Full text : Lehrbuch der Geburtshülfe für die Preußischen Hebammen.

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Beschaffenheit  von  dem  Schleime  der  Scheide,  wie  vom  Urine  unterscheider,
  ist  eine  Absonderung  der  erkrankten  Siebhaut,  zwischen
  deren  Blättern  sie  sich  in  einer  gewissen  Menge  ansammeln
kann,  bis  sie  unter  den  genannten  Erscheinungen  ausgetrieben  wird.
Ist  die  Absonderung  sehr  reichlich,  so  schwächt  sie  natürlich  die  Frauen.
Oesters  tritt  die  Geburt  vorzeitig  ein.  Die  Hebamme  hat  bei
solchen  Ausflüssen  den  Schwangeren  große  Schonung  zu  empfehlen
und  Vermeidung  aller  Schädlichkeiten,  welche  eine  Abtrennung  des
Eies  bewirken  können  (s.  o.  8.  160.),  im  Uebrigen  aber  sie  an  einen
Arzt  zu  verweisen.

F.  188.

In  anderen  Fällen  stellen  sich  vom  3.  bis  4.  Monate  der
Schwangerschaft  ab  häufige  und  meist  sehr  reichliche,  wässrigblutige
  Ausscheidungen  aus  den  Geschlechtstheilen  ein,  zu  denen
  sich  auch  dann  reine  Blutungen  gesellen.  Diese  Ausscheidungen
hängen  gewohnlich  mit  einer  Entartung  des  Eies  zusammen,  bei
welcher  sich  nach  dem  Absterben  der  Frucht  die  Zotten  der  Zottenhaut
  in  hirsekorn=  bis  bohnengroße,  mit  einer  schleimigen  Flüssigkeit
gefüllte  Blasen  verwandeln,  die  durch  dünne  Stiele  rosenkranzartig
oder  traubenförmig  mit  einander  verbunden  sind.  Ein  so  entametes
Ei  wird  eine  Blasen=  oder  Traubenmole  genannt.  Es  stellt
eine  unförmliche,  weiche  Masse  dar,  von  der  Größe  eines  Kindes:
kopfes  und  darüber,  die  entweder  ganz  aus  solchen  Bläschen  besteht,
oder  von  festeren,  derberen  Massen,  geronnenem  Blute  durchsetzt,
öfters  auch  ganz,  oder  auf  einer  Seite  von  geschichteten  und  in  verschiedenem
  Grade  enrfärbten  Blutgerinnseln  umhüllt  ist.  Von  der
Frucht  findet  man  gewöhnlich  keine  Spur  mehr,  oder  höchstens  verkümmerte
  Reste.  Mit  Sicherheit  ist  diese  Entartung  des  Eies  nur
zu  erkennen,  wenn  entweder  Blasen  abgehen,  oder  deutlich  in  dem
geöffneten  Muttermunde  gefühlt  werden  können.  Wohl  aber  kann
die  Hebamme  sie  mit  einiger  Wahrscheinlichkeit  vermuthen,  wenn  bei
den  geschilderten  Ausflüssen  der  Umfang  der  Gebärmutter  ungewöhnlich
  schnell  zunimmt,  was  theils  in  dem  raschen  Wachsthume  der
Blasen,  theils  in  inneren  Blutungen  seinen  Grund  hat,  und  wenn,
nachdem  die  Schwangerschaft  bis  in  die  zweite  Hälfte  vorgeschritten