Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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An  dem  ferneren  Verlaufe  des  östreichischen  Erbfolgekrieges  nahm  Friedrich
  II.  keinen  unmittelbaren  Antheil,  versäumte  jedoch  nicht,  den  allgemeinen
Frieden  für  die  Sicherung  seines  neuen  Erwerbes  auszubeuten.  Es  wurden
auch  wirklich  in  dem  Vertrage  zu  Aachen,  wie  Georg  II.  seine  deutschen  Besitzungen,
  so  dem  Könige  von  Preußen  das  Herzogthum  Schlesien  und  die
Grafschaft  Glatz,  wie  er  sie  zu  der  Zeit  besaß,  gewährleistet.

Friedrich  II.  hatte  im  Verlaufe  dieser  thatenvollen  Kriegsjahre  ohne  alle
bedeutendere  Aufwendung  von  materieller  Kraft  durch  geschickte  Benutzung  der
Umstände  eine  zweite  nicht  unwichtige  Erwerbung  gemacht,  nämlich  von  Ostfriesland.
  Wir  haben  schon  oben  gesehen,  wie  der  Kaiser,  als  Holland  sich
herausnahm,  in  dem  Streite  des  regierenden  Hauses  mit  den  Ständen  ein  oberherrliches
  Recht  in  Anspruch  zu  nehmen,  dem  großen  Kurfürsten  hier  die  Reichs-Exrecution
  übertrug  (1683),  worauf  dieser  Gretsyl  und  Emden  mit  seinen
Truppen  besetzte;  auch  ist  ferner  erwähnt,  daß  diese  Verhältnisse  später  zu  einer
von  dem  Kaiser  vollständig  bestätigten  Anwartschaft  führten.  Als  nun  am  25.
Mai  1744  Karl  Edgard,  der  letzte  Sproß  des  ostfriesischen  Herrscherhauses  starb,
hatte  Friedrich,  der  sich  damals  gerade  im  Bade  zu  Pyrmont  befand,  seine
Maßregeln  so  gut  genommen,  daß  überall  ohne  Widerstand,  ja  mit  großer  Bereitwilligkeit
  des  Landes  die  preußischen  Adler  angeheftet  wurden.  Es  genügten
500  Mann  preußischer  Truppen,  um  die  Gerechtsame  des  Königs  aufrecht  zu
erhalten.  Bald  hörte  der  Streit  zwischen  den  Ständen  und  der  Landesobrigkeit
unter  der  umsichtigen  Regierung  des  Königs  auf,  obgleich  er  außer  den  Einkünften
  aus  den  Domänen  sich  aus  den  Landesmitteln  statt  der  bisherigen  12,000
Thaler  das  Doppelte  bewilligen  ließ.  Bei  seinem  ersten  Erscheinen  in  Ostfriesland
  wurde  Friedrich  II.  mit  lautem  Jubel  empfangen,  denn  er  hatte  ihnen  ihre
ständischen  Einrichtungen  gelassen,  und  dessenungeachtet  verstanden,  seine  fürstliche
  Macht  zum  Nutzen  des  allgemeinen  Besten  kräftig  auszuüben.

Friedrich's  Landesverwaltung  bis  zum  Ausbruch  des
siebenjährigen  Krieges.

Bis  jetzt  haben  wir  Friedrich  II.  fast  nur  im  Kriegsgetümmel  oder  mit
den  Vorbereitungen  zu  demselben  beschäftigt  gesehen;  er  hatte  glänzende  Erfolge
auf  dem  Felde  der  Ehre  davongetragen,  seinen  Namen  den  größten  Kriegshelden
seines  Jahrhunderts  an  die  Seite  gesetzt,  und  er  scheiterte  nicht  an  dieser  gefährlichen
  Klippe.  Der  Kriegsruhm  war  nicht  sein  Ziel,  nur  das  Mittel  gewesen,
um  die  politische  Selbstständigkeit  des  von  ihm  beherrschten  Staates  zu  gründen.
Luch  ist  dieser  kriegerische  Ruhm,  wie  herrlich  er  auch  immer  glänzen  mag,  doch
das  geringste  seiner  Verdienste;  ein  weit  schöneres  Zeugniß  für  seine  Herrschergröße
  bietet  das  tägliche  unermüdliche  Schaffen  und  Wirken,  sein  Bemühen,  in
alle,  selbst  die  engsten  Kreise  des  menschlichen  Lebens  einzudringen,  den  Handel
und  Wandel,  die  gewerblichen  Bestrebungen  seiner  Unterthanen  zu  leiten  und
zu  regeln.  Nichts  entging  seiner  überall  hin  verbreiteten  Fürsorge.