Metadata : Geschichte der Hohenzollern.

allen  Berlust,  welchen  Dero  treue  Unterthanen  und  Vasallen  von  dem  Feinde
leiden  würden,  allergnädigst  erstatten  wollten.“

Derselbe  Berichterstatter  sagt,  als  er  nach  der  Schlacht  auf  seine  Güter
zurückkam:  „Ich  fand  fie  völlig  ausgeplündert,  zerstört  und  verwüstet.  Alles
Vieh  und  Ackergeräth,  alles  stehende  und  liegende  Getreide  war  weg,  alle  Möbel
in  den  Gebäuden  zerhauen,  und  alle  Schlösser  sogar  an  den  Thüren  nebst  den
Hespen  abgebrochen.  Die  Unterthanen,  an  die  48  Familien,  hatten  sich  verlaufen;
  kurz,  meine  Besitzungen  waren  gänzlich  verödet,  und  das  Dorf  Zantach
verbrannt  worden.  Für  die  Ernte  von  1759  konnte  wenig  vorbereitet  werden,
und  was  dann  bis  1760  zur  Wiederherstellung  der  Wirthschaft  geschah,  das
vernichtete  die  abermalige  Kantonnirung  bei  dem  Zuge  nach  Berlin  aufs  Neue.“

Aehnlich  lauten  alle  übrigen  Berichte.  Wer  mag  es  daher  dem  Könige
verdenken,  wenn  er  mit  dem  tiefsten  Unwillen  auf  einen  solchen  Feind  blickte,
und  mitunter  gegen  denselben  seine  sonstige  Humanität  vergaß.  Als  vor  der
Schlacht  seine  Husaren  ihm  eine  Anzahl  gefangener  Kosaken  einbrachten,  welche
in  ihrer  zerlumpten  äußeren  Erscheinung  allerdings  nicht  den  Eindruck  europäischer
Soldaten  einflößten,  äußerte  er  in  verächtlichem  Tone  zu  seiner  Umgebung:
„Mit  solchem  Gesindel  muß  ich  mich  herumschlagen.“  Auch  gegen  die  gefangenen
Generale  machte  sich  diese  Stimmung  des  Königs  geltend:  „Ich  habe  kein
Sibirien,“  rief  er  ihnen  zu,  „wohin  ich  Sie  schicken  könnte;  Sie  sollen  in  die
Casematten  von  Küstrin  gesteckt  werden,  haben  Sie  Sich  gute  Quartiere  zubereitet,
  so  mögen  Sie  solche  auch  nun  beziehen.“  Als  sie  sich  hierüber  beklagten,
bemerkte  man  ihnen  triftig  genug,  daß  fie  ja  kein  Haus  übrig  gelassen  hätten,
wo  sie  untergebracht  werden  könnten.  Später  jedoch  erlaubte  man  ihnen,  ihre
Wohnung  in  der  unversehrt  gebliebenen  Vorstadt  von  Küstrin  zu  nehmen.

Während  so  zwei  Provinzen  seines  Reiches  auf  lange  Zeit  hin  zu  Grunde
gerichtet  wurden,  befand  sich  Preußen,  welches  auch  nach  der  Schlacht  von
Zorndorf  in  den  Händen  der  Russen  blieb,  verhältnißmäßig  wohl,  ja  es  blieb
nicht  nur  von  allen  ferneren  Kriegsdrangsalen  befreit,  sondern  hatte  sogar  durch
den  Aufenthalt  des  russischen  Heeres  manchen  Vortheil.  Die  Kaiserin  Elisabeth
sah  Preußen  als  ihr  bleibendes  Besitzthum  an,  und  behandelte  die  Einwohner
deshalb  wie  ihre  eigenen  Unterthanen.  Durch  die  Lieferungen  für  ein  so  bedeutendes
  Heer  in  einem  mehrjährigen  Kriege  erwarben  viele  Privatleute  bedeutendes
Vermögen,  und  Wohlhabenheit  verbreitete  sich  unter  den  arbeitenden  Klassen,
da  während  der  langen  Winterquartiere  der  größte  Theil  von  der  gemachten
Kriegsbeute  verzehrt  wurde.  Die  vornehmen  Russen  gaben  glänzende  Feste,  zu
welchen  alle,  die  einigermaßen  auf  Bildung  Anspruch  machen  durften,  eingeladen
  wurden.  Freilich  wurde  hierdurch  auch  der  Hang  zum  Luxrus  und  zum
Wohlleben  befördert  und  der  Grund  zu  manchen  übeln  Folgen  gelegt.

Andererseits  fehlte  es  auch  nicht  an  Patrioten  in  Preußen,  die  sich  mit
der  größten  Gefahr  für  Person  und  Vermögen  der  Gemeinschaft  mit  den  Russen
entzogen  und  ihrem  Landesfürsten  unverbrüchlich  treu  blieben;  überdies  befand