Vorgeschichte des Krieges. 3
sich jetzt in schmachvollster Selbstvergessenheit unter die Geißel von
mehr als achtzehnhundert Tirannen, deren größter Theil nur eine
kümmerliche, lächerliche, schandvolle Existenz von dem Schweiße seiner
Unterthanen fristete, und so tief war das einst so herrliche Volk
gesunken, daß seine Völker kein Gefühl ihrer elenden Knechtschaft mehr
hatten, und daß seine Fürsten, ohne sich zu rühren, ruhig zusahen,
wie Städte und Länder des Reiches von räuberischen Nachbarn abge—
rissen, andere in wahrhaft viehischer Wuth verwüstet und verödet wur—
den. Die deutsche Weltherrschaft war eine Weltknechtschaft, und der
einst so stolze, gefürchtete deutsche Name war ein Spott der Völker geworden.
Und mitten in diesem wüsten Konglomerat tausender von Länd—
chen, die keiner gesunden Existenz fähig waren, erblicken wir ein
Fürstenhaus, welches mit unbegreiflicher Kühnheit, mit unerschöpflicher
Gewandtheit, mit niegebeugter urdeutscher Heldenkraft, mit rührender
Treue und Hochherzigkeit das Unmögliche vollenden will: das Bestreben
der Hohenzollern ist auf nichts Geringeres gerichtet, als den deutschen
Geist wieder zu wecken, den deutschen Namen wieder zu Ehren zu
bringen, die verlorene Stellung unter den Völkern mit dem Schwerte
wieder zu gewinnen! Vielleicht steht dem kühnen Geschlechte eine im—
posante Hausmacht zu Gebote, oder mächtige Verbündete zur Seite?
Ach nein, seine Besitzungen umfassen nur einen geringen Bruchtheil
des deutschen Volkes, und sie liegen in Fetzen zerstreut im Reiche um—
her, seine Feinde sind innerhalb und außerhalb Deutschlands zahlreich
wie der Sand am Meere, Freunde kennt es nicht.
Und doch faßt das edle Geschlecht kein Bangen und kein Verzagen,
immer wieder zieht es in den Kampf um das vorgesteckte Ziel,
der Sohn wie der Vater, der Enkel wie der Sohn, der Kampf nimmt
immer größere Verhältnisse an, jeder Schritt vorwärts weckt einen
neuen Feind, aber mit der Größe der Gefahr wächst der Muth und
der Geist der Hohenzollern, und wenn der Kampf auch jahraus jahrein
dauert, wenn fast ganz Europa gegen die kühn Aufstrebenden in
die Schranken tritt, schließlich besiegen die Hohenzollern jeden noch so
gewaltigen Widerstand, durch Eroberung und Unterhandlung fügen sie
ihren Besitzungen Ein deutsches Land nach dem andern hinzu, jedem
neu erworbenen Stamme wissen sie ihren hohen Geist, ihre gewaltige
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