velpflichtet aber den friegfuhrenden Staat, der
sie verwendet, mit besonderer Sorgfalt über die
Beobachtung des Kriegsrechtes durch diese
Trunpen zu wachen. Die „Ordnung“ enthält
darüber keine Bestimmungen.
Das Legen von Minen im Vandkrieg, und
ewar nicht bloß bei Belagerung und Verteivicung
von Festungen und befestigten Piätzen,
iit während des russisch-iapanischen Kriege# ron
10% 05 in ausgedehntestem Umsang, ohne auf
Widerspruch zu sioßen, zur Anwendung gekbracht
Won: den, muß mithin als zulässig bezeichuct werden.
Hof- und Personalnachrichten.
München, 16. Aug. Der bisherige laiserliche
deutsche Botschafter in Paris. Freiherr ##
Schön, der in Abwesenheit des in das Hauptquarlier
des Deutschen Kaisers kommandierten
Herrn v. Treutlser die Führung der Geschafie
der preußischen (besandtschaft am bayerischen
Hofe übernehmen wird, hat dem K.
Staatsminister Dr. Grasen von Hertling cinen
längeren Besuch abgestattet. Freiberr von
Schön wurde auch vom König im Wittelsbacher
Palais i' Audienz empfangen werden.
B#werische Lachrichten.
Candshut, 16. Aug. Der Verwalter eines
einem Münchener Architelten gehörigen Hauses
dahier stellte einem Reservemannr, der mit
der Miete für einen Monat im Rückstande
i#l, die Aufforderung, entweder eu zahlen oder
die Wohnung zu räumen. Der Neservemann,
der seil längerer Zeilt arbeitslos ist, lonnte
der Forderung nicht nachkommen. Daraushin
ließ der Verwalter dem Mieter wissen, daß die
Wohnung geräumt werden müsie. So mußte
einige Stunden vor seinem Aucsrücken in den
Krieg der Mann mit Weib und drei Kindern
das Haus verlassen. Ein mitleidiger Nachbar
gab dem Bedauernswerten Unterkunft in sernem
Hause, indem er der Familie zwei Zimmer
einräumte.
ZBenecischen Oberseus.
Leubeuern, 16. Aug. In der jetigen ernsien
Kriegszeit blickt die hiesige Bevölkerung
mit dankbarem Herzen zu unserer mildläligen
Frau Varonin von Wendelstadt auf. Sorge lindernd
und Trost spendend, lümmert sie sich
um alle ins Feld Gezogenen und oeren Zurückgebliebenen.
Unausgesetzt war sie damit beschäftigt,
für etwa eintreffende Verwundele Betlen
auszustellen. Durch ihre Tatlraft ist es gelungen,
über 100 Betten, wovon ein großer
Teil sich in den Schloßräumen befindet, ver
fügen zu lönnen. Seit einigen Tagen werden
auch die aus ihrer großen Gärtnerei täglich
gewonnenen Gemüse an die hiesige Einwohner—
schaft abgegeben und der Erlös dem Roten
Kreuz zugewendet. Ein von Herru prakt. Arzt
Dr. Häusler hier veranstalteter mehrlägiger
Verband= und Krankenpflegelurs fand allgemeineu
Anilang, insgesamt beteiligten sich 70 Frauen
und Mädchen eifrigst daran. Von Seite der
hiesigen Feuerschützengesellschaft wurden an den
verflossenen Sonntagen den noch hier weilenden
Vaterlandsverleidigern kostenlos Gewehre und
Munition zur Verfügung gestellt; sie
machten durch fleißige Schießübungen ausgiebig
davon Gebrauch. Man sieht hieraus,
daßz auch auf dem Lande jeder sein Möglich—
stes tut, um dem bedrohten Vaterlande behilflich
zu sein.
Bad Aibling, 16. Aug. Hert Hauptleh—
rer Albert, eine hochgeachtete Lahrperlönlichleit,
starb gestern Nacht nach längerem Leiden
Vie idykische Sommerfrische.
Humoreske von Lothar Brenkendorf.
Machdruck verboten.)
Endlich hatte der Rentier Plümer die ideaole
Sommerfrische gesunden, nach der er monatelang
vergebens gesucht hatte. Nach den üblen
Erfahrungen der beiden letzten Jahre war er
zu dem gen edee Gunschloh gekommen, die
lsommerliche Erholung für sich und die, Seinen
nie wieder in einem jener Böäder oder sogenannten
Luftlurorte zu lerchen. wo 55 zur ihn
nichts anderes zu tun gab, als Augen und Ohren
offen zu halten, damit sein Töchterchen vor den
Zudringlichkeiten der unausstehlichen Lassen be,
wahrt bleibe, die es entweder auf ihr hübsch
Gesicht, oder auf ihre zu erhoffende Mitgfe
oder auf beides abgesehen hatten. Ländliche
Muhe und Einsamkeit wollte er — weiter nichts,
das Behagen ungestörter Ruhe und die wohlige
Gewißheit, keine Ueberraschung durch ein bekanntes
Gelicht fürchten zu müssen. Es war
nicht leicht gewesen, einen solchen Ort zu finden,
aber mit —— bes freundlichen Zufalls war es
dennoch gelun
Ein onsepienbares W3 hatte ihn
auf i richtige Spur geführt: „Griepenhagen
— idyllische Somimerfjrische für wirklich rre
dösdae äste. — Wald und See. — Ländliche
Verhältnisse. — Einfache, dräftige Ver-Pfllegung.
— Angemessene Preise.
So hatte die verlockende Anzeige gelautet,
und auf seine nach Griepenhagen gerichtete
Anfrage halte Herr Plümer in einem Briefe,
der ihm schon durch sein schlechtes Papier und
leine mangelbhaste Orthographie das größte
im 62. Lebenssahre. Dem verdienten Schulman
wurde erst dieser Tage das Luitpoldkreuz
verliehen.
Attel am Inn, 16. Aug. Der Orden der
Varmherzigen Brüder in Bayern stellt in seinen
Krankenhäusern und sonftigen Anstalten sämtliche
verfügbaren Betten zur Aufrahme von
kranken und verwundeten Soldaten zur Versügung.
Die Velten sind bereits vollständig
ausgerüslet und lönnen jederzeit benützt werden.
Zur Pflege dieser Kranken und Veruundeten
bleiben nur wenige Brüder als unabkömmlich
zurüc; mit Ausnahme der älteren
Brüder und der Invaliden werden alle zur
Dienstleistung bei der mobilen Armee abrücken,
resp. sind bereils abgerückt.
Bad Reichenhall, 16. Aug. Heute früh
brachte sich der 19jährige Kommis Franz
Häberle in der Forstamtsplantage mit einem
Nevolver einen Schuß in den Mund und einen
in die Brust bei, so daß er sofort tot war.
Traunstein, 16. Ang. Die Sammlung zu
Gunsten des Roten Kreuzes ergab in der Gemeinde
Grabenstätt den Betrag von 532 Ml.
50 Pfg.
sitiegsfürsorgelütigleit der Sladi
Rosenheim.
Rosenheim, 17. August.
Einer Einladung des Herrn Kgl. Hofrales
Bürgeimeister Wüst solgend, fanden sich am
EFreitag nachmitlag viele Damen und Herren im
Sitzungesaale der Rathauses ein, um einen
Oktsaueschuß zur Fürsorgetäligkeit für die Anpehörigen
der Kriegsteilnehmer zu bilden. Herr
Kol. Hofrat Wüst fülrrte den Vorsitz und legle in
marlanten Worten den Anwesenden den Jwe
der Versammlung nabe. Er erörterte auck oie
Beschlusse der Finanzlommission der beiden jtädt.
Kollegien in dieser Angelegenheit; sie jind aus
unseren Veröffentlichungen bereits bekannt.
In der Hauptsache besteht die städtische Fürserpelätigkeit
in der Abgabe von Mittagskost an
die umerstützungsbedürftigen Mitglieder. Man
währte diesen Modus hauptsächlich deshalb, weil
viete Familien nicht zu wirtschaften werstehen der
weil das eventuell verabreichte Geld nicht richtig
angewendet würde. Soviel Portionen und
Biot sollen verabreicht werden, als Köpfe in
der Familie sind. Säuglinge erb alten Milch.
Im Mädchenpensionat wird die Küche von den
Schwestern, in den anderen Pensionaten von
deren Leitung bezm. von den Damen des Ausschusses
versehen. Das Essen soll in der Hauptsache
in den Speisesälen der Pensionate eingenommen
werden. Kranken und verschämten
Unterstühgungebedürftigen soll es Zugestellt werden.
Neben dieser städtischen Fürsorge läuft
die Tätigleit in den einzelnen caritativen Vereinen
einber. Die nächste Aufgabe is#st oie Ermillelung
der Unterstützungsbedürftigen.
Diese Mitteilungen des Vorsitzenden fanden
lebhaften Anklang in der Versammlung. Alsdann
tonnte die Konstituierung des Ausschusses
voracnommen werden. Sie hatte folgendes Ergebnis:
Erster Vorsitzender Herr Kgl. Hofrat
Burgermeister Wit, zweiler Vorsitzender Herr
stand Finfterwalven“
Schriftführer Herr rsaritn Dachs, Kafssier
Herr Stadtlämmerer Holzmeyer. Beisipende
sind sämtliche Vorslandsmitglieder der hiesigen
caritativen Vereine, ebenso die gemeindlichen
Einlaufslommissionsmitglieder.
Eine auf Vorschl ag des Herrn Bezirkskommandeurs
Hagen im Saale vorgenommene
Sammlung bate ein Ergebnis von 90 Mart
für diesen Zweck. Im übrigen sind schon zahlreiche
Spenden eingelaufen. Die Stadt stellt
belanntlich vorerst den Betrag von 10 000 M.
—
Verkrauen einstosfke. de erfreulie Bestargung
erhalten, daß Muolpeni noch keine weiteren Sommergäste
angemeldet seien, und daß eine lUeberfüllung
des einstweilen noch im Aufblühen begrissenen
Badeortes wohl nicht zu befürchten
siehe. Herr Plümer war also sogleich entschlossen
gewesen, und die unmutige Erklärung seiner
Far# daß sie trotz aller Erkundigungen noch
keinen Menschen habe ausfindig machen können,
der jemals etwas von Griepenhagen gehört
habe, hatte ihn nur noch mehr in seinem Vorhaben
bestärkt.
„Das ist es ja gerade, was wir brauchen.
— Ein Ort, den 2 niemand kennt, ist das
wahre Ideal einer Sommerfrische. Wir werden
unter den unverdorbenen Eingeborenen wie im
Paradiese leben und werden nicht auf Schritt
und Tritt hinter Paula her sein müssen, wie
in Schreiberhau oder in Misdroy.“
Frau Plümer brummte. Aber es half
nichts. Das hübsche, kleine Töchterchen Paula
dagegen sagte gar nichts. Sie war allem Anschein
nach zaorenen zufrieden und blickte,
wenn die de auf Griepenhagen kam, aus
ihren achtzehwähngen braunen Augen so unbefangen
fröhlich in die Welt, als wäre sie
durchaus mit ihrem Vater einverstanden.
An ebnem heißen Augusttage machte man
sich nach den üblichen umständlichen Verberetz
tungen auf die Reise, die in dem Briefe d
Griepenhagener Gastwirts, bei dem man uii
lechs Wochen Quartier bestellt hatte, als die einfachste
und brauennt e Sache von der Welt
deschildert worden war.
ar so ig r bequem war sie nun
feeiei nicht. Man mußte zweimal umsteigen
und die letzten * oder sechr Meilen auf b*
Klingelbahn zurücklegen, bei der auf fün
U##lür #r Verfugung. Die Mentel uchen aus
dom Jubiläumsfonds, da das Volksfest nicht
abgehalten wird; ferner wird die Fassadenerneuernng
des Mittertores Prückgestellt und
der dafür bewilligte Betrag v 200 Mark
jetzt der Unterstützungstätigleir zugewendet.
Außeidem ist aus dem Jahre 1870/71 noch der
Resl eines Hilfsfonds vorhanden, der mit den
Zinsen im Laufe der Jahre nuf 4200 Marl anhewachsen
ist. Für den Bedarfsfall stehen weilere
Reserven der Stadt zur [Verfügung. Mit
großem Inleresse nahm die Versammlung von
diesen Mitteilungen Kenninis.
Der Ortsausschuß begann damn sofort seine
Tätigkeit. Bereits am 15. Auguststser zu seiner
ersten Sitzung zusammengetreten. Als sländiges
Geschäftslokal dient das zu ebener Erde
ge.egene Schullokal im Sedanhof. Gaben jeder
Art werden dort angenommen. Beschlossen
wurde, die Mittagskostabgabe möglichst rasch
in die Wege zu leiten. Bereils heute Montag
ijß der Anfang damit gemacht worden. In
der ersten Woche sollen die drei flädtischen Pen.
sionate den ganzen Betrieb selbständig lekten,
auf Kosten der Stadtgemeinde. Besonders zu
betonen ist, daß derartige Oilfeleistungen keineswegs
als Armenunterstütungen gelten dürfen.
Die Anweisungszettel sind bereits am Sonntag
durch drei Damen des Ausschusses zugestellt worden.
Neuanmeldungen von Unterstützungsbedürftigen
e, olgen nur beim Stadtmagistrat,
von dem sie dann an die Zentralstelle im Sedanbof
überwiesen werden. Bei der Verabreichung
der Speisen führen mehrere Damen die Kontiolle.
Die Abgabe der Speisen erfolgt um halb
12 Uhr. Als Norm #gilt: (So viele Köpfe, so
riele Portionen. Zede Familie erhäll eine
Flesschportion (250 Gramm) und je nach oer
Zall der zu Unterstützenden so oft mal einen
balben Liter Suppe und Gemüse nebst Schwars-Die
Art der Mittagokost. soll abwechselnd
sein, sodaß für jeden Tag eine andere Suppenart
(am Freitag Fastensuppe) zubereitet werden
soll. Für jede Auskochstelle muß der gleiche
Küchenzettel festgestellt und die gleiche Menge
verabreicht werden. Als Regel gilt ferner, daß
das Essen im Speisesaal eingenommen werden
soll. Doch darf es unter gewissen Umständen
auch geholt werden oder muß in Krankheitsfällen
sogar ins Haues gebracht werden. Nach Ablauf
der Probewoche sollen die Erfahrungen gesammelt
und etwa erforderliche Menderungen durchgesührt
werden. Die von einzelnen Vorstandsdamen
zugesagte Ueberweisung von Inventarstücken
ihrer Vereine an den Ortoausschuß wird
gerne angenommen. Weiter konnte Herr Kal.
Hofrat Wüst belannt geben, daß demnächst ider
Kinderhort und die Kinderbewahranstalt wieder
eröffnet werden.
Wir wünschen dieser segensreichen Tätigkeit
des Oltsausschusses den besten Erfolg. Gleichzeitig
richten wir an vie wohllhabende Einwohnerschaft
die Bitte, durch reichliche Spenden dieses
Liebeswerk nach Kräften fördern zu helfen.
· — 4
Für heute Montag hatte das Magistratskollegium
eine Sitzung anberaumt, in derthauptsächlich
die Vorschläge der Finanzlommission betreff
K. Frie gsfursorgetätigteit zur Beratung standen.
Eingangs gab der Vorsitzende, Herr Kgl. Hofrlot
Bürgermeister Wüst einen turzen Rübkblick
auf den raschen Lauf der letzten Ereignisse und
betonte, daß wohl niemand in der letzten Magistratelitzung
am 31. Juli gedacht hätte, daß wir
tolzder politischen Gewitlerschwüle so hart am
Rande eines welterschütternden Kriegsschauspieles
standen. In kurzen Strichen zeichnete
. noch eimmal die Entwicklung der Dinge, wie
sie in kurzen Abständen aufeinander folgten.
Minuten Fahrzeit Itgemn gehn Minuten Aufenthalt
kamen. Auf der letzten Station wurde
man dann von einem recht zweiselhaft aussehenden
Gefährt erwartet, das ein lebensüberdrüssiger,
klapperdürrer Gaul mühselig anderthalb
H###ben weit bald durch tiesen Sand,
bald über holperige Feldwege schleppte. Der
schmierige Kutscher erwies sich als der Griepenhagener
„Hotelwirt“ in höchsteigener Person,
und obwohl die Unterhaltung mit ahm, einige
Schwierigkeiten hatte, da er kein t Hochdeutsch
errstand, so brachte Herr Pfort. nach
doch wenigstens so viel aus ihm
herauss daß weitere Sommergäste noch nicht
da seien — einen Maler ausgenommen, der
bereits vor vierzehn Tagen angekommen sei.
Aber das wäre ein sehr ruhiger und arbeitsamer
Mensch, den man den ganzen Tag über
nicht zu Gesicht bekäme, und der schon einen
ganzen Hausen Zeug zusammengepinselt habe.
„Na, den wollen wir schon wegekeln.“
meinle Herr Plümer * selner Gattin. „Das
laßt nur meine Sorge
u Plümer es, en und Fräulein Paula
sagte ar nichts, sondern blickte aus ihren
blanken Augen unbosangen fröhlich wie zuvor
in die zwar etwas eintönige. aber immerhin
beiduch ar grüne Gegend.
epenhageuer Hotel war kein Monumentalbau,
und mit einer jener modernen
Karawanseresen, vor denen Herr Plümer einen
o unüberwindlichen Abscheu hegte, hatte es
wirklich nicht die mindeste Aehnlichkeit. Dle belden
den Sommergästen eingeräumten Gemächer
erwiesen sic als die einzigen überhaupt vorhandenen
Logierzimmer, und ihre ländllche
Schmucklosigkelt konnte in der as lelbst der
weitestgebenden Anspruchslosigkeit genügen.