— 22 —
kein Wohlgefallen an den Rohheiten des alten Schlemmers gefunden haben
kann, der sich in den damals üblichen Ausschweifungen der Tafel nur zu sehr
gefiel. Auch wird erzählt, daß der Vertraute die Neigung seines Fuͤrsten auf
andere Gegenstände habe lenken wollen, angeblich um dem Lande die bedeutenden
prinzlichen Apanagen zu ersparen, welche die fruchtbare Ehe des Kurfürsten
dem Lande aufzubürden drohte.
In der Mark, in Pommern, in den Bisthümern, ja selbst im Clevischen,
wurden die Stände ohne Mühe zur Nachgiebigkeit gezwungen, größere Schwierigkeiten
machte dies in Preußen. So lange die Lehnsabhängigkeit von Polen
gewährt hatte, war auch der landesherrliche Einfluß im Herzogthum gar sehr
beschränkt. Bei jedem Competenzstreit drohte man mit Berufung nach Warschau,
und hier war die Intrigue stets geschäftig, dem Kurfürsten in seinen
Regierungsmaßregeln hinderlich entgegenzutreten. Schon aus diesem Grunde
mußte er die Lösung des lästigen Bandes wünschen.
Der polnische Krieg und der Vertrag von Welau hatten Friedrich Wilhelm
nicht nur von diesem Hinderniß befreit, sondern er war auch durch seinen
kriegerischen Ruhm, so wie durch seine bedeutende Truppenmacht, den großen
Monarchen, mit welchen er gekämpft hatte, als ebenbürtig an die Seite getreten.
Den kühn errungenen Platz wollte er natürlich behaupten, und wie hätte er
dies vermocht, wenn er nicht über die verhältnißmäßig schon so geringen materiellen
Kräfte seiner Herrschaft ohne Einspruch und Widerstand verfügen konnte!
Während des Krieges selbst hatte er ziemlich ungehindert seinen Willen
zur Geltung gebracht. Schon zur Zeit des Königsberger Vertrages berief er eine
geringe Anzahl von Abgeordneten, und verlangte, daß sie sich mit unbeschränkter
Vollmacht versehen lassen sollten, um sofort, während eines Zeitraumes von
drei Wochen über die landesherrlichen Vorlagen zu berathen. Das unterdessen
mit den Schweden eingegangene Bündniß erwähnte er nur obenhin, ohne irgend
eine Mittheilung über die Bedingungen zu machen; dagegen forderte er die
Einführung der Aceise zur Herbeischaffung der nöthigen Vertheidigungsmittel
für das Land. Hierbei fand er zwar große Schwierigkeiten, setzte aber dennoch
seine Forderung durch.
Als sich bald darauf auswies, daß die Aceise zu dem angegebenen Zweck
nicht ausreichte, wurde nicht nur eine neue Contribution trotz alles Widerspruches
durchgesetzt, sondern auch mit militärischer Strenge eingetrieben. Da der
Kurfürst mit 20,000 Mann das Land besetzt hielt, so war an Widerstand nicht
zu denken, auch wurden die kurz zuvor noch so dreisten Stände von ihrem
hochfahrenden Tone so weit herabgestimmt, daß sie nur um Abhülfe der immer
mehr überhandnehmenden Gewaltthätigkeiten baten, und bescheiden an ihre herkömmlichen
Rechte erinnerten. Die verschiedenen schon oben erwähnten wichtigen,
das Land in seinen innersten Verhältnissen berührenden Verträge wurden ebenfalls
ohne alle Mittheilung an die Stände des Herzogthums abgeschlossen, durchaus
gegen das alte Herkommen, allein hinlänglich gerechtfertigt durch die Lage