188 Vortrag des Lyrischen.
Der stolze Gudunow, mein Todfeind, muß
Zu meinen Füßen kriechend Gnade flehen,
O meine heißen Wünsche sind erfüllt! —
Ich soll den Sohn verleugnen, den der Himmel
Mir durch ein Wunder aus dem Grabe ruft?
Ihm, meines Hauses Mörder zu Gefallen,
Der über mich unsäglich Weh gehäuft,
Die Rettung von mir stoßen, die mir Gott
In meinem tiefsten Jammer endlich sendet! —
Nein, du entrinnst mir nicht! Du sollst mich hören
Ich habe dich, ich lasse dich nicht los!
O endlich kann ich meine Brust entladen,
Ausschäumen endlich gegen meinen Feind
Der tiefsten Seele lang verhaltnen Groll
Wer war's, der mich in diese Gruft
Der Lebenden verstieß,
Mit allen frischen Kräften meiner Jugend?
Wer riß den teuern Sohn mir von der Seite
Und sandte Mörder aus ihn zu durchbohren!
O keine Sprache neunt was ich gelitten,
Wenn ich die langen hellgestirnten Nächte
Mit ungestillter Sehnsucht durchgewacht,
Der Stunden Lauf an meinen Thränen zählte!
Der Tag der Rettung und der Rache kommt,
Ich seh' den Mächtigen in meiner Hand! —
(Kräftig, laut.)
In Turn!? Ihr mißbraucht die kaiserliche Gewalt! In Turn?
Das ist sein Befehl nichtt Was? Mir erst, die Verräter, eine Falle
zu stellen und ihren Eid, ihr ritterlich Wort zum Speck d'rin aufzuhängen!
Mir dann ritterlich Gefängnis zusagen und die Zusage wieder
brechen! —
Trügst du nicht das Ebenbild des Kaisers, den ich in dem gesudeltsten
Konterfei verehre, du solltest mir den Räuber fressen oder d'ran
erwürgen!
Mit Blut schreib’ ich's auf seine schöne Stirn!
Er hat in Schmach und Schande mich gestürzt,
An Deutschland, meinem schönen Vaterlande,
Der Mordknecht, zum Verräter mich gemacht,
Den Schandfleck wasch’ ich ab in seinem Blute! —
Du kennst sie nicht? Du hast sie nie gesehn?
Verdammte Lüge! Was! Kenn' ich sie nicht