Full text : Großherzoglich Sachsen Weimar-Eisenachisches Regierungs-Blatt aufs Jahr 1836. (20)

U

innen  zieren.
Briefbogen  damit  stempeln  oder  auch  sein
Wappen  durch  einen  Schlagpressenabdruck
auf  Brief  und  Kuvert  bringen  oder  den
Briefumschlag  zum  äusserlichen  Zeichen
seiner  Eigenart  mit  einem  Petschaft  oder
Ringe  versiegeln.  Für  Vereine  und  Genossenschaften
  eignen  sich  heraldischrichtige
  Wappen  in  geradezu  vorzüglicher
Weise,  und  für  Fahnen  bilden  sie  nicht
bloss  einen  dekorativen,  sondern  auclı  einen
geschmackvoll  wirkenden  Schmuck.  Und
wenn  endlich  einmal  die  Studentenverbindungen
  ihre  oft  nichtssagenden  oder
herzlicn  unbedeutenden  Korpswappen  in

ein  heraldisches  Gewand  kleiden  würden,
wäre  schon  viel  gewonnen.  Dem  deutschen

Kunstgewerbe  aber  stände  bei  seinem  hohen
Stande  gerade  hinsichtlichdesWappenwesens
ein  erfreulicher  Aufschwung  bevor,  wenn
sich  das  deutsche  Bürgertum  wieder  allgemein
  auf  sein  altes  gutes  Wappenrecht
besinnen  wollte,

Quellen:

Seyler,  Geschichte  der  Heraldik.

Hauptmann,  Wappenrecht.

v.  Kohlhagen,  Das  Wappenrecht  bürgerlicher
Personen  (Herald.-  Genealog.  Blätter  1907,  Nr.  1,
S.  6/7).

LGRt.  Pregizer,  Ueber  das  bürgerl.  Wappenrecht
  (ebenda  1908,  Nr.  1,  S.  4/5).

Ra.  Dr.  Oelenheinz,  Das  Wappenrecht  bürgerlicher
  Personen  (Monatsblatt  des  »Adlers«  1908,
VI.  Bd.  Nr.  27,  S.  234/235).

Dr.  Meyermann,  Göttinger  Hausmarken  und
Familienwappen,  1904.

Bürgerliche  Wannen  in  Celle.

Das  eine  Zierde  nicht  nur  für  die  Stadt,
sondern  für  ganz  Nordwestdeutschland  bildende
  »Vaterländische  Museum«  in  Celle
bietet  für  den  Heraldiker  eine  ganz  besondere
  Anziehungskraft.  Enthalten  doch  die
Fenster  zahlreiche  Wappen  in  schönster
von  dem  Hoflieferanten  Müller  in  Quedlinburg
  ausgeführter  Glasmalerei.  In  einem
der  32  qm  grossen  Fenster  sind  die  Wappen
der  Städte  Lüneburg,  Celle,  Uelzen  und  Har-191



Jeder  endlich  kann  seine  |

burg,  das  Staatswappen  Hannovers  und  die
Wappen  der  sieben  Landschaften  der  Provinz
  dargestellt.  Ein  anderes  enthält  167
Wappen  der  hannoverschen  Adelsfamilien.
Durch  die  eifrigen  Bemühungen  des  Oberstleutnants
  a.  D.  Eggers  in  Lübeck  ist  es
ferner  gelungen,  eine  grosse  Anzahl  bürgerlicher
  Familien,  die  zu  Celle  oder  der  Ungegend
  Beziehungen  haben,  zu  veranlassen,
Glasfenster  mit  Wappen  zu  stiften.  Bislang
zieren  folgende  60  Bürgerwappen  in  trefflicher
  Glasmalerei  zwei  kleinere  Fenster  des
herrlichen  Museums:  Abeken,  Adanmii,  Alberti,
Bacmeister,  Baring,  Blumenbach,  Bodemann,
Bomann,  Braun,  Buff,  Bussmann,  Camımann,
Carstens,  Chappuzeau,  Cleve,  Denecke,  Dettmering,
  Echte,  Eggeling,  Eggers  (3  Wappen),
Erythropel,  Grisebach,  Grotefend,  Habich,
Haccius,  Hagemann,  Heim,  Hoppenstedt,
Jochmus,  Kern,  Kestner,  Kotzebue,  Leisewitz,
Lodtmann,  Meister,  Mirow,  Mühry,  Munter,
Niemeyer,  Pflaumenbaum,  Pieper,  Poten,
Roscher,  Rumann,  Salteur,  Schaumann,
Schlemm-Ahlten,  Schulte,  Seelhorst,  von
Sehnde,  Stakemann,  Struckmann,  Stüve,
Wellenkamp,  Wichmann,  Wiers,  Winkelmann,
  Wyneken.
Dr.  Fieker.

Zu  dem  Artikel  in  Nr.  I:  „Zwei  altchristliche
Wappenhilder”

sei  eine  kurze  Bemerkung  gestattet:  Das
Wappen  Lentz  mit  der  Sonne  ist  nach
meiner  Meinung  ein  redendes  Wappen,  die
Sonne  ist  ein  Zeichen  des  Frühlings  (Lenz).
So  führt  in  den  handschriftlichen  Nachträgen
zum  alten  Siebmacher  (vergl.  neuer  Siebmacher
  V.  6,  S.  9)  eine  Familie  Lenz  ebenfalls
  eine  Sonne  im  Wappen.  Auch  das
Wappen  mit  dem  Faun  ist  redend.  Der
Faun  ist  das  Zeichen  des  Frühlings.  Faunus
kommt  von  faveo,  günstig  sein,  woher  auch
Favonius,  der  laue  Westwind,  von  dessen
Wehen  Mitte  Februar  man  in  Italien  den
Anfang  des  Frühlings  rechnete,  wie  denn
auch  das  Hauptfest  des  Faunus,  die  Lupercalien,
  am  15.  Februar  gefeiert  wurde.  Das