französischen Bewerber bei Vergebung von Regierungsaufträgen
und wirtschaftlichen Konzessionen und überhaupt ihre Verdrängung
aus dem marokkanischen Geschäftsleben.
Nunmiehr setzte die deutsche Gegenaktion ein. Für unser
Hervortreten wurde die eindrucksvollste Form gewählt, sie erinnerte
an die Positur des alten Roland: die Beine breit, das Schwert
dazwischen und die Hände auf dem Knauf. Auf den Rat des
Kanzlers, der selbst von Herru v. Holstein beraten war, ließ sich
der Kaiser bestimmen, auf seiner mit dem Besuche des Königs von
Portugal in Lissabon begonnenen Mittelmeerfahrt Tauger anzulaufen.
Noch auf der Reede von Tanger bei hochgehender See
soll der Kaiser gezögert haben, an Land zu gehen, bis der Sekretär
der Gesandtschaft v. Kühlmann mit Depeschen aus Berlin an Bord
kan und von den Vorbereitungen zum Empfang an Land berichtete.
Der zweistündige Aufenthalt verlief würdig. Deutsche,
Mauren und Spanier waren begeistert, auch die englische Kolonie
hatte einen Triumphbogen errichtet, das französische Element verhielt
sich höflich und korrekt. Auf die Ansprache des Onkels des
Sultans, Mulay Abdelmalek, erwiderte der Kaiser: der Besuch
gelte dem Sultan als einem unabhängigen Herrscher, er hoffe, ein
freies Marokko werde, ohne Monopole und Annexionen, dem
friedlichen Wettbewerb aller Nationen offen bleiben, er werde alles
tun, was in seiner Macht stehe, um wirksam die deutschen Interessen
in Marokko zu schützen.
Am selben Tage (31. März) hielt Delcassé, ohne die Kaiserfahrt
zu berühren, in der Kammer eine Beschwichtigungs= und
Rechtfertigungsrede, in der er auerkaunte, daß fremde Nationen
Ausprüche auf Sicherung ihrer Handelsinteressen in Marokko erheben
könnten. Es bestand bereits eine Opposition gegen ihn, die
ihm vorwarf, ohne Not die berechtigte Eigenliebe Deutschlands gefährlich
verletzt zu haben. Die Sozialisten unter Jaurêés verlangten
größere Klarheit und drängten Delcassé zu einer zweiten Rede,
in der er versicherte, daß Frankreich denm Sultan von Marokko nur
Vorschläge machen, sonst niemand schaden und in Erörterungen
über etwaige Mißverständnisse mit dritten Mächten eintreten
wollte. Die Kaiserrede in Tanger hatte aber schon die deutsche
Politik auf den internationalen Charakter der Marokkofrage fest
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