Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

I.  Die  ständische  Reaktion.  383

und  seines  Ministero  volitischem  System  und  ein  Paktieren
mit  dessen  Gegnern.

Inzwischen  erfolgte  daheim  der  Bruch  mit  Schweden  und
das  klägliche  Scheitern  der  großen  Werbung  von  1637:  ein
greuelvoller,  verwüstender  Krieg  begründete  die  Militärdiktatur
Schwartzenbergs.  Nun  glich  der  Aufenthalt  des  Kurprinzen  in
den  Niederlanden  einem  solchen  im  feindlichen  Lager.  Der
befohblenen  Heimkehr  aber  entzog  er  sich  unter  allerlei  Vorwänden.
Man  begreift  den  Unmut  des  Kurfürsten,  den  Argwohn  der
Kaiserlichen,  aber  auch  die  Hoffnungen  der  Gegner  beider.  Die
Stände  Cleves  erbaten  sich  den  Prinzen  zum  Statthalter:  dann
wollten  sie  sogar  seinen  Hofhalt  bestreiten.  Sie  demonstrierten
damit  gegen  Schwartzenberg,  der  die  cleveschen  Angelegenheiten
fast  ausschließlich  leitete,  hofften  wohl  auch  sich  des  Jünglings
in  ihrem  Interesse  bedienen  zu  können.  Auch  ergriff  dieser  ihre
Partei,  indem  er  die  von  ihnen  angefochtene  Cession  der  Domäne
  Huissem  an  den  Minister  nie  anzuerkennen  erklärte.  Auch
sollte  er  mit  den  Niederlanden  die  Neutralisierung  des  Landes
planen.  Die  Versagung  der  Bitte  besserte  sein  Verhältnis
zum  Vater  natürlich  nicht.  Es  hieß,  er  wolle  eine  pfälzer  Prinzessin
  heiraten,  während  er  fürchtete,  daheim  zu  einer  nicht
gewollten  Ehe  gezwungen  zu  werden.  Dann  war  der  kaiserliche
Hof  sieberhaft  thätig,  um  den  lebertritt  des  brandenburgischen
Erben  zu  den  Gegnern  zu  hindern:  er  lud  ihn  nach  Wien  ein,
wo  man  ihn  standesgemäß  versorgen  werde.  Von  einer  Parteinahme
  des  „Herrn  Meisters“  gegen  den  Sohn  findet  sich  keine
Spur:  vielmehr  lassen  dessen  Briefe  erkennen,  daß  er  sich  um
einen  gütlichen  Ausgleich  bemühte,  und  zwar  nicht  bloß  mit
Wissen,  sondern  auch  auf  Bitten  des  Prinzen,  der  ihm  auch
sonst  während  des  niederländischen  Aufenthalto  die  Vertretung
seiner  Znteressen,  namentlich  der  wirtschaftlichen,  vertrauensvoll
  und  erfolgreich  ans  Herz  legte.  Aber  erst  auf  Grund  förmlicher
  Verhandlungen  kam  es  zu  einem  Vergleich  zwischen  Vater
und  Sohn:  dieser  versprach,  gegen  seinen  Willen  keine  Ehe
einzugehen,  jener  diesen  zu  keiner  zu  zwingen.

lleber  Amsterdam  und  Hamburg  kehrte  der  Kurprinz  im
Frühjahr  10638  heim.  Aber  der  sieche  Kurfürst  sah  in  ihm