404
lebten die Kämpfe, die während der heißen Sommermonate mehr
oder weniger geruht hatten, wieder auf. Die Franzosen griffen westlich
des Drespa-, Wlalik= und Ochridasees an, in den Gebieten der
albanischen Berge, des oberen Devoli und Skumbi, und gelangten
bis zur Mokra Hlanina, konnten aber ihre Absicht, westlich um den
Ochridasee herum in die Kämpfe bei Monastir einzugreifen und die
feindliche Front vom rechten Flügel her aufzurollen, angesichts des
gegnerischen Widerstandes nicht durchfülren. Es kam zwar zu endlosen
Gefechten, diese aber schliefen gegen Ende des Jahres ein, ohne
etwas zu erreichen, obgleich die Stärke der Orient-Armee durch Hinzutritt
der Griechen um schließlich 200000 Mann erhöht wurde.
Der General Sarrail war offenbar der Sache nicht gewachksen und
wurde am 24. Dezember 1917 durch den tatkräftigen General Franchet
d'Espérey ersetzt. So wirkte die Grient-Armee wie eine fortwährende
Drohung auf die Lage der Deutschen, und nur wenige vollständig
zuverlässige Truppen, höhere Stäbe und einzelne kleinere Truppenverbände,
standen an Ort und Stelle bereit, sie zu beschwören.
Weniger günstig noch lagen die Derhältnisse zur See und auf
den außereuropäischen Kampfplätzen.
Die Marine hatte die hohe Versenkungsziffer des Monats Juni
nicht aufrecht erhalten können. Im Juli wurden 811000, im August
808 000, im September 672000, im Oktober 674000, im November
607 O00 und im Dezember 1014 702000 Tonnen an Schiffsraum
versenkt. An ein rasches Miederwerfen des Feindes durch das Mittel
des U-Boot--Krieges war nicht mehr zu denken. Ja, durch ihn
wurden nicht einmal die Amerikaner verhindert, nach Europa herüberzukommen.
Schon im Juni Llolk traf die erste amerikanische Division
— allerdings nur zum Seichen kommender Ereignisse — ein, die
folgenden derart, daß bei Beginn der Operationen im März 1018
bereits fünf amerikanische Divisionen mit einer Kopfstärke von
4000 Mann ohne Etappentruppen in Frankreich waren. Die
Ursachen, die die Marine zu ihrer Voraussage veranlaßte, die allerdings
für Ende 1915 gelten sollte, sind noch nicht aufgeklärt. Es.
scheint jedoch einerseits eine Unterschätzung der Welttonnage und der
RNeubauten in Amerika und England vorzuliegen, andererseits hatte
die Entente die Abwehrmittel sehr vervollkommnet, und England war
während der langen Jahre des deutschen Sauderns genügend mit
Lebensmitteln und Rohstoffen versehen worden, um sich in höherem
Grade wie früher von der Einfuhr unabhängig zu machen. Auch
wurde von ihm die neutrale Tonnage in weit rücksichtsloserer Weise
in Anspruch genommen, als man vorausgesetzt hatte. Sie wurde einfach
mit Gewalt beschlagnahmt. Kurz, auf eine entscheidende Wirkung
des U-Boot-Krieges war in absehbarer Zeit jedenfalls nicht
mehr zu rechnen; sie würde wahrscheinlich schon viel früher eingetreten
sein, wenn man den U-Boct-Krieg früher begonnen, früber
alle Anstrengungen auf den Zau von U-Booten gerichtet hätte.