Bie Aerreiciszungarische Moenartzie. (Dezember 12.—19.) 223
unbedingt bejahend beantworten zu können. In dem Augenublick aber,
wo Oesterreich daran gehe, mit Ungarn einen Freundschafts= und Friedensvertrag
zu schließen, erscheine es ihm wünschenwert, daß dieser Vertrag
eine moralische Ergänzung darin finde, daß ein Verhältnis achtungsvollen
Vertrauens und der Solidarität in den Beziehungen der öffentlichen
Meinung beider Staaten Platz greife. Er richte die neuerliche Bitte an
die noch immer dissentierenden agrarischen Abgeordneten, einen höheren,
einen allgemeineren Ueberblick gestattenden Standpunkt einzunehmen.
Dann werde auch vor ihren Augen der Ausgleich Gnade finden. Die Erkenntnis
von der Notwendigkeit, das Verhältnis wu Ungarn auf eine von
Leidenschaft befreite verstandesmäßige und korrekte Grundlage zu stellen,
müsse in die weitesten Volkskreise dringen. In diesem Sinne dürfe er
wohl sagen, daß die Regierungen ein für die Bevölkerung Oesterreichs
und Ungarns wahrhaft nützliches Werk geschaffen hätten. Am Abgeordnetenhause
liege es nun, mit tunlichster Abkürzung des Verfahrens die Bevölkerung
in den Genuß dieses Werkes zu setzen.
12. Dezember. (Ungarn.) Das Abgeordnetenhaus genehmigt
das Ermächtigungsgesetz betr. die Durchführung des Ausgleichs
mit großer Mehrheit.
12. Dezember. (Kroatien.) Der Landtag wird aufgelöst,
weil bei der gegen die ungarische Regierung herrschenden Erbitterung
die Bewilligung des Budgets nicht zu erwarten ist.
12. Dezember. Ein Erlaß des Kriegsministers verurteilt
streng alle Mißhandlungen und Beschimpfungen von Soldaten.
16. Dezember. (Cisleithanien.) Das Abgeordnetenhaus
genehmigt eine Resolution, in der die österreichische Regierung angewiesen
wird, die ungarische Regierung darauf aufmerksam zu
machen, daß sie das Nationalitätengesetz aufrichtig durchführen solle.
Der Ministerpräsident lehnt die Einmischung in ungarische Verhältnisse
ab. (17. Dezember.)
17. Dezember. (Cisleithanien.) Das Abgeordnetenhaus
genehmigt mit großer Mehrheit alle Ausgleichsvorlagen in dritter
Lesung. (Annahme im Herrenhause 19. Dezember.)
17. Dezember. (Ungarn.) Im Abgeordnetenhause protestiert
Ministerpräsident Wekerle scharf gegen den Beschluß des österreichischen
Abgeordnetenhauses vom 16. und verspricht Genugtuung
für die Ungarn zugefügte Insulte. — Am 21. erklärt er, eine Verhandlung
mit dem Frhrn. v. Beck habe alle gewünschten Garantien
ergeben.
19. Dezember. (Wien.) Zusammentritt der Delegationen.
— Das Budget fordert 186 923102 Kronen. Präsident der österreichischen
ist Abg. Fuchs, der ungarischen Abg. Barabas.