März 30.
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hatt die enge passe, so auff Baiern vnd Passaw gehen, dardurch nur
sonsten die saumros gehen konnen, ofinen vnd ganze herstrassen machen
lassen, wil auch wider geschens keiserlich gebott vnd den von sich
gegebenen reuers, handtt vnd sigel nicht abdancken, ehe dan vnd
zuvor 1) ihm seine in Ostereich eingezogene gütter restituiret, 2) die
herschafft Crummaw eigenthumblich so lange verschriben, bis ehr sich
aller schaden, so ehr gelitten, erholett, 3) das Dennagel vnd ander
gefangene losgelassen 4) vnd den sambtlichen officiren vnd kriegsleuten
generalpardon gegeben sey.! Ich habe mich aber so stark
bemuhett, das I. M.' dessen ungeachtet ein scharffes monitorium
abgehen lassen? vnd nochmals die abdankung innerhalb acht tagen
ihns wergk zu richten sub poena banni gebotten haben, wiewohl sich
leutte gefunden, so sich solches vmbzustossen gar hoch bemuhett.?
Vnd aus obgeseztem allem hatt mein bruder zu vernemen, wie
geferlich die sachen mitt der ksl. M.' persohn stehen vnd weil es ein
solch werk, das sich dises feuer, so ihn Vngern angefangen vnd
durch Ostereich vnd Mehren anhero sich begeben, zur bosen consequenz
leichtlich ihn ganz Teutschlandtt vorstrecken vnd ein generalrebellion
bey aller chur- vnd fursten vnterthanen erwecken kontte, als hastu
neben andern chur- vnd fursten wol auffzuschaun. Es ist mir
dise sache allein zu hoch vnd zu schwer. Mitt des konniges
persohn hette es enttlich keine streitt, wie aber die Bohmen, so das
schwertt ahnizo ihn handen haben, zu stillen, da sehe ich wenig
mittel, dieweil sie keine rationes oder admonitiones admittiren.?
Vor mein persohn, weyl es leider zu solchen extremitatibus
kommen vnd ich ander gestalt, wie gern ich auch woltte, I. M.* nicht
dienen kan, stehe ihn bemühung, ob es dahin zu handeln, das
I. M.' proprio motu zu versicherung kunftiger succession die kronung
i Vgl. oben no. 114.
? Vgl. Anm. 2 auf Seite 283 zu no. 114.
° Der Agent eines evangelischen Fürsten, vielleicht Philipp Ehem,
bezeichnet Hannewald, Hegenmüller und den Reichshofratspräsidenten Grafen
Hohenzollern als diejenigen, die das scharfe Verfahren gegen die Passauer
widerriten (Bericht aus Prag vom 20./30. März: U., Unionsacta, XXI.,
no. 2101). —
* Ueber die „Insolenz“ der Böhmen klagt auch Friedrich Graf Fürstenberg
(Schreiben an König Matthias vom 26. März in Wi. I A 1, Ka. 2991;
Or. eigh.). Erasmus Tschernembl schreibt an den oberpfälzischen Rat Theophil
Richius am 29. März über das böhmische Unwesen : „Viel hette bissher mögen
durch die Böhemen ihnen selbst und uns zu gutem leichtlich remedirt werden,
wan nicht die forcht der offension, die sorg der aussgab, die blindheit, die
hoffnung eines vortheils hetten unsere benachbarten Böhemen beinahent ohne
unterscheid alles schadens, nachthail und gefahr der religion, freiheit und
guts, ja ihrer nachkommen vergessent und unempfintlich gemacht“ (De,
A 9a, Ic, no. 8; Kopie). Auch Pfretzschner klagt in dem oben (8.291, Anm. 4)
angeführten Bericht: „Es gehet leider gar ubel zu, ist eine pur lauter confusion,
dardurch nichts anders verrichtet als das konigreich ausgesogen und
in eusserste armuth und verderben gesetzt wird.“ Ueber die Haltung der
Böhmen gegen den Herzogvon Braunschweig vgl.oben no. 114 u. Anm.3 auf. 282.