Bei der jungen Frankfurter Universität ist zum 18. Oktober, dem offiziellen Eröffnungstage, eine Reihe
von Begrüßungen und Glückwünschen eingelaufen. Auf eine Meldung, die die Vertreter der Universität an den
Kaiser gerichtet hatten, erhielt der Rektor folgendes Telegramm: Großes Hauptquartier. Ich danke herzlich
für die Meldung, daß die dortige Universität ihre Arbeit jetzt beginnen wird. Gern hätte ich am heutigen
bedeutungsvollen Gedenktage die hochherzige Stiftung Frankfurts und seiner opferwilligen Bürgerschaft
persönlich eingeweiht, aber die notwendig gewordene Verteidigung des Vaterlandes gegen die ruchlosen
Angriffe unserer Feinde hat mir eine dringendere Pflicht auferlegt. Meine wärmsten Wünsche begleitet die neue
Glanzstätte deutscher Bildung und Wissenschaft. Möge sie aus der ernsten Zeit ihrer Begründung heraus
sich zu kräftiger Blüte in glücklicheren Tagen entwickeln. Möge die treue Arbeit der Lehrer und der Fleiß der
zu ihren Füßen sitzenden deutschen Jugend allezeit getragen sein von dem Geiste einmütiger Liebe zum Vaterlande,
der jetzt unser deutsches Volk so stark und unbesiegbar macht. Gott der Herr segne Frankfurt und seine
Bürgerschaft. Wilhelm I. R.
Amtlich meldet das Große Hauptquartier: Die deutschen von Ostende längs der Küste vorgehenden
Truppen stießen am Oserabschnitt bei Ypern-Nieuport auf feindliche Kräfte. Mit diesen stehen sie seit
vorgestern im Gefecht. — Auch gestern wurden Angriffe des Gegners westlich Lille unter starken Verlusten
für den Angreifer abgewiesen.
Auf dem östlichen Kriegsschauplatz hat sich nichts Wesentliches ereignet.
Aus Tokio wird gemeldet: Nach amtlicher japanischer Bekanntmachung ist der japanische Kreuzer
Takatscho am 17. Oktober in der Kiautschau-Bucht auf eine Mine gelaufen und gesunken. Von der
264 Mann betragenden Besatzung sollen ein Offizier und 9 Mann gerettet sein.
Die Frankf. Zeitung erfährt aus Konstantinopel: Die Pforte erhob beim Regenten von Ägypten gegen
die unberechtigte Entfernung der konsularischen Vertretung des Deutschen Reiches und Österreich-Ungarns
Einspruch.
Die indischen Truppen sind aus Ägypten entfernt worden. Man ersetzt sie durch englische Yeomanry,
von der bisher 17000 Mann in Ägypten eingetroffen sind. Die englische Besatzung soll aber auf 50000 Mann
erhöht werden. Zu diesem Zweck werden die aus Australien gesandten Hilfsabteilungen nicht nach Europa
gebracht, sondern in Ägypten zurückgehalten werden. — Durch ihren Botschafter in London erhob die Pforte
gegen das Einlaufen von zwei englischen Kanonenbooten im Persischen Golf bei Mohamare Einspruch. Die
türkische Regierung kündigte der englischen an, daß sie, wenn die Kanonenboote nicht wieder ausliefen,
genötigt sein würde, die Einfahrt in den Schatt el Arab zu sperren, wodurch die Schiffahrt in Mesopotamien
brachgelegt würde. Das englische Auswärtige Amt erklärte, die Einfahrt der Kanonenboote sei durchaus in
einer für die Türkei nicht feindlichen Absicht erfolgt. Die Boote dürften demnächst zurückgezogen werden.
Sir Edw. Grey unterließ es aber, die Verwirklichung dieser Zusage zu vollziehen.
Amtlich wird verlautbart: In der Schlacht östlich von Chyrow und Przemysl brachte uns der gestrige
Tag neuerdings große Erfolge. Besonders erbittert war der Kampf bei Myzyncc. Die Höhe Magiera,
bie bisber in den Händen des Feindes war, und unserem Vordringen bedeutende Schwierigkeiten bereitete,
ist nach mächtiger Artillerievorbereitung nachmittags von unseren Truppen genommen worden. Nördlich
Myzoniecs kam unser Angriff bis auf Sturmangriff an den Gegner heran.
Östlich Przemysls bis in die Höhe von Medyko, am südlichen Schlachtflügel wurden die namentlich
gegen die Höhen südwestlich Stary-Sambor gerichteten, auch nachts fortgesetzten Angriffe der Russen abgeschlagen.
In Stryj und Swicatal sind unsere Truppen kämpfend weiter im Vordringen begriffen. Auch am San
wurde gestern an mehreren Punkten gekämpft. Ein nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzter Angriff auf
unsere bei Jaroslau auf das Ostufer des Flusses übergeschifften Kräfte scheiterten vollständig.
In Russisch-Polen schlug die vereinigte deutsch-österreichisch-ungarische Kavallerie den großen feindlichen
Kavalleriekörper, der westlich Warschau's vorzudringen versuchte, über Sochatschewo zurück. von Höfer,
Stellvertreter des Chefs des Generalstabes.
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