
  klaffte,  ließ  sich  nicht  schlleßen.  Und  der  Russe  war  nun  endlich  in  Bewegung
  gekommen.  Mit  unwlderstehlichem  Druck  schoben  sich  die  russtschen
Massen  In  die  Lücke  hinein  und  bedrohten  die  Acmee  Dankl  von  rechte,  die
Hauptmacht  westlich  Lembergs  von  Unke  mit  Überflügelung.  Am  linken  Flügel
der  Armee  Dankl  aber,  auf  dem  senseitigen  Weichselufer,  tauchte  bereite  russtsche
Kovallerie  auf,  und  südlich  des  Dnjestr  bereitete  sich  eine  Umgehung  dee  rechten
Flagels  der  Hauptmacht  vor.  Es  hatte  den  Anschein,  ale  drohe  den  ÖOsterreichern
ein  doppeltee  „Cannae“,  dae  glelchzeitig  dle  Armee  Hankl  im  Norden  und  die
Hauptmacht  westilch  Lemberge  in  Würgerarmen  ersticken  müßte.  Dennoch
wagte  die  K.  u.  K.  Heeresleitung  noch  einmal  das  blutige  Spiel  —  und  das
Instrument,  das  in  ihrer  Hand  lag,  gehorchte  ihrem  Befehl  noch  einmal  in  zäher
Soldatentreue.

Am  8.  September  schritten  die  2.,  3.  und  4.  Armee  zum  dritten  Male  zum
Angriff,  der  anbrandenden  Russenflut  entgegen.  Und  der  erste  Schlachttag
schlen  das  kühne  Wagnie  krönen  zu  wollen.

Die  Russen  hatten,  obwohl  strategisch  in  siegreichem  Vordeingen,  sich  westlich
  Lembergs  sofort  auf  die  taktische  Berteidlgung  eingerichtet.  Der  Gebrauch
des  Spatens,  bei  den  Mlttelmächten  während  der  Frledensauebildung  in  seinem
Werte  nicht  erkannt  und  vernachlässigt,  lag  den  Kussen  vom  japanlschen  Feldzug
ber  noch  im  Blute.  Trotzdem  kämpfte  sich  das  österreichische  Zentrum  bis  auf
15  Kilometer  wieder  an  Lemberg  heran.

Aber  nun  drängte  sich  allmählich  die  Erkenntnis  auf,  daß  der  Russe,  der
bieher  seine  Hauptkraft  gegen  den  österrelchischen  rechten  Flügel  eingesetzt
batte,  selne  LTaktik  inzwischen  gewechselt  und  sich  mit  der  Hauptmasse
selner  Kräfte  gegen  den  linken  Flügel  geworfen  hatte,  wo  ihm  die
Lücke  zwischen  Dankl  und  Auffenberg  winkte.

Hankl  begann  zuerst  der  Verstrickung  zu  unterliegen.  Er  hatte  dae  preußische
Landwehrkorpe  auf  selnen  gefährdeten  rechten  Flügel  geworfen.  Und  das  hielt

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