Full text : Dr. J. Milbiller's kurzgefasste Geschichte des Königreichs Bayern.

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nur  der  alte  Welf  sich  seines  Anspruches  auf  das  Herzogthum  nicht
im  Geringsten  begeben  hatte,  sondern  auch  ein  Sohn  Heinrichs
des  Großmüthigen  oder  des  Stolzen,  Heinrich  der  Löwe,  übrig
  war,  der  ein  gegründetes  Recht  zu  diesem  väterlichen  Erbtheile
hatte,  so  suchte  der  Kaiser  seiner  Verfügung  dadurch  einen  Schein
des  Rechts  zu  verschaffen,  daß  er  eine  Heirath  zwischen  dem  neuen
Herzog  Heinrich  XI.,  oder  Jasomirgott,  und  Gertrud,  der  Wittwe
Heinrichs  des  Großmüthigen,  oder  Stolzen,  zu  Stande  brachte.
Ihr  noch  unerfahrner,  siebenzehnjähriger  Sohn,  Heinrich  der  Lö—
we,  mußte  bei  dieser  Gelegenbeit  auf  Bayern  Verzicht  thun,  und
seine  Mutter  Gertrud  dieses  Land  ihrem  neuen  Gemahle  zubringen.
  Dafür  versprach  der  Kaiser,  Heinrich  den  Löwen  mit  dem
Herzogthume  Sachsen  zu  belehnen;  denn  daselbst  hatte  ohnehin
Albrecht  der  Bär  noch  bei  Lebzeiten  Heinrichs  des  Großmüthigen
und  auch  nach  dessen  Tode  nie  aufkommen  können,  indem  die
Stände  dem  welfischen  Hause  mit  unerschütterter  Treue  ergeben
waren.
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Unmöglich  konnte  der  alte  Welf  eine  solche  Vernichtung  der
Gerechtsame  des  welfischen  Hauses  gleichgültig  ansehen.  Er  griff
auf's  Neue  zu  den  Waffen,  und  ein  ganzes  Jahr  bindurch  konnte
Heinrich  XI.  nicht  zum  Besitze  von  Bayern  gelangen.  Der  Kaiser
führte  ihm  endlich  ein  mächtiges  Heer  zu;  durch  dieses  verstärkt,
errang  Heinrich  die  Oberhand  über  den  Welfen,  und  setzte  sich  in  den
Besitz  des  Herzogthums.  Aber  von  dieser  Zeit  an  hatte  die  gegenseitige
  Erbitterung  der  Welfen  und  Waiblinger,  oder  Gbibellineu
  (so  wurden  die  Hohenstaufen  von  ihrem  Stammschloß  Waiblingen
  in  Schwaben  genannt)  keine  Grenzen  mehr,  und  viele  Jahre
lang  wüthete  der  Krieg  zwischen  Beiden  nicht  nur  in  Bapern,  sondern
auch  in  vielen  andern  Ländern  in  und  außer  Deutschland;  denn  auch
viele  auswärtige  Fürsten  nahmen  als  Bundesgenossen  dieser  oder
jener  Parthei  Theil  an  diesen  Händeln.  Der  durch  den  beiligen
Bernbard,  Abt  von  Clairvaux,  angeregte  Kreuzzug,  an  welchem  alle
Häupter  der  streitenden  Partheien  Untheil  nahmen,  machte  den  innern
  Kämpfen  ein  Ende.