Full text : Kriegsziele und Moral.

nommene  "Troeltsch  schreibt  gerade  mit  Bezug  auf  das
heutige  Friedensproblem:  Die  Staaten  „müssen  den
eigenen  naturhaften  Lebenswillen  begrenzen  im  Interesse
  der  Lebensmöglichkeit  des  Kultursystems  überhaupt“;
  und  ferner:  „Die  staatliche  Selbstbegrenzung
bedeutet...  die  Teilnahme  und  Einfügung  in  die  große
geistige  Kulturgemeinschaft  vorbehaltlich  der  Möglichkeit,
  selbst  einen  lebendigen  und  schaffenden  Anteil
an  ihr  zu  nehmen  und  die  Grundlagen  für  eine  solche
Anteilnahme  gesichert  zu  haben....  Ihre  Forderungen
im  großen  und  ganzen  sind  jedermann  deutlich:  sie
heißen  eine.  dem  Gehalt  und  wahren  Bedürfnis  entsprechende
  Gestaltung  der  eigenen  [Kultur-]  Machtstellung,
  ehrliche  Anerkennung  der  Lebensbedürfnisse
anderer  Nationen  und  Rücksicht  auf  die  Lebensmöglichkeit
  unseres  abendländischen  Kultursystens  überhaupt.“
  ‘*  Damit  sind  zugleich  die  aus  dem  berechtigten
Eigeninteresse  entstehenden  Einschränkungen  und  Bedingungen
  angegeben.  Nur  eine  wirksame  Achtung
vor  unserer  eigenen  Kultur  von  seiten  der  Gegner  —
die  wirtschaftliche  ist  vor  allem  gemeint  —  kann  uns
verpflichten,  der  fremden  keine  Fesseln  anzulegen.
Wollten  die  Feinde  ihre  halb  von  der  Verzweiflung,
halb  vom  brutalen  Egoismus  eingegebene  Absicht  verwirklichen
  und  auch  nach  dem  Kriege  fortfahren,
Deutschland  vom  Weltverkehr  abzuschnüren,  was  tief
unsittlich  sein  würde,  so  hätte  Deutschland  das  Recht,
im  Frieden  durch  Gegenmaßregeln  auf  dem  gleichen
Gebiete  Vorkehr  zu  treffen,  mögen  sie  auch  an  sich
mit  der  Idee  der  Kulturgemeinschaft  nicht  im  Einklang
  stehen.