Metadata : Bismarck und das päpstliche Rom.

Bismarck  und  der  Vatikan  im
Winter  1870/71

Pius  erbittet  Schutz  bei  Bismarck

Drei  Wochen  nach  Sedan  waren  die  Italiener  in  Rom
eingezogen.  Wie  indes  Viktor  Emanuel  nur  zu  bereit  gewesen
war,  an  der  Seite  Napoleons  III,  gegen  den  Sieger  von  Königgrätz
  zu  Felde  zu  ziehen,  dem  er  trotz  der  Niederlagen  von
Custozza  und  Lissa  Venedig  verdankte,  so  schlug  sich  jetzt
jener  Garibaldi,  der  kein  höheres  Ziel  gekannt  hatte  als  Rom,
mit  seinen  Rotjacken  zu  den  Franzosen.  Die  hierdurch  hervorgerufene
  Mißstimmung  Bismarcks  gegen  die  Italiener  brachte
ihn  dem  Vatikan  so  nahe,  daß  Pius  IX.  um  seinen  Schutz  einkam.
  Bismarck  sollte  in  Florenz,  damals  noch  die  Residenz
des  Königs  von  Italien,  seinen  Einfluß  geltend  machen,  damit
von  dort  einer  eventuellen  Abreise  Seiner  Heiligkeit  aus  Rom
kein  Hindernis  in  den  Weg  gelegt  werde.  Auf  die  Anfrage
des  Kardinal  Staatssekretärs  Antonelli  entgegnete  Bismarck,
durch  einen  telegraphischen  Erlaß  an  den  preußischen  Gesandten
in  Florenz,  von  Versailles  aus  (8.  Oktober  1870):

„Kardinal  Antonelli  hat  denj  königlichen  Gesandten  (v.  Arnim)
gefragt,  ob  der  Papst,  falls  er  Rom  verlassen  wolle,  auf  die,  Unterstützung
Sr.  Majestät  dafür  rechnen  könne,  daß  man  ihn  ungehindert  und  in  schicklicher
  Form  abreisen  lasse.  Se.  Majestät  der  König  haben  befohlen,  diese
Frage  bejahend  zu  beantworten.  Allerhöchstderselbe  ist  überzeugt,  daß
die  Freiheit  und  Würde  des  Papstes  von  der  italienischen  Regierung  unter
allen  Umständen  und  auch  dann  geachtet  werden  wird,  wenn  der  Papst
wider  Erwarten  eine  Verlegung  seiner  Residenz  beabsichtigen?  sollte.  Der
König  beauftragt  Ew.  Exzellenz,  diese  Hoffnung  auszusprechen.  Se.  Majestät
  der  König  hält  den  Norddeutschen  Bund  nicht  für  berufen  zu  unaufgeforderter
  Einmischung  in  die  politischen  Verhältnisse  andrer  Länder,
glaubt  aber,  den  norddeutschen  Katholiken  gegenüber  zur  Beteiligung  an
der  Fürsorge  für  die  Würde  und  Unabhängigkeit  des  Oberhauptes  def
katholischen  Kirche  verpflichtet  zu  sein.“