Metadata : Die Ernährungsverhältnisse der Volksschulkinder.

168  Fabrikant  Friedrich  Karl  Freudenberg.

n#  Rixdorf  sind  27000  Volksschulkinder,  in  Schöneberg  nur  12000.
ixdorf  ist  Fabrikstadt,  Schöneberg  ist  wesentlich  Rentnerstadt.

Nun  habe  ich  die  Zahlen  der  Volksschulkinder  mit  den  Einwohnerzahlen
  der  sämtlichen  189  Städte  verglichen.  Leider  standen  mir
die  neuesten  Einwohnerzahlen,  diejenigen  von  der  letzten  Berufszählung
vom  Jahre  1907,  nicht  zu  Gebote,  sondern  ich  mußte  auf  das  Jahr
1905  zurückgreifen.  Da  ergaben  sich  nun  ganz  merkwürdige  Verhältnisse,
die  in  der  krassesten  Weise  das  bestätigen,  daß  die  Quantität  der  Geburten
  und  die  Qualitätsunterschiede  in  entgegengesetztem  Verhältnisse
tehen.  Durch  eine  sehr  hohe  Geburtenziffer  zeichnen  sich  die  oberchlesischen
  Orte  aus.  Es  beginnt  mit  280%0  Volksschulkindern  auf
ie  Bevölkerungsziffer.  Obenan  stehen  Ruda,  Roßberg,  Schwientochlowitz,
  Laurahütte  und  Königshütte.  Dann  folgt  Hamborn  am  Niederrhein
  mit  22.  Hamborn  ist  ein  Ort,  der  in  fünf  Jahren  von  32000
Einwohnern  auf  67000  Einwohner  gewachsen  ist.  Die  Qualität  der
Einwohnerschaft  kann  man  sich  ja  wohl  denken.

Nun  habe  ich  die  Liste  heruntergerechnet  bis  zu  Rixdorf.  Rixdorf
hat  eine  Verhältniszahl  der  Volksschulkinder  von  17  00.  25  Orte  von
den  189  haben  zwischen  17  und  25  %  Volksschulkinder.  Von  diesen  25
Orten  sind  9  oberschlesische,  8  rheinisch-westfälische.  5  im  Königreiche
Sachsen,  1  in  Bayern,  1  in  Meiningen  und  1  in  Brandenburg,  eben
Rixdorf.  Alle  sind  Industrieorte;  Städte,  die  als  reich,  als  wohllebig,
als  besonders  hochstehend  bekannt  sind,  sind  wenig  dabei.

Auf  der  anderen  Seite  habe  ich  mit  den  niedersten  Relativzahlen
der  Volksschulkinder  begonnen.  Obenan  steht  Jena  mit  bloß  5,2%,
Ulm  mit  5,4,  Brandenburg  und  Minden  mit  6,  Landau  und  Eisleben
mit  7%.  Nun  ist  auch  das  etwas  ganz  merkwürdiges,  daß  das  industrielle
  Eisleben  sich  auch  durch  einen  sehr  geringen  Kinderreichtum  auseichnet,
  und  ich  glaube  nicht  zu  irren,  daß  es  sich  in  Eisleben  um  eine
grsleu  sehr  hochgehobene  Arbeiterschaft  handelt.  Stuttgart  hat  7  %,

ßlingen  7,6,  Kiel  8,  Potsdam  8,2,  Gießen  8,6,  Göttingen  8,  7,  Tilsit  8,8,
Bromberg  8,9,  Neu-Strelitz  und  Goslar  9,  Gotha  und  Insterburg  9,1,
Frriedenan,  Cassel  und  Frankfurt  9,2,  Straßburg  und  Colmar  9,5,  Darmtadt,.
  Dresden  und  Charkottenburg  2/6.

Sie  sehen  den  charakteristischen  Unterschied  zwischen  mehr  industriellen
und  Industriestädten.  Ist  es  bei  dem  Kinderreichtume  der  letzteren  zu
verwundern,  daß  gerade  dort  die  Kinder  mangelhaft  ernährt  sind,  und
daß  diese  Städte  ihren  sozialen  Pflichten  viel  weniger  nachkommen  können.
Treffender  konnte  es  tatsächlich  nicht  gesagt  werden,  als  es  mein  verehrter
  Herr  Vorredner  ausgedrückt  hat:  Der  große  Bevölkerungszuwachs
ist  wesentlich  ein  Quantitätszuwachs.  Unsere  große  Pflicht,  eine  Pflicht,
der  die  Zentralstelle  seit  Jahren  mit  allen  ihren  Kräften  und  mit  großem
Erfolge  nachkommt,  ist  es,  die  Qualität  der  Schulkinder  zu  heben.

Bürgermeister  Dr.  Wewers,  Worms:

Meine  hochverehrten  Damen  und  Herren!  Als  ein  Mittel,  die  Ernährungsverhältnisse
  der  Volksschulkinder  zu  bessern,  ist  heute  die  Schulspeisung
  in  den  Vordergrund  gestellt  worden.  Ich  halte  es  für  richtig,
doch  auch  hier  die  Bedenken  zu  erwähnen,  die  gegen  eine  solche  Schul-