Full text : Erinnerungen an die Kriegsjahre im Königlich Preußischen Kriegsministerium. Zweiter Band. Heer und Heimat 1914-1918. (2)

Das  Einbemfungsverfahren  85

gleich  schädliche  Ungleichheit  wurde  noch  dadurch  gesteigert,  das  der
gesamte  Landsturm  am  1.  August  1914  nur  in  den  Grenzkorps,  in
den  übrigen  Bezirken  dagegen  erst  später  und  auch  da  nur  in  einzelnen
Gruppen  aufgerufen  worden  ist.

Das  planmäßig  vorgesehene  Einberufungsverfahren
  durch  die  stellvertretenden  Generalkommandos
warrichtig,  solange  mit  einer  kurzen  Dauer  des  Krieges
  gerechnet  wurde.  Mit  der  Zeit  trug  es  jedoch  dem  Haupterfordernis,
  das  Heer  entsprechend  seinen  Aufgaben  gleichmäsiig  schlagkräftig
  zu  erhalten,  nicht  mehr  Rechnung.  Auch  wirkte  die  verschiedenartige
  Heranziehung  der  Jahrgänge  in  den  einzelnen  Korpsbezirken  auf
die  Bevölkerung  verstimmend,  so  daß  sich  das  A.D.  schon  im  Mai
l9#15  veranlaßt  sah,  das  Verfügungsrecht  über  die  noch  nicht  einberufenen
  Wehrpflichtigen  im  Kriegsministerium  zu  vereinigen  und  damit
die  Grundlage  zu  schaffen  zu  einem  gerechten  Augleich  der  Volkskraft
zwischen  den  einzelnen  Provinzen  und  Landesteilen.

Die  stellvertretenden  Generalkommandos  waren  dadurch  allerdings
  gezwungen,  den  Mannschaftsbedarf  waffengattungsweise  getrennt
  für  Feld-,  Reserve-,  Landwehr=  und  Landsturmtruppen,  sowie
für  sonstige  Zwecke  ursprünglich  monatlich,  später  nach  Bedarf  anzumelden.
  Ferner  mußten  sie  den  noch  nicht  einberufenen  Mannschaftsbestand
  getrennt  nach  Waffengattungen,  Abkömmlichen  und  Jurückgestellten
  angeben.

Die  Verteilung  erfolgte  beim  Kriegoministerium  in  der  Weise,  daß
die  Forderungen  der  stellvertretenden  Generalkommandos  je  nach  der
Jahl  der  im  gesamten  preußischen  Verwaltungsbezirk  zur  Einberufung
verfügbaren  Mannschaften  unter  vorzugsweiser  Inanspruchnahme  der
noch  reichlich  mit  Wehrpflichtigen  versehenen  Korpebezirbe  befriedigt
wurden.  Hierbei  mußte  natürlich  auch  der  jeweilige  Bestand  in  den
Ersatzformationen  (Depotstärken)  der  Armeekorps  in  Betracht  gezogen
werden.

Diese  Bestände  unterlagen  je  nach  den  Anforderungen  aus  dem
Felde  und  dem  Stande  der  Einberufungen  dauernden  Schwankungen.
Sie  bewegten  sich  im  Kalenderjahre

1915  zwischen  388000  (im  April)  und  757000  (im  Dezember),
1916  „  790000  (I.  Jamar)  „  425000  (im  November),
1917  „  7%563000  (l.  Februar)  „  479000  (im  November),