Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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königlich  en  Häuser,  mit  welchen  seine  Gemahlin  und  er  verwandt  sei,  hierbei
  gleichgültig  bleiben  würden.

Von  Seiten  Englands  wünschte  man  lebhaft  den  Bruch  zwischen  der
Republik  und  Preußen,  um  den  französischen  Einfluß  in  Holland  nicht  aufkommen
  zu  lassen.  Daher  bemühte  sich  der  englische  Gesandte  im  Haag,  Harris,
auf's  Aeußerste,  den  durch  den  gewaltsamen  Vorfall  und  dessen  geflissentliche
Uebertreibung  aufgebrachten  Herrscher  zu  wirklichen  Thaten  zu  treiben.  Auch
der  englische  Gesandte  in  Berlin,  Ewart,  arbeitete  in  gleichem  Sinne,  und
suchte  die  sehr  starke  Friedenspartei,  an  deren  Spitze  der  Graf  Finkenstein,
sich  befand,  während  Hertzberg  von  den  Gegnern  gewonnen  war,  zum  Schweigen
  zu  bringen;  man  sprach  von  einer  „schändlichen  Intrigue  zu  Gunsten  Frankreichs,
  die  in  Potsdam  auf  dem  Punkte,  die  Oberhand  zu  gewinnen,  gewesen
sei,  die  man  vereiteln  und  die  siegreichen  Waffen  in  die  Hände  der  Freunde
Englands  bringen  müsse.“  Man  sah  deutlich,  Friedrich's  Selbstherrschaft  bestand
nicht  mehr.  Vor  seinem  großen  Geiste  wich  die  Intrigue  scheu  zurück,  und  der
Schöpfer  seines  Systemes  leitete  unbedingt;  jetzt  stritten  Parteien  um  das  wichtige
  Gebiet  der  königlichen  Entscheidung.

Thulemeier,  damals  wieder  mit  der  Leitung  der  Geschäfte  im  Haag  beauftragt,
  erhielt  nun  neue  Instruktionen  im  Sinne  der  oranischen  Partei.  Laute
Klagen  wurden  über  das  gegen  die  Prinzessin  beobachtete  Verfahren  erhoben
und  Genugthuung  gefordert,  zugleich  aber  auch  in  Westphalen  ein  Heer  von
24,000  Mann  unter  dem  Oberbefehl  des  Herzogs  von  Braunschweig  zusammengezogen.
  Der  preußische  Gesandte  verlangte  von  den  Staaten,  sie  sollten  an
die  Prinzessin  eine  schriftliche  Abbitte  ergehen  lassen,  die  über  die  Sache  gefaßten
Beschlüsse  zurücknehmen,  sich  verpflichten,  auf  ihr  Verlangen  die  Schuldigen  zu
bestrafen  und  die  Prinzessin  einladen,  nach  dem  Haag  zu  kommen,  um  dort
im  Namen  des  Erbstatthalters  in  Unterhandlung  über  die  Beilegung  der  Zwistigkeiten
  zu  treten.

In  der  Republik  selbst  herrschte  Spaltung;  denn  in  den  Generalstaaten
war,  wie  wir  schon  wissen,  die  oranische  Partei  überwiegend;  nur  in  Holland
hatten  die  sogenannten  Patrioten  die  Oberhand.  Allein  hier  rechnete  man  auf
den  thätigen  Beistand  Frankreichs)  wie  auch  von  preußischer  Seite  gefürchtet
wurde.  Da  aber  nach  sicherer  Erkundigung  in  dem  zu  Givet  angeordneten
Lager  noch  kein  einziger  Mann  erschienen  war,  rückte  das  preußische  Heer  am
13ten  September  in  das  Gebiet  der  Republik  ein.  Die  meisten  auf  ihrem
Wege  befindlichen  festen  Plätze  ergaben  sich  fast  ohne  Gegenwehr;  Gorkum  auf
das  Abschießen  einer  einzigen  Bombe.  Ebenso  wenig  hielten  die  Truppen  im
Felde  Stand;  der  Oberbefehlshaber  Graf  von  Salm  war  einer  der  Ersten  zur
Flucht.  Schon  am  20sten  September  hielt  der  Erbstatthalter  unter  dem  Jubel
der  oranisch-gesimnten  Menge  seinen  Einzug  im  Haag.  Hier  wurde  er  auch
von  einer  Deputation  der  Generalstaaten  nebst  dem  Staaterathe  feierlichst  bewillkommnet;
  selbst  die  Staaten  von  Holland  riefen  ihre  früheren  Beschlüsse,