Full text : Preußische Geschichte. Zweiter Band. (2)

120  Erstes  Buch.  Die  neue  Staatsgründung  des  Großen  Kurfürsten.

übrigen  Fürsten  gegenüber  streng  auf  das  seinem  Range  Ge—
bührende  halten  und  namentlich  die  kurfürstliche  Präeminenz  in
nichts  kürzen  lassen.  Dann  folgt  eine  Mahnung  zu  steter  Sorge
für  eine  unbestechlich  gerechte  Justiz  und  die  Darlegung  der  Gesichtspunkte,
  nach  denen  bei  der  Wahl  der  Räte  zu  verfahren:
Gottesfurcht,  Uneigennützigkeit,  Verschwiegenheit,  Ehrbarkeit
des  Wandels  und  Offenherzigkeit,  Kenntnis  der  Geschäfte  und
reformiertes  Bekenntnis  werden  als  die  vornehmsten  Erforder—
nisse  aufgezählt.  Die  zu  schwerem  Dienst  Berufenen  sollen  aber
auch  entsprechend  gut  gehalten  werden,  damit  sie  ausschließlich
ihres  Herrn  Wohlfahrt  im  Auge  haben.  Nie  aber  soll  der
Herrscher  einem  seiner  Räte  allein  alle  Autorität  einräumen,
da  ein  solcher  schließlich  ihm  selbst  über  den  Kopf  wachsen  würde.
Parteien  und  Cliquen  unter  den  Staatsdienern  sind  unter
keinen  Umständen  zu  dulden,  auch  nicht  zu  viel  Glieder  einer
Familie  zu  wichtigen  Aemtern  zu  erheben.  Die  Art,  wie  der
Kurfürst  dann  mit  seinen  Räten  zu  arbeiten,  ihre  Ansichten  zu
hören  und  auf  Grund  derselben  nach  reiflicher  Prüfung  zu  entscheiden
  empfiehlt,  gibt  genau  das  Verfahren  wieder,  das  er
selbst  beobachtet  und  bewährt  gefunden  hat.  Diese  Ratschläge
flößen  auch  heute  noch  hohe  Achtung  ein  vor  der  ebenso  unermüdlichen,
  wie  peinlich  gewissenhaften  Arbeit,  in  der  Friedrich
Wilhelm  seine  Regentenpflichten  zu  erfüllen  bemüht  war.  Seine
eigene  Praris  schildert  er,  wenn  er  schreibt:  „In  Rat  höret
sleißig  zu,  notieret  alle  Bedenken  der  Räte  und  lasset  daneben
  noch  fleißig  Protokoll  führen,  fasset  aber  in  wichtigen
Dingen  und  solchen,  wo  Verschwiegenheit  geboten  ist,  nicht
gleich  einen  Beschluß,  sondern  überlegt  zuvor  mit  einem  der
Näte  oder  einem  Sekretär  die  Vota  nochmals  und  entscheidet
erst  dann.  Seid  gleich  den  Bienen,  die  den  besten  Saft  aus
den  Blumen  sangen,  und  ist  es  eine  schwere  Sache,  so  bittet
Gott,  daß  er  Euch  eingeben  möge,  was  Ihr  thun  sollt  zu  Seines
Namens  Ehre  und  zum  Besten  Eueres  Hauses  und  Euerer
Unterthanen.“  Das  Beschlossene  aber  soll  schnell  ausgeführt
werden.  Bei  der  Umfrage  im  Geheimen  Nat  ist  stets  bei  dem
jüngsten  Mitgliede  zu  beginnen,  damit  die  jüngeren  Näte  nicht
aus  Nespekt  vor  den  alten  mit  ihrer  Meilung  zurückhalten,