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Kriegsgefahr, betont die nüchterne Ruhe des englischen, die wechselnde
Haltung des italienischen Botschafters und die Vorgänge an der Börse.
Dem englischen Botschafter, Sir Edward Malet, hatte Bismarck die
Zusicherung gegeben, daß er Frankreich nicht angreifen werde, während
Boulanger, wenn er zur Macht gelange, Deutschland sofort den Krieg
erklären würde. „Der Kanzler zeigt sich friedfertig,‘‘ meint der belgische
Gesandte, „aber er rüstet nicht völlig ab.“
Deutschlands Beziehungen zu Rußland schienen sich nach seiner
Anschauung doch nicht so durchgreifend gebessert zu haben, wie Bismarck
es überall glauben machen wollte, und wie es auch nach einem
persönlichen Handschreiben des Zaren an den Kaiser Wilhelm erscheinen
konnte, in dem er ihn zu den Erfolgen seiner Bestrebungen für die Erhaltung
des Friedens beglückwünschte und hinzufügte, er würde seinerseits
diese friedliebende Politik jederzeit unterstützen. Den belgischen
Gesandten machte es mißtrauisch, daß gerade eben in der Moskauer Zeitung
der Panslawist Katkoff das österreichische Bündnis mit Deutschland
und die Politik des Fürsten Bismarck sehr heftig angegriffen hatte.
Tatsächlich herrschte in Rußland zu dieser Zeit eine erhebliche Verstimmung
gegen Deutschland. ‚Niemals war die Erbitterung über den
Berliner Vertrag so fühlbar wie heute,‘“ berichtet Graf Errembault de
Dudzeele aus Petersburg am 18. Februar 1887%). Die Lage Deutschlands
sah man übereinstimmend in Rußland so an, daß die Gefahr eines deutschfranzösischen
Krieges durch einen für Bismarck günstigen Ausfall der
Wahlen nicht beschworen sein würde, daß der Krieg aber sicher kommen
müsse, falls der Kanzler einen Mißerfolg erleide. Komme die Auseinandersetzung
zwischen Deutschland und Frankreich, so brauche Rußland
hauptsächlich Handlungsfreiheit. Daher sei jetzt die Regelung der bulgarischen
Frage, die Rußland in schwere Verwicklungen hineinziehen
könne, weniger wichtig. ‚Im ganzen‘, meint der Gesandte, ‚würde das
russische Volk den Ausbruch eines deutsch-französischen Krieges recht
gern sehen, und die hiesigen Zeitungen gießen, ohne es allzusehr merken
zu lassen, noch Öl ins Feuer. Ich denke indessen, daß die Öffentlichkeit
mehr instinktiven Empfindungen folgt als klaren Überlegungen, und daß
am Ende niemand in Rußland eine klare Vorstellung davon hat, welchen
Vorteil man aus den Ereignissen ziehen könnte. Das einzige, was sich
klar abzeichnet, ist eine Abneigung gegen Deutschland, eine nach Rache
verlangende Erinnerung an 1878 und die Meinung, daß man sich einer
schweren Gefahr aussetzen würde, wenn man es Deutschland erlaube,
Frankreich noch einmal niederzuschlagen. — Das sind im großen und
ganzen die hauptsächlichen Eindrücke der russischen Öffentlichen Meinung,
ein noch unbestimmtes Verlangen nach einer neuen Politik und
ein Schwanken in der Richtung, die ihr zu geben wäre, aber der entschlossene
Wunsch, daß diese Richtung Deutschland nicht günstig sein
soll.‘‘?)
1) Bd. V, S. 177/178.
2) Bd. V, S. 178.
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