Full text : Geschichte Bayerns.

Utzschneider  mit  Fraunhofer  und  Reichenbach.  171

um  so  mehr,  da  sie  uns  als  Beispiel  zur  Nachahmung  dienen.
Solche  Männer  waren  die  drei  oben  genannten,  weßhalb  hier
Einiges  von  ihnen  erzählt  werden  soll.

Joseph  von  Utzschneider,  der  Sohn  eines  Landmannes,
  wurde  im  Jahre  1763  zu  Rieden  am  Staffelsee  geboren.
  Er  besuchte,  als  er  sich  die  nöthige  Vorbildung  auf
dem  Gymnasium  zu  München  verschafft  hatte,  die  Universität
Ingolstadt,  verließ  sie  als  Doctor  der  Philosophie  und  wurde
sogleich  hierauf  als  Repetitor  der  Mathematik  und  Physik  und
als  Lehrer  der  Cameral-Wissenschaften  an  der  Landes-Akademie
—  nachmaligen  Militär-Akademie  —  angestellt.  Im  Jahre
1784  erhielt  er  die  Stelle  eines  Hofkammerraths  mit  Sitz  und
Stimme,  und  von  da  an  widmete  er  seine  ganze  Kraft  und
fördernde  Theilnahme  den  Gegenständen  der  Staatswirthschaft,
des  Handels  und  der  Technik.  Er  wirkte  vorzüglich  thätig  zur
Austrocknung  des  Donaumooses.  Bald  darauf  schlichtete  er
die  Irrungen  mit  Salzburg  und  Berchtesgaden  wegen  der
bayerischen  Salzwerke,  blieb  als  bayerischer  Geschäftsträger  und
Salinenverwalter  in  Berchtesgaden  und  wirkte  bis  zum  Jahre
1798  sehr  umsichtig  und  thätig  zum  Vortheile  Bayerns  in  der
Verbesserung  des  Salzbergbaues  und  Sudwefens.

Auch  Kurfürst  Maximilian  Joseph  ehrte  ihn  mit
Vertrauen,  ernannte  ihn  zum  Direktor  der  neu  errichteten
Landes-Direktion  und  zum  geheimen  Referendair;  als  solcher
hatte  er  den  zerrütteten  Finanzzustand  zu  untersuchen  und  dem
Kurfürsten  und  seinen  Ministern  gewissenhaft  aufzudecken.  Bei
der  Umgestaltung  Bayerns  stand  er  an  der  Spitze  der  thätigsten
  und  einsichtsvollsten  Männer,  und  alle  seine  Entschließungen
  waren,  da  er  mit  der  Lage  des  Staates  vertraut  war,
sehr  umfassend  und  durchdacht.  Bald  aber  wurde  er  verleumdet
  und  im  Jahre  1801  sogar  seiner  Dienste  entlassen.

Von  nun  an  betrat  er  eine  ganz  andere  Laufbahn.  Zuerst
  gründete  er  eine  Leder-Manufaktur  in  München,  die  in
kurzer  Zeit  trefflich  gedieh.  Von  viel  größerer  Wichtigkeit  war
aber  die  Gründung  einer  großen  Werkstätte  in  München  zur