Volltext : Archiv für öffentliches Recht.Vierter Band. (4)

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Georg  Meyer,  ordentl.  Professor  der  Rechte  an  der  Universität  Jena.  Die
staatsrechtliche  Stellung  der  deutschen  Schutzgebiete.
Leipzig,  Verlag  von  Duncker  und  Humblot.  1888.  233  S.

An  den  Erlass  des  Reichsgesetzes  betr.  die  Rechtsverhältnisse  der  deutschen
  Schutzgebiete  vom  17.  April  1886  hat  sich  eine  schon  ziemlich  umfangreiche
  juristische  Literatur  geknüpft,  deren  hauptsächlichste  Erscheinungen
in  der  Einleitung  des  vorliegenden  Werkes  angegeben  sind.  Dieses  selbst  ist
erst  nach  der  Publikation  des  das  eben  genannte  abändernden  Gesetzes  vom
15.  März  1888  erschienen  und  berücksichtigt  dasselbe  in  eingehendster  Weise.
Im  Uebrigen  verdient  an  dieser  Stelle  hervorgehoben  zu  werden,  dass  auch
K.  v.  STENGEL  seine  im  Jahrgange  1887  der  „Annalen  des  Deutschen  Reiches“
erschienene  Darstellung  des  deutschen  Colonialstaatsrechts  einer  völligen  Umarbeitung
  im  Anschluss  an  die  Novelle  von  1888  unterzogen  hat  und  dabei
durch  die  hier  interessirende  Schrift  zu  einigen  Modifikationen  seiner  früheren
Ansichten  veranlasst  worden  ist  (vgl.  Annalen  1889,  S.  1  bis  211).

Der  Verfasser  stellt  sich  die  Aufgabe,  die  allgemeinen  staatsrechtlichen
Beziehungen  der  deutschen  Schutzgebiete  zum  Reiche  zu  entwickeln.  Eine
eingehende  Darstellung  des  in  denselben  geltenden  Privat-,  Straf-  und
Processrechts  will  er  ebensowenig  geben,  wie  eine  detaillirte  Erörterung  der
einzelnen  für  sie  erlassenen  Verordnungen.  Demgemäss  giebt  G.  Meyer  zunächst
  einen  historischen  Ueberblick  über  die  Erwerbung  der  deutschen  Schutzgebiete.
  Die  hierbei  angeführten  Daten  beruhen  zum  Theil  auf  Mittheilungen
aus  den  Akten  des  Auswärtigen  Amts  und  machen  dadurch  auf  unbedingte
Zuverlässigkeit  Anspruch.

Als  Erwerbstitel  wird  die  Occupation  hingestellt,  soweit  es  sich  um  die
völkerrechtliche  Rechtmässigkeit  des  Erwerbes  handelt.  Mit  Bezug
darauf  mache  es  keinen  Unterschied,  ob  unbewohntes  oder  das  Gebiet
halbeivilisirter  Stämme  in  Besitz  genommen  werde,  bei  denen  sich  eine,  wenn
auch  unvollkommene  staatliche  Organisation  finde.  Denn  vom  Standpunkte
der  völkerrechtlichen  Gemeinschaft  seien  auch  die  letzteren  Gebiete  res
nullius,  also  der  Occupation  durch  jeden  civilisirtten  Staat  unterworfen.
Trotzdem  aber  seien  die  mit  den  Häuptlingen  abgeschlossenen  Verträge  nicht
bedeutungslos,  da  sie  den  Eingeborenen  gegenüber  den  Erwerb  der  Oberhoheit
  zu  einem  rechtmässigen  machen,  den  anderen  civilisirten  Mächten
gegenüber  dagegen  ein  Vorzugsrecht  hinsichtlich  der  Occupation  begründen.
Dieser  letztere  Punkt  ist,  nachdem  für  sämmtliche  deutsche  Schutzgebiete  die
Uebernahme  der  Schutzgewalt  proclamirt  ist,  von  besonderer  Bedeutung  für
das  Wituland.  In  allen  übrigen  Gebieten  ist  auch  dem  zweiten  Erfordernisse
der  völkerrechtlichen  Occupation,  thatsächlich  Besitz  zu  ergreifen,  durch  Einsetzung
  von  Obrigkeiten  Genüge  geleistet.  Auf  Witu  aber  hat  das  Reich
durch  die  Erklärung  seines  Occupationswillens,  der  sich  auf  das  vom  Sultan
gestellte  und  vom  Kaiser  angenommene  Schutzgesuch  gründet,  einen  unbestrittenen
  Rechtsanspruch  gegenüber  allen  dritten  Staaten  erworben.  Denn