Metadata : Dokumente aus den russischen Geheimarchiven.

—  333  —

Geheimtelegramm  des  Geschäftsträgers  in  London.
14.  August  1917.  Nr.  651.

Nr.2.  Die  wichtigste  Frage  des  Augenblicks  ist  die  der  Pässe.  Ich
habe  aus  diesem  Anlaß  aus  Paris  ein  chiffriertes  Telegramm  an  Kerenski,
Zeretelli,  Terestschenko  und  Tscheidse  gesandt.  Die  gestrige  Erklärung  Bonar
Laws  im  Parlament  erschwert  die  Lage.  Wollen  Sie  mir  gütigst  mitteilen,  ob
eine  diplomatische  Mitwirkung  der  provisorischen  Regierung  möglich  ist  oder
nicht.  Eine  Erklärung  der  Regierung  zugunsten  der  Konferenz  wäre  von
ungeheurer  Bedeutung.  Die  Agitation  gegen  diese  wird  durch  den  dauernden
Wechsel  der  Politik  der  russischen  Regierung  gedeckt,  deren  moralische
Autorität  ungeheuer  ist.  Der  Druck  der  rechtsstehenden  Presse  beginnt  seine
Wirkunz  auszuüben.

Entziffert  am  7.  September  1917.  Nabokow.

iIswestija  vom  15.  Dezember  1917.)

Geheimtelegramm  des  Geschäftsträgersin  London.
14.  August  1917.  Nr.  653.

Bezugnehmend  auf  mein  Telegramm  Nr.  647.

Ausschließlich  für  Ihre  persönliche  Information.

Die  eben  in  den  Abendzeitungen  veröffentlichten  Mitteilungen  bekräftigen,
  wie  mir  scheint,  die  von  mir  in  meinem  heutigen  Telegramm
geäußerten  Ansichten.  Einerseits  wird  mitgeteilt,  daß  die  amerikanische  Regierung
  über  Nachrichten  verfügt,  die  sie  davon  überzeugen,  daß  die  Stockholmer
  Konferenz  von  Deutschland  ersonnen  ist  und  von  ihm  unterstützt  wird,
um  die  Unterstützung  Jer  Arbeiter-  und  sozialistischen  Parteien  für  die  deutschen
  Friedensbedingungen  zu  gewinnen.  Wenn  diese  'l’atsache  sich  bei  der
Nachprüfung  als  richtig  erweisen  sollte,  so  wird  sie  unserer  Regierung  nicht
nur  «lie  Möglichkeit  bieten.  sondern  auch,  wie  mir  scheint,  die  moralische
Pilicht  gegenüber  den  Verbündeten  auferlegen,  endgültig  und  durchaus
kategorisch  von  der  Stockholmer  Konferenz  und  von  den  Versuchen  von
Personen.  die  keine  Vollmachten  von  ganz  Rußland  haben  und  für  »ihre
Politik-  nicht  verantwortlich  sind,  abzurücken.  Andererseits  macht  der  Sehritt
des  Vatikans  es  nicht  nur  möglich,  sondern  dringend  notwendig,  die  Friedensbedingungen
  mit  len  Verbündeten  zu  besprechen,  die  für  alle  Verbündeten
unammehmbar  wären.

Infolge  des  ganz  besonderen  Ernstes  des  Augenblicks  bitte  ich  Sie,  mir
die  hartnäckige  Art,  mit  der  ich  mich  an  Sie  wende.  nicht  als  Schuld  anzureehnen.
  Auch  wäre  ich  für  eine  möglichst  vollständige  Antwort  auf  diese
Fragen  außerordentlich  verbunden.  Ich  bin  der  Ansicht,  daß  es  außerordentlich
  wichtig  ist,  daß  die  Sowjets,  die  den  vier  im  Auslande  befindlichen
Delegiert:n  Vollmachten  erteilt  haben,  diesen  Delegierten  jetzt  zu  verstehen

5