Die General- Instruction. 99
Neben diesen Anordnungen ist die reichste Fülle kurfürstlicher
Gnaden, Zuwendungen, neuer Privilegien, Geschenke, Concessionen,
extraordinärer Subsidien — neben dem Observatorium ein Laboatorium,
Bibliothek, Museum, Raritätenkammer, Theatrum naturae
et artis, die Lieferung rarer Thiere und Gewächse u. s. w. — verheissen.
Auch werden Belohnungen und Beförderungen besonders
verdieuter Mitglieder, sowie die Austheilung von Medaillen für hervorragende
Leistungen verlieissen. Aber freilich — nichts von dem
allen ist in greifbare Gestalt gebracht. In dieser Hinsicht bleibt
es lediglich bei dem Kalender-Privileg und den daraus zu erwartenden
Einkünften. Alles Übrige wurde für eine unbestimmte Zukunft
versprochen.
Auf dem Papier waren die Aufgaben der Societät festgestellt’, und
sie selbst formell eingesetzt; nun galt es sie wirklich einzurichten.
Bis dahin sollte auch der öffentliche feierliche Act der Inauguration
verschoben werden. Lediglich eine Medaille mit dem erwählten
Siegel der Societät” und dem Bildnisse des Kurfürsten wurde zur
deuten, als auch auf dieselben Länder, wo dieser Kalender gebräuchlich. Es erscheinet
in der Luft das Gestirn, der Adler benamet, unter welchem die Länder
Preussen und Brandenburg gelegen, welche Länder hier durch einen geharnischten
Mann, den Septentrion vorstellend, bemerket sind. Dieses noch deutlicher zu machen,
ist neben ihm ein Adler, das Wappen dieser Länder, als auch sonderlich die beiden
Hauptstädte Königsberg und Berlin lhiebei gebracht. Hierüber befindet sich die
Musa Urania. welcher Verrichtungen sind. den Himmels-Lauf zu betrachten und
die Gedäclitnisse der berühmten Leute unter die Gestirne zu verzeichnen. wie sie
hier den Namen S. Königl. Maj. erhebet und solchen mit ihrer Krone von Sternen
bekrönet. Unter einigen astrologischen Instrumenten, so hiebei liegen. ist auclı
sonderlich der hiesige Kalender zu sehen, endlich ist auclı das Berlinische Observatorium.
welches von S. Königl. Maj. gestiftet, in der Ferne zu erkennen«.
! Die Philosophie findet man nicht unter ihnen; die alte aristotelische xehörte
den Universitäten, und man wollte sie nicht; eine neue neben Mathematik
und Physik als besonderer Zweig war noch nicht entwickelt oder war doch noch
nicht anerkannt. Erst Leisxizens Schüler brachten eine neue Philosophie in Gang.
Er selbst, der grosse Metaphysiker. war ein realistischer und praktischer Denker;
er fürchtete ınit Recht. dass eine besondere philosophische Klasse sich in unfruchtbare
Speculationen, wie die früheren Zeiten sie getrieben. verlieren würde. Die
»Philosophie« sollte sich in der Gesammtarbeit der Societät darstellen und aus
ihr hervorgehen. Treffend hat über diesen Punkt Barrnorness (llist. philos. de
l’Acad. de Prusse, 1.T. p.29 ff.) gehandelt: »Le seul travail philosophique auquel
une academie doive se livrer, si l’on en croit LEisxız, consiste a montrer, de temps
en teınps, lintimme liaison de toutes les branches du savoir humain«.
? Sie führt dieses Siegel noch heute. den zu den Sternen auffliegenden
Adler. ınit der Umschrift: »Cognata ad sidera tendit«. Das Siegel und ein lateinisches
Gedicht auf die Medaille stammen von Leiexız, s. Urkundenband Nr.531. Aus
einem Brief D. E. JagLonskı's an Leisxız (Hannov. Bibliothek) vom 17. September
1700 geht hervor. dass das Siegel im September hergestellt sein sollte, aus späte-7*