Metadata : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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654.  Der  schwarze  Bruno  zu  Leipzig.

Gräße,  Bd.  J,  Ar.  417;  Edm.  v.  Felsthal,  des  deutschen  Volkes  Sagen—
schatz,  S.  280  ff.

In  einem  Kloster  zu  Meißen  lebte  ein  Mönch,  mit  Namen
Bruno,  den  man  gewöhnlich  den  schwarzen  Bruno  hieß.  Mit  Hilfe
der  schwarzen  Kunst,  die  er  in  Italien  gelernt  hatte,  hinterging  und
betrog  er  die  frommen  geistlichen  Klosterherren  und  trieb  nächte—
lang  in  den  Frauenklöstern  unter  den  jungen  Nçonnen  sein  Wesen.
Endlich  verwies  ihn  der  Erzbischof  aus  dem  Kloster  und  aus  der
ganzen  Gegend.  Er  ging  hierauf  nach  Bautzen  und  wurde  dann
zu  Leipzig  in  einem  Kloster  aufsgenommen.  Hier  führte  er  indes
ein  noch  ruchloseres  und  wollüstigeres  Leben  als  zuvor  und  wurde
endlich  von  einem  großen  Zauberer  in  eine  Kristallflasche  gebannt
und  diese  19  Fuß  tief  unter  die  Erde  vergraben.

Nach  vielen  Jahren,  als  man  in  der  Stadt  an  der  Stelle,
wo  er  eingegraben  worden  war,  ein  stattliches  Haus  zu  bauen  begann,
  fand  ein  Erdgräber  die  Flasche,  in  welcher  der  schwarze
Klosterbruder  alsbald  erkannt  ward.  Alle  Versuche,  sich  dieser
Flasche  wieder  zu  entäußern,  blieben  fruchtlos.  So  oft  er  sie  an
einen  andern  verschenkte  oder  an  irgend  einen  entlegenen  Ort  verbarg,
  hat  sie  sich  stets  wieder  in  seiner  Tasche  eingefunden  und  ihn
Tag  und  Nacht  geängstigt,  bis  er  sie  endlich  unter  die  Erde  in
den  Keller  seines  Hauses  vergrub  und  dieses  verkaufte.

Einst  schickte  der  neue  Eigentümer  desselben  seine  Tochter  in
den  Keller,  um  Wein  zu  holen.  Wie  sie  dahin  kommt,  funkelt  ihr
etwas  Helles  entgegen,  sie  hebt  eine  festverschlossene  Flasche  von  der
Erde  auf,  in  welcher  ein  leuchtendes  Golddingchen  lustig  auf  und  ab
hüpft,  nimmt  es  mit  und  bittet  ihren  Vater,  ihr  das  schöne  Tierchen  zu
schenken,  das  sie  in  der  Aacht  zum  Leuchten  neben  ihr  Bett  setzen  wolle.

Voll  Entsetzen  erkennen  die  Eltern  den  bösen  Klostergeist  darin,
entreißen  dem  Mädchen  das  Gefäß,  knüpfen  ein  schweres  Eisen
daran  und  senken  es  in  den  tiefsten  Grund  der  Pleiße.“

 

Vogel,  Leipz.  Chronik,  S.  123,  erzählt,  als  man  im  Jahre  1546
die  Kapelle  zu  St.  Katharinen  völlig  abgebrochen,  habe  man  im  Grunde
derselben  ein  schmales  Glas  gefunden  und  vermutet,  ein  Mönch  habe  da
hinein  den  Teufel  gebannt.  Deshalb  vermauerte  man  es  wieder  im  Grunde
der  Halleschen  Bastei,  die  man  von  jenen  Steinen  überhaupt  baute.