Metadata : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

##ummer  251

Hdeener  Reuigfelln.

München,  27.  Okt.  Der  Alterspräsident  der
bayer.  Abgeordnetenkammer,  der  Zentrumsabgeordnete
  Oekonomierat  Franz  Burger,
der  als  Vertreter  des  unterfränkischen  Wahlkreises
  Gerolzhausen  seit  dem  Jahre  1869  ununterbrochen
  Mitglied  des  Landtages  ist,  tritt
morgen  in  das  80.  Lerensjahr  ein.  Abgcordneter
  Burger  erfreut  sich  infolge  seines  loyalen
Austretens  und  seiner  versöhnlichen  Art,  wie
er  sich  an  den  Debatten  in  der  Abgeordnetenkammer
  beteiligte,  auch  bei  seinen  politischen
Gegnern  großer  Wertschätzung  und  Achtung.

München.  27.  Okt.  Oberbürgermeister  Dr.
v.  Borscht  hat  als  zweiter  Vorsitzender  des  Deutschen
  Städtetages  das  Eiserne  Kreuz  am  weißschwarzen
  Bande  erhalten.

München,  27.  Okt.  Nach  dem  Amtsblatt
für  die  Erzdiözese  München-Freising  konnten  als
Ergebnis  andeskirchensammlung  für  kriegsgefangene
  Deutsche“  in  der  Erzdiözese  Munchen-Freising
  20  5000  Mark  an  den  Bischof  von  Paderborn
  gesandt  werden.

Jayeriche  Neei#hen.

Kandshut,  27.  Okt.  Die  Gewerbebank
Landshut,  welche  durch  die  unrerantwortliche
Wirtschaft  ihres  ehemaligen  Direktors  Becher
an  den  Rand  des  Abgrundes  gebracht  wurde,
hat  bekanntlich  ihren  Konlurs  beantragt.  In
einer  am  Sonntag  abgehaltenen  Versammlung
der  Mitglieder  und  Gläubiger  wurde  jedoch  beschlossen,
  die  Einstellung  des  Konkurses  zu  beantragen
  und  eine  außergerichtliche  Liquidation
in  die  Were  zu  leiten.  Die  Vorstandschaft  wurde
ermächtigt.  die  notwendigen  Schritte  zu  unternehmen.
  Maßgebend  für  diesen  Beschluß  waren
  die  hohen  Kosten  des  Konkurses,  wie  das
im  Falle  des  Kraches  der  Pfaffenhofener  Bank
zutage  trat,  deren  Liquidator  Magistratsrat
Strasser  in  der  Versammlung  anwesend  war
und  nähere  Ausschlüsse  gab.  In  Psafsenhofen
hätte  man  bei  Liquidation  mindestens  90  000
gegenüler  dem  Konikurse  erspart.  Nach  Ausführungen
  des  Herrn  Hollweck-Landshut,  der
ebenfalls  für  Eiquidation  sprach,  werde  der
Magistrat  der  Bank  in  jeder  Weise  entgegenkommen,
  um  die  Sache  so  bald  als  möglich
aus  der  Welt  zu  schaffen.  Eine  Regelung  der
Angelegenheit  durch  Vergleich  sei  vorzuziehen,
da  sonst  41)00  50  Geschäfte  in  Konlurs  kommen.
Nach  Berechnungen  der  Haftsumme  glaute  man,
den  Gläubigern  sofort  40  Prozent  anbieten  zu
können,  nach  Anfall  der  weiteren  Gelder  ron
Mitgliedern  und  Schuldnern  lönnen  dann  allmählich
  weitere  Beträge  ausbezahlt  werden.  Die
Liquidation  wurde  darauf  einstimmig  beschlossen.

Bapreuth,  27.  Ok“.  Infolge  der  Butterknaxpheit
  hat  es  in  letzter  Zeit  auf  dem  hiesigen
Wochenmarkte  wiederbolt  unliebsame  Szenen  gegeben.
  Es  ist  zu  Obrfeigen,  Herausreißen  und
JZertreten  ron  Waren  usw.  gekommen,  und  die
Zustände  sind  allmählich  unhaltbar  geworden.
Um  den  allzu  stürmischen  Andrang  der  Käuferinnen
  in  „geregelte  Vahnen  zu  lenken“,  hatte
man  beim  letzten  Wochenmarkt  zum  erstemmal
Buden  aufgesiellt,  in  denen  die  Bauersfrauen
ihre  Butter  abgeben  mußten.  Aber  damit  war
auch  nichts  gedient,  es  gab  ein  fürchterliches
Gedränge,  man  balgte  sich  förmlich  vor  den
Buden,  und  die  Schutzleute  hatten  alle  Mühe,
die  Vertreterinnen  des  „zarten  Geschlechts“  in
Ordnung  zu  halten.  Nunmehr  ordnete  die
Marktpolizei  an,  daß  rom  nächsten  Wochenmarkt,
  am  Mittwoch,  an  die  Buden  ganz  zusammengerüct
  werden,  so  daUß  sie  eine  Gasse
bilden  mit  einem  Eingang  und  einem  Ausgang.
Durch  diese  hohle  Gasse  müssen  die  einkaufenden
  Frauen  nacheinander  kommen.  Jeder  Käufer
  erhält  höchstens  ein  halbes  Pfund,  das  Geld
muß  abgezählt  bereit  gehalten  werden.  Zugleich
wird  ein  öfsentlicher  Appell  an  die  Einwohnerschaft
  gerichtet,  auch  andere  Waren,  Eier  usw.
nur  in  kleineren  Mengen  einzukaufen.

Goldbach,  27.  Okt.  Hier  wurde  unter  Mitwirkung
  der  Gewerbebank  für  Aschaffenburg
cine  Einkaufsgenossenschaft  für  das  Schmiedehandwerk
  für  Aschaffenburg  und  Umgebung  gegründet.
  Die  zahlreichen  anwesenden  Schmiedemeister
  von  Ischossenkarg.  und  Umgebung  tratlen
  sofort  ohne  Ausnahme  der  neuen  Genossenchaft
  bei.  Der  Zweck  der  Genossenschaft  ist
der  gemeinsame  Einkauf  von  Eisen  und  Kohlen.

Neustadt  a.  B.,  27.  Okt.  Die  Mitteilungen
über  Kupfererze  in  der  Pfalz,  die  in  den  letzten
Tagen  die  Runde  durch  die  Presse  machten,
haben  durch  die  Sachrerständigen-Gutachten  von
Professor  Oelkecke-München  und  Dr.  Mehlis-Neuftadt

  große  Aufmerksamkeit  gefunden.  Das
Gebiet,  in  dem  ausgedehnte  Kupfererzmengen
legutachtet  werden,  zieht  sich  das  Donnersbergmassiv
  in  der  Norppfalz  entlang.  Eigentumer
ist  der  bayerische  Landtagsabgeordnete  und
Gutsbesitzer  Eugen  Abresch.

Gtenzlande.

Salzburg,  27.  Oktober.  Der  Salzburger
Schnürlregen  ist  eine  insbesondere  während  der
Sommerzzeit  auftretende  Uimatische  Erscheinung.
scheinung,  von  der  auch  wir  in  Reichenhall  und

 

 

etasenheimer

Aber  die  Salzburger  wissen,  was  sie  an  ihrem
Schnũrlregen  haben  und  sind  stolz  auf  ihn.  In
richtiger  Erlenntnis  dessen  hat  sich  daher  am
Bahnhof  Salzburg  eine  —  Schirmverlei  astalt
etabliert,  damit  jeder  bei  der  Ankunft  in  Salzburg
  gleich  weiß,  woran  er  ist.  Regenschirme
in  jeder  Dimension,  Farbe  und  Güte  werden
dort  zum  Einsatz  von  drei  Kronen  für  Tage
Wochen  und  bei  längerem  Aufenthatt  selbst  ga
Monate  ausgeliehen.  Mehr  kann  man  nicht
rerlangen!

Uagerliches  uenn
Bolzkirchen,  27.  Okt.  Am  Mittwoch.  früh
wurde  auf  der  Bahnstrecke  zwischen  Holz#rchen
und  Darching  der  Soldat  Johann  Grasberger
tot  aufgefunden.  Vermutlich  ist  er  von  einem
Zug  am  Dienstag  abend  überfahren  worden.

Wörnsmühl,  27.  Okt.  Vor  kaum  einem
Jahr  rerschied  in  der  Demmelbauerfamilie
Gschwendtner  in  der  Grandau  ein  Töchterchen
an  der  Dixphtheritis.  Gestern  erlag  dem  gleichen
  Leiden  der  älteste,  14  jährige  Sohn  Joses
und  heute  nachts  verstarb  der  12jährige  Sohn
Andreas  an  Diphtheritis.

Varrischzell,  27.  Okt.  Zum  Bau  der  neuen
Strahr  Bayrischzell-Kufstein  sind  heute  200  Russen
  hier  eingetroffen.  Sie  haben  das  neuerbante
Gesangenenlager  bezogen.

Gmund,  27.  Okt.  Ein  trauriges  Ereignis
hat  sich  in  der  Wohnung  des  Uhrmachers  Löm
bei  Gmund  zugetragen.  Der  Säger  Mathhias
Heinrich,  welcher  schon  seit  längerer  Zeit  schwer
kranl  ist  und  dessen  Leiden  sich  in  den  letzten
Tagen  furchtbar  gestaltete,  hat  in  einem  Anfall
  von  Geistesstörung  Hand  an  sich  selbst  gelegt
  und  sich  mit  seinem  Militärgewehr  durch
zwei  Schüfsse  erschossen.  Heinrich.  welcher  46
Jahre  alt  ist  und  außer  lseiner  Frau  14  Kinder
  hinterläßt,  war  ein  fleißiger  Arbeiter  und
hat  im  Berein  mit  seiner  Frau  die  Kinder  brav
erzogen.

 

 

Lel  n
Rosenheim,  28.  Olt.

Auszeichnungen  im  Felde.  Das  Eiserne
  Kreuz  wurde  dem  Leutnant  Franz  Neder
(Wasserburg  der  Landwehr-Jnf.  2.  Aufgebots
und  dem  Feldwebelleutnant  Wolfgang  Rinnab
des  Landsturm-Inf.-Bat.  Rosenheim  verliehen.
Aus  den  Verlustlisten.  In  der  bayer.
Verlustlis  Nr.  228  wird  gom  3.  Juf.-Rgt.
der  Inf.  Theodor  Kuchler  aus  Reilmehring  4
schwer  rermundet  ausgeführt.  Er  is  der  Sohn
des  Rangiermeisters  Kuchler  in  Nosenheim.  Der
tapfere  Mitkämpser  ist  früher  schon  einmal  verwundet
  worden.  Ein  zueiter  Sohn  Kuchlers
wird  seit  der  Schlacht  bei  Lodz  am  31.  Januar
  vermißt.  Der  Vater  ist  zurzeit  als  Rangiermeister
  in  Belgien  tätig.

Siegesfreude  gibt  sich  seit  Mittwoch
Abend  wieder  zu  erkennen.  Die  so  schnell  gelungene
  Verbindung  der  deutschen  und  österreichisch-ungarischen
  Heere  mit  den  bulgarischen
Streitkräften  aus  dem  serbischen  Kriegsschauplatz
hat  überall  sreudige  Ueberraschung  und  Genugtuung
  ausgelöst.  Weiß  doch  jeder,  der  einigermaßen
  die  Kriegsereignisse  verfolgt.  was  damit
Großes  auf  dem  Spiel  steht.  Die  jetzt  vollgogene
  Vereinigung  ist  der  Anfang  für  die  Erbisnung
  der  freien  Bahn  nach  Konstantinopel.
Die  rier  verbündeten  Heere  können  dam  in  innigstem
  Zusammenarbeiten  ihre  Ueberlegenheit
erst  recht  erproben.  Als  wir  zur  Ankündigung
des  großen  Ereignisses  die  Fahne  aussiehen
ließen,  solgten  gar  bald  viele  nach.  Auch  de
Siegesschüsse  dröhnten  wieder  über  Stadt  8
Land.  Im  Flaggenschmuck  ist  heute  auch  erstmals
  eine  bulgarische  Fahne  zu  sehen;  sie  weht
auf  dem  Haus  Ludwigsplatz  10.
Eince  begrüßenswerte  Maßnahme
hat  der  Justizminister  am  Mittwoch  im  Finanzaus#schuß
  der  Kammer  der  Abgeordneten  angekündigt.
  Er  teilte  mit,  daß  in  allernächster  Zeit
ein  Gesetzentwurf  worgelegt  werden  wird,  worin
für  §  4  des  Kriegszustandsgeseczes  neben
  der  Gefängnisstrafe  Geldstrafe  vorgesehen
ist.  Bisher  gab  es  bei  Verstößen  gegen  diesen
Paragraphen  nur  Gefängnissftrafe.
Priravt  güterverkehr  von  und  nach
dem  Feldheer.  Nunmehr  int  der  Privatgüterverkehr
  an  alle  Truppen  des  östlichen  und
westlichen.  Kriegsschauplatzes  freigegeben;  nur
der  Priratgüterverkehr  an  die  auf  dem  Balkan
kämpfenden  Heeresangehörigen  ist  vorläufig  noch
gesperrt.
Ein  Kelgeschwerer  Unfall  ereignete
ich  wieder  bei  der  Drehscheibe  am  städtischen
Schlachthof.  Bei  Rangierungsarbeiten  wurde
dort  in  der  weffassenen  Nacht  ein  Kohlenwagen
über  die  Sperrschwelle  gestoßen.  Er  stürzte  in
den  Raum  der  —.  wo  es  ein  böses
Durcheinander  gab.  Tchaliche!  horläll  ereigneten
  sich  hier  früher  schon.  bei  sind  Wagen
—  schon  in  den  dit-  25  vorbeifliehenden
Bach  geschoben  worde

Angeinen
Aus  dem  Gerichesanne.

Große  Milchpantschereien.

#Künchen,  27.  Okt.  Die  Mollkereibesitzerseheleute
  Sebastian  und  Therese  Moosmiller
besitzen  dahier  in  der  Hohenzollernstraße  156
ein  Haus,  in  dem  sie  l#en  seit  Jahren  ein
Fücifäeläcit  betreiben.  Als  Gehilfin  ist  im  Geschäft
  auch  die  mit  einer  Einlage  beteiligte
Schwester  der  Frau,  Magdalena  Schuhbauer,
beschäftigt.  Neben  Privatkundschaften  für  Milch
haben  die  Eheleute  Moosmüller  auch  Militärlundschaften,
  nämlich  das  Schwere-Reiterregiment,
  das  täglich  50  bis  80  Liter,  und  das
2.  Infanterie-Regiment,  das  täglich  bis  zu  300
Liter  Vollmilsch  benötigt.  Bezahlt  werden  hiefür
  18  beziehungsweise  17411  Pfennige.  Im
ganzen  bezieben  die  Eheleute  Moosmiller  *
Liter  Milch  täglich  aus  vier  Produltionsgebieten.
  Verschiedene,  in  den  Jahren  1913  und
1914  aus  dem  Movsmüllerschen  Geschäfte  entnommene
  Proben  von  Militärmilch  ergaben  eine
Mins-rung  von  8  bis  27  Prozent  Fettgehalt
Milch.  Du  rerschiedene  Personen  gesehen
den  daß  sowohl  die  Eheleute  Moosmüller
al-  auch  die  Magdalene  Schuhbauer  oft  mit
einem  Schöpflöffel  Magermilch  der  Militärmilch
  und  auch  der  Kundenvollmilch  beimengten,
  ist  gegen  alle  drei  Angeklagte  wegen  Betings
  durch  unerlaubten  Geschäftsgewinn,  der
in  die  Tausende  geht,  und  wegen  Nahrungsmittelfälschung
  erhoben  worden.  Die  Angellagten
  leugneten.  Von  den  Zeugen  haben  mehrere
die  Eheleute  Moosmüller  öfters  beobachlet,  wie
sie  Magermilch  der  zur  Ablieferung  bestimmten
Vollmilch  zugossen.  Fron  Movemüller  behauptete,
  es  sei  Rahm  gewesen.  Nach  der  Aussage
des  Bezirkeinspektoie  ist  er  jahrelang  umsonst
bemüht  gewesen,  Ordnung  in  das  Moosmüllersche
  Geschäft  zu  bringen.  Der  tägliche  Gewinn,
den  die  Eheleute  durch  ihre  Mischungen  erzielt
halen,  wird  auf  17  bis  26  Mk.  berechnet.  Der
Staatsanwalt  beantragte  gegen  jeden  Angetlagten
  3  Monate  Gesängnis  und  6010)  Mark
Geldstrase.  Das  Urteil  lautete  für  die  Cheleute
  Moosmüller  auf  je  6  Wochen  Gefängnis
und  1°0/10  Mk.  Seldstrafe,  erentuell  weitere
10  Tage  Gesängnis.  M.  Schuhbauer  wurde
freigesprochen.

l  x  "

Eine  schlimme  Tat.

Karlsruhe,  27.  Oit.  Der  Landwirt  Mar
Orth  in  Neuenburg  am  Rhein,  ein  rergrämter
Junggeselle,  seellte  im  November  v.  J.  eine
34  Jahre  alte  Frau  Anna  Schlatter  als  Haushälterin
  ein,  die  das  Gegenteil  der  Tugenden
besaß,  die  er  erwartete:  sie  war  faul,  konnte
nicht  kochen,  war  zänlisch  und  hielt  cs  mit  den
Männern.  Am  Morgen  nach  einem  Tage,  an
dem  es  zwischen  Orth  und  der  Haushälterin
Zank  und  Streit  gegeben  hatte,  stand  Frau.
Schlatter  nicht  auf,  obwohl  sie  Orth  mehrmals
rief.  Orth  trat  in  ihr  Zimmer  und  machte  ihr
Vorwürfe,  die  sie  mit  unflätigen  Redensarten
erwiderte;  Orth  schlug  sie  darauf  mit  der  Faust
ins  Gesicht  und  auf  die  Schläfen  und  würgte
sie.  bis  sie  kein  Lebenszeichen  mehr  ron  sich  gab.
Die  Leiche  trug  Orth  in  die  Backstube;  er  machte

luchen  sertig  und  schob  dann  die  Leiche  in  den
Vadeofen.  den  er  bis  zum  Abend  stark  schürte.
Die  Asche  warf  er  in  die  Mistgrube.  Das  ungewöhnlich
  starle  Anheizen  des  Bacofens  und
der  durchdringende  Geruch,  der  ihm  entauole.
wurde  bald  mit  dem  Verschminden  der  Haushälterin
  in  Verbindung  gebracht.  Orth,  der
etwas  beschränkt  ist,  legte  bald  nach  der  Festnahme
  ein  Geständnis  ab;  in  der  Verhandlung
vor  dem  Schwurgericht  in  Freiburg  suchte  er
es  abzuschwächen.  Die  Geschworenen  sprachen
Orth  des  Totschlags  nach  vorausgegangener
Reizung  schuldig,  verneinten  aber  die  Frage,
ob  weitere  mildernde  Umstände  rorliegen.  Der
Gerichtshof  verurteilte  Orth  zu  vier  Jahren
Gefängnis  und  fünf  Jahren  Ehrverlust;  drei
Monate  Untersuchungshaft  werden  angerechnel.

·  -  2

Betrügereien.

München.  24.  Okt.  Jn  der  Provinzpresse
werden  häufig  durch  Inserate  Stickapparate
  angeboten  und  den  Käufern  lohnender  und
dauernder  Nebenverdienst  in  Aussicht  gestellt.
Die  Inserate  wurden  erlassen  von  der  Baumeistersfrau
  Rosa  Volk  in  München.  Für  den
Apparat  vexlangte  sie  15—20  Mark.  Es  meldeten
  sich  zahlreiche  Frauen  und  Mädchen,  meist
Angehörige  des  Arbeiter-  und  Mittelstandes.
Sie  waren  alle  betrogen,  da  sie  wohl  den  teuren
  rat,  aber  keine  Arbeit  erhalten  konnten.
  Der  Strickapparat  weht  Subehor  kam  der
Volk  höchstens  auf  5—6  Mark  zu  stehen.  Reklamationen
  ließ  die  Volk  unberücksichtigt  und  an
die  schriftliche  Abmachung,  daß  sie  eventuell  den
Apparat  zurücknehme  und  das  Geld  zurückerstatl
  hielt  sie  sich  auch  nmicht.  Das  Landgericht

München  1  verurteilte  die  Bolk  wegen  eines
fortgesetzten  Vergeens  des  Betruges  zu  fünf
Monaten  Gefängnis.

Wetterbericht  für  Freitag,  den  29.  Oktober:

einen  von  der  Getöteten  vorgerichteten  Kirschen.  6n

Freitag,  29.  OItober  1015

Banle  Cbroul#.

Die  Kosten  eines  Kanonenschusses.
Es  kostet  ein  Schuß  aus  einer  7.6-Zentimeter-Feldkanone
  43  Mk.,  12-Zentimeter-Kanone  121
Mark,  15-3  zentimeier"  Haubitze  186  Mk.,  15.=Centimeter-Manone
  260)  Mk.  Von  dieser  Grenze
an  beginnen  sich  die  Kosten  des  Kanonenschusses
sprungweise  zu  erhöhen:  30-Zentimeter-Morser
  1293  Mk.,  30.5-Zentimeter-Kanonen  2168
Mark,  35.6=  Jentimeter-  Kanone  3469  Mk.,  40.6.
Zentimeter-  Kanonc  5200  Mk.  Dabei  find  aber
durchgängig  nicht  inbegriffen  die  Kosten  der
Abnutzung  des  Geschutzes,  die  unter  Zugrunoelegung
  einer  Lebensdauer  von  80  Schuß  für
die  größten  Kaliber  recht  beträchtlich  sind.
Die  Weinprobe  der  Pfälzer  Eisenbahner.
  Man  schreibt  der  „Erkf.  Ztg.“  aus
der  Pfalz:  Kürzlich  wurde  berichtet,  daß  die
Pfalzbahndirektion  für  den  Herbst  Weinzüge
eingelegt  ha1.  Mit  dem  Einlegen  ist  es  aber
noch  nicht  getan.  Die  Züge  wollen  auch  gefahren
  sein.  Mensch  bleibt  Mensch.  Also  ist
auch  das  Bahnpersonal  nicht  gegen  die  Tücke
des  „Neuen“  gefeit.  Und  deshalb  heißt  es  vorbeugen.
  So  dachte  wenigstens  früher  die  psälzische
  Eisenbahndirektion.  Als  vor  zehn  Jahren
von  der  Grohstadt  Ludwigshafen,  dem  rußigen
Eingangstor  zum  pfälzischen  Nebengelände,  das
erstenal  Sonntag  mittags  ein  Herbst-S  Sonderzug
  nach  dem  Weinort  Bad  Dürkheim  ging,
hatte  die  Direktion  in  kluger  Voraussicht  angeordnet,
  daß  das  Zugspersonal  mit  dem  nächsten
fahrplanmäßigen  Zug  zurückkehren  müsse,  damit
  s  nicht  der  Versuchung  unterliege,  in  Bad
Dürkheim  einzukehren.  Erst  gegen  Abend  durste
es  wieder  hinfahren,  um  den  Sonderzug  abzuholen.
  Dieses  System  wurde  erst  aufgehoben,
als  die  sauren  und  leichten  Jahrgänge  lamen.
Eines  Sonntags  aber  geschah  es,  daß  der  Mann
mit  der  roten  Mütge  das  Personal  mit  dem
Zug  nicht  abfahren  lassen  wollte,  weil  ihm  Zugführer
  und  Lokomotir  führer  in  zu  fideler  Stimmung
  zu  sein  schienen.  Diese  aber  protestierten
und  drohten  mit  einer  Beschwerde  wegen  Kräukung
  ihrer  Berufsehre.  Schliehlich  ließ  der  Berwalter
  sie  doch  fahren,  gab  aber  telegraphische
Anweisung,  daß  dieser  Zug,  der  sonst  nur  an
Hauptorten  anzuhalten  hat,  auf  der  Zwischen.
station  Eppstein  gestellt  würde.  Er  wollte  fellstellen,
  ob  das  Personal  noch  die  roten  Lichter
sehe.  Diese  Weinprobe  aber  haben  die  wackeren
Pfälzer  Eisenbahner  glänzend  bestanden.  Gegen
solche  Beweislraft  mußten  die  Vedenken  der
Pfälzer  Bahndirektion  rerstummen.  Und  so  kam
es,  daß  selbst  angesichts  des  schweren  Jahrganges
  1915  die  Direktion  kein  Bedenken  trug,
die  Weinzüge  ohne  jede  Vorsichtsmaßregel  einzuführen.


Der  Weltkrieg.

Die  Rreie.  slage
WIB.  Grohe#  Hauptquartiet,
28.  Okt.,  vormittags.  Amtlich.

Westlicher  Kriegsschauplatz.
Keine  wesentlichen  Ereignisse.

Oestlicher  Kriegsschanplenz
####“  #G#leleorto#s.
von  Bindesbao
Nordöstlich  des  Ortes  Garbunowko  sind  neue
Fortschritte  gegen  russische  Angriffe  behauptet.
Der  Kirchhof  von  Szaszali  ist  wieder  in  unserem
  Besitz.  2  Ossiziere  und  150  Mann  wurden
  gefangen  genommen.  Unser  Artilleriefeuer
lieh  einen  feindlichen  Angriff  nicht  zur  Entwilung

  kommen.
N#########e  des  V#e#c#alf
Oeimen  Caorolb  von  Bavern
Bei  Schtscherssy  (am  Njemen  nordöstlich  von
Nowo-Grodel  scheiterte  ein  starker  russischer  Angriff.

Heeresnaruppe  des  Senerals  von  Cinsingen.
Westlich  von  Czartorysk  wurde  Rudka  genommen.

Balkan-Kriegsschauplagz.
Die  Armeen  der  Generale  v.  Koeveß  und  v
Gallwitz  sind  in  weiterem  Vordringen.

Die  Aemee  bdes  nls  v.  Gwis
hoat  feit  dem  28.  Oesober  2.033  (6#%
„eugene  gemacht  nud  mehrere  Maschinen
gewehre  erbentet.

die  Atmee  des  Genertals  Bojad
jef  hat  Sojelar  genommen.
Nördlich  von  Kujazevoc  wur
der  Timol  in  breiter  Front  ub
schritten.
sinjazevac  ist  in  bulzatlsch.  Hũnde
Nehrer#e  Geschütze  wurden  erbent

den

 

 

eich  eunden.  *  Brille  und  eine  Hals- 



Umgebung  unseren  redlichen  Teil  abbekommen.

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straettschen  Gescktjlenftxthr  FWU  mwgi

Pfalz.NordbayemstärkereBe-Mszekt
via-se  Miderschläge,  Südbayern  uorersts  %

Die  Ste  von  Drensbva-  #  (
km  nerbwestlich  von  PBir#t)  ist  hafen#.
Oberste  Heereslettumg.

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