198 8. Der Smveftiturftreit. Die Kaifer aus dem jalisch-fränfiichen Haus.
beim verlegt, und dahin brachte der Bischof Gebhard von Speyer,
in deijen Gemwahrjam fich der Kailer befand, die Nachricht, Dieter
jei bereit abzudanfen und feine Nechte an jeinen Sohn abzutreten.
Mit allen Mitteln, die eine feindjelige Bartei ohne Treu und
Slauben zur Berfügung hat, jo fcheint eg, wurde diefes Zugeftändnis
dem unglüdlichen Kater abgendtigt. Einige Tage darauf, Januar
1106, Huldigten die Fürlten zu Mainz Heinrih V. In deren
VBerfammlung nach Ingelheim gebracht, befannte fich der Sailer
aller ihm vorgehaltenen Sünden für jchuldig und erwartete num
die Lölung von dem fchwer auf feiner Seele laftenden Bann.
Allen was zu Canofjja ein hHerzlofer PBapjt dem Büßer hatte
gewähren müfjen, fand er hier nicht. Die päpftlichen Legaten
erklärten feine Vollmacht zu haben. Man ftieß auch bier auf
den harten und gefühllofen Stein, den fie den Fellen Petri
nannten, und ungelöjt verließ Heinrich diefen Aufenthalt der Bein.
Er fand zunädhit ber dem Bilchof Dtbert von Lüttich eine reitatt.
Noch aber war er eine Macht: ein VBerfuch des Königs,
ihn von Dort, wo feine Anhänger fih um ihn Jammelten, zu vertreiben
oder in feine Gewalt zu bringen, fcheiterte, März 1106, er
mußte iiber die Maas zurüd. Und nun lebte die faiferliche Partei
wieder auf, die Städte am Nhein überhaupt regten fich für den
Kaifer, Köln verihloß dem König feine Tore, und jener fchiekte fich
an, für die Sache, deren Märtyrer er var, für daS Necht des Kaifertums,
der weltlichen Gewalt des Staates, noch einmal ins Feld zu
rücden, al3 er am 7. Yuguft 1106 zu Lüttich von einer Krankheit Hinweggerafit
wurde. Er tat diefer Sache noch einen Dienst, indem er
Ring und Schwert jeinem Sohn überbringen hieß, dem er jebt Die
Aufgabe, das erbliche Königtum und feine Nechte zu wahren, überlaffen
mußte, und der energifcher und glücklicher, al3 man hätte
erwarten dürfen, diefe Aufgabe anfallen und durchführen jollte,
Der Leichnam des außerhalb der Gemeinschaft der Kirche Geftorbenen
fand — faft ist überflüffig e8 zu bemerfen — auch im Grab feine
Nude. Im Lüttich feierlich beftattet, wurde er auf Befehl des päpjtlichen
Legaten wieder ausgegraben und der Sarg in einer un-