Full text : Die Reichskriegsflagge.

Die  Reichskriegsflagge

Bei  offiziellen  Besuchen  des  Kaisers  bei  einer  Heereseinheit  oder  bei  Paraden
  zu  besonderen  Anlässen  (Kaisers  Geburtstag,  Siegesfeiern)  konnte
die  Reichskriegsflagge  neben  den  Truppenfahnen  gezeigt  werden,  um  die
Verbindung  der  Einheit  zur  obersten  Kommandogewalt  zu  demonstrieren.


Warum  war  es  dennoch  ein  „No-Go“  für  die  normale  Infanterie?
Für  ein  „normales“  bayerisches  oder  sächsisches  Infanterie-Regiment  im
Feld  wäre  das  Führen  der  Reichskriegsflagge  anstelle  der  eigenen  Truppenfahne
  ein  undenkbarer  Affront  gewesen  aus  folgenden  Gründen:

1.  Verletzung  der  Tradition:  Die  Truppenfahne  war  das  „Heiligtum“
des  Regiments,  mit  dem  es  durch  Blut  und  Eid  verbunden  war.  Sie  zu
ersetzen,  hätte  die  Moral  und  den  Korpsgeist  zerstört.

2.  Politische  Brisanz:  Besonders  für  Bayern  wäre  dies  als  Angriff  auf
seine  verbliebene  Souveränität  und  seine  Militärhoheit  gewertet  worden.
  Es  hätte  massive  politische  Konflikte  ausgelöst.

3.  Fehlende  Rechtsgrundlage:  Es  gab  keine  Order  oder  kein  Gesetz,  das
das  Führen  der  Reichskriegsflagge  durch  die  Kontingentstruppen  des
Heeres  vorsah.

Fazit

Man  kann  es  so  zusammenfassen:

—  Für  das  mobile  Feldheer  im  Einsatz:  Ja,  ein  No-Go.  Die  Identität
lag  bei  der  Fahne  des  Bundesstaates.

—  Für  die  oberste  Kommandogewalt  und  reichsunmittelbare  Einrichtungen:
  Ja,  absolut  üblich  und  vorgesehen.  Die  Reichskriegsflagge  war
das  Symbol  des  Kaisers  als  Oberbefehlshaber,  nicht  des  „einfachen“
Soldaten.

Die  Reichskriegsflagge  an  Land  markierte  somit  immer  einen  reichsweiten,
  kaiserlichen  Hoheitsakt  und  nicht  die  Zugehörigkeit  zu  einer  bestimmten
  Heereseinheit.  Sie  war  das  Symbol  der  zentralen  Führungsebe-15