Haltung Friedrich Wilhelms. 233
reicht, zu erlangen; aber ebenso sicher war es auch, daß diese Zustimmung
jedenfalls bei den vier Königen nur eine durch die Furcht vor der Revolution
abgezwungene sein würde. Der König hatte schon bei seinen Unterredungen
mit Gagern im November und in seinen Briefen an Bunsen nicht den geringsten
Zweifel darüber gelassen, daß er eine solche erzwungene Zustimmung
nicht als vollgültig betrachten wolle und könne. Es erschien ihm geradezu
als erpresserisch, daß seine Regierung zögerte, die armen Könige aus ihrer
Notlage zu befreien. Jedes neue Ereignis bestärkte ihn in seinen Befürchtungen.
Junächst die Erklärung jener 28 Regierungen, daß sie die Verfassung
unverändert annähmen; wenn Preußen dazu schwieg, so schien die Deutung
sehr naheliegend, daß es diesen Schrikt billige und geneigt sei, den engeren
Bundesstagt auf Grund dieser Verfassung ins Leben zu rufen. Der König
wünschte eine kategorische Antwort, welche die „wahrscheinlich notwendig
werdende noch kategorischere an die Paulskirche“ vorbereiten solle.: Anstatt
dessen erfolgte die Note Camphausens, die den zögernden Regierungen die
Pistole auf die Brust setzte. Oazu kam endlich das Vorgehen der preußischen
zweiten Kammer, die eben über einen Antrag beriek, der den König zur Annahme
der Oberhaupkswürde und der Verfassung auffordern, ja diese trotz
der mangelnden Justimmung der größeren Regierungen für rechtsgültig
und allgemein verbindlich erklären sollte.s Auf diese Aktion der Volksvertretung
setzte Camphausen große Hoffnung; man wollte dadurch den König
einschüchtern, das Ministerium bei der Stange halten und womöglich den
1 Osterreich hatte sofort nach Empfang der Antwort vom 3. April dem Könige gedankt
für die „laute Betätigung der Grundsätze des Rechts“ aus seinem Munde, zugleich aber
erklärt, daß es an dem alten Bunde festhalte und die verlockende Aussicht hinzugefügt, daß
es den beiden Großmächten, sobald sie unter sich einig seien, ein Leichtes sein werde, die
nötigen Reformen durchzusetzen (Erlaß v. 5. April Beil. 74). — Nach Empfang der
Zirkularnote v. 3. April änderte allerdings Schwarzenberg seinen Ton; er erklärte, daß
OÖfterreich sich einer von einem anderen deutschen Fürsten geleiteten gentralgewalt nie unterordnen
werde, die Nationalversammlung als nicht mehr eristierend betrachte und gegen alle
aus den Verhandlungen Preußens mit einzelnen Regierungen etwa hervorgehenden Beschlüsse
im voraus prokestiere (Note v. 8. April, Roth u. Merck 2, 475f.).
: An Arnim 77. April, Meinecke 226.
* Schon unmittelbar nach dem Bekanntwerden der Antwort vom 3. April setzte in der
Kammer eine heftige Agitation für eine neue Adresse an den König ein, die ihn zu einem
anderen Verhalten auffordern sollte. Vincke wollte den Antrag einbringen, Otto Camphausen
arbeitete scharf dagegen, weil er fürchtete, man werde den König dadurch zur Abdankung
treiben (an s. Bruder s. April. In dem Auszuge Caspary zoo muß es heißen: „daß nur
wenige die Tragweite einer solchen zweiten Adresse übersahen und sich vergegenwärtigten,
wie im glücklichsten Falle die Abdikation des Königs unvermeidlich gewesen wäre“). Die
andere Möglichkeit einer neuen Kammerauflösung scheint er gar nicht in Betracht gezogen
zu haben; so sehr überschätzte die Kammer immer noch ihre tatsächliche Macht.