Ansleckende Krankheiten. 457
des Kranken aber lege man sofort in Eimer mit heißem Sodawasser, die
ins Krankenzimmer hineingebracht wurden: erst wenn sie einige Stunden darin
gelegen hat, darf sie das Mädchen in der Küche brühen und reinigen. Geschirre
und Geräte werden an der Tür in Sodawasser getaucht und dürfen
dann erst vom Mädchen zur Reinigung übernommen werden. Die Darm= und
Harnentleerungen müssen stets in Chlorkalkwasser aufgefangen werden,
wodurch sie sofort unschädlich werden. Die Pflegerin bestelle ihr Haus und
mache sich bereit, aber in aller Gemütsruhe, auch zu erkranken. Sehr oft
wird dies jedoch nicht eintreten, besonders wenn sie tägliche Abwaschungen
ihres eigenen Körpers, beständige Lüftung und vernünftige Kost beachtet; ja
sie braucht, wenn der Fall nicht gerade zu den schwersten gehörte, nicht einmal
von der Krankenpflege sonderlich angegriffen zu sein. Bei systematischem Vorgehen,
strenger Ordnung, ruhigem Wesen läßt sich außerdem im Krankenzimmer
zum Wohle des Kranken manche Unruhe und manche Mühe ersparen.
Ungeübte und beständig aufgeregte Krankenpflegerinnen sind meist sehr
bald fertig mit ihren Kräften. (Siehe „Krankenpflege“.)
2. Durch richtige Behandlung. Jede Mutter hat die Pflicht, sich
mit den Erscheinungen jener Krankheit, die gerade herrscht, vertraut zu machen,
um die ersten Anzeichen bei den Ihrigen rechtzeitig zu erkennen. Mancher
schwere Fall wäre ganz anders verlaufen, wenn man gleich beim Beginne richtig
eingegriffen hätte! Aber da lief oft ein solches Kind schon mehrere Tage mit
schleichendem Fieber herum, ohne daß auch nur ein Mensch seiner achtete.
Das sollte nicht vorkommen, solange es gewissenhafte Mütter gibt!
Wir werden in unserem Buche die häufigsten ansteckenden Krankheiten
genau beschreiben, um die Mütter anzuleiten.
Um welche Epidemie es sich auch immer handle, fast allen Ertrankungen
gehen vorbereitende Erscheinungen voraus. Sowie man diese bemerkt, mache
man, wenn, der Zustand dies nicht sonst verbietet, ein heißes Vollbad,
39% bis 42° C. aufsteigend, zehn Minuten, hülle den Kranken darnach in
wollene Decken ein und lasse ihn nachdünsten, dann wasche man ihn nach
ein bis zwei Stunden kühl ab, lege eine Rumpfpackung an, entleere den
Darm und lasse Bettruhe und Fasten beobachten.
Mancher Ausschlag wird darnach nunerwartet schnell ausbrechen, und
mancher Krankheitsanfang wird sich zur Überraschung aller „verlaufen", d. h.
das Unwohlsein wird sich verlieren, und der Erkrankte wird nach wenigen
Tagen in fröhlicher Stimmung das Bett verlassen.
Auch bei unklaren Fällen schadet dieses Verfahren nicht; um nichts zu versäumen,
zögere man dann aber nicht, den Arzt zu rufen. In einem Hause mit drei
Stockwerken und Hinterhaus erkrankten sämtliche Kinder an Keuchhusten; ein
Säugling im ersten Stock starb an daran sich anschließender Lungenentzündung;
im zweiten Stockwerk verstand man die Vorbeugung! Der fünfjährige Junge
begann zu husten, bekam sofort einige Dampfbäder mit mächtigem Schweißaus-