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hat ein silbernes und ein goldenes Haar auf dem Kopf, und das
sind die zweierlei Farben.“ Wie die Prinzessin das hörte, ward sie
blaß und wäre vor Schrecken beinahe hingefallen; denn das Schneiderlein
hatte es getroffen, und sie hatte fest geglaubt, das würde kein
Mensch auf der Welt herausbringen. Als ihr das Herz wiederkam,
sprach sie: „Damit hast du mich noch nicht gewonnen, du mußt
noch eins tun. Unten im Stall liegt ein Bär, bei dem sollst du
die Nacht zubringen; wenn ich dann morgen aufstehe und du bist
noch lebendig, so sollst du mich heiraten.“ Sie dachte aber, damit
wolle sie das Schneiderlein loswerden; denn der Bär hatte noch
keinen Menschen lebendig gelassen, der ihm unter die Tatzen gekommen
war. Das Schneiderlein ließ sich nicht abschrecken, war
ganz vergnügt und sprach: „Frisch gewagt ist halb gewonnen."
Wie das Schneiderlein mit dem Bären umging.
Als nun der Abend kam, ward mein Schneiderlein hinunter
zum Bären gebracht. Der Bär wollt’ auch gleich auf den kleinen
Kerl los und ihm mit seiner Tatze einen guten Willkommen geben.
„Sachte, sachte!“ sprach das Schneiderlein; „ich will dich schon zur
Ruhe bringen." Da holte es ganz gemächlich, als hätt' es keine
Sorgen, welsche Nüsse aus der Tasche, biß sie auf und aß die Kerne.
Wie der Bär das sah, kriegte er Lust und wollte auch Nüsse haben.
Das Schneiderlein griff in die Tasche und reichte ihm eine Handvoll;
es waren aber keine Nüsse, sondern Wackersteine. Der Bär
steckte sie ins Maul, konnte aber nichts aufbringen, er mochte beißen,
wie er wollte. Ei, dachte er, was bist du ein dummer Klotzl
Kannst nicht einmal die Nüsse aufbeißen, und sprach zum Schneiderlein:
„Beiß mir die Nüsse auf!“ „Da siehst du, was du für ein
Kerl bist,“ sprach das Schneiderlein, „hast so ein großes Maul und
kannst die kleine Nuß nicht aufbeißen. * Da nahm es die Steine,
war hurtig, steckte dafür eine Nuß in den Mund und knack! war
sie entzwei. „Ich muß das Ding noch einmal probieren“, sprach
der Bär; „wenn ich's so ansehe, ich mein', ich müßt's auch können.“
Da gab ihm das Schneiderlein abermals Wackersteine, und der Bär
arbeitete und biß aus allen Leibeskräften hinein. Aber du glaubst
auch nicht, daß er sie aufgebracht hat.
Wie das vorbei war, holte das Schneiderlein eine Violine
unter dem Rock hervor und spielte sich ein Stückchen darauf. Als
der Bär die Musik vernahm, konnte er es nicht lassen und fing an
zu tanzen, und als er ein Weilchen getanzt hatte, gefiel ihm das
Ding so wohl, daß er zum Schneiderlein sprach: „Hör, ist das
Geigen schwer?“ „Kinderleicht! Siehst du, mit der Linken leg' ich