Full text : Königlich-Baierisches Regierungsblatt. 1815. (10)

158  7.  Die  Könige  und  Katjer  aus  dem  fählishen  Haufe.

Kapetinger  den  Borzug  hatte,  in  ruhiger  Folge  langer  Regierungen
von  Bater  zu  Sohn  während  mehrerer  Generationen  fich  einzuwurzeln,
  war  in  Deutfchland  mit  dem  Erlöfchen  der  Hauptlinie
des  fächfiichen  Stammes  das  Prinzip  der  Vererbung  der  fünigfihen
  Krone  bereit3  wieder  erfhüttert.  Die  nächlte  Anwartichaft
hatte  da3  Haupt  der  jüngeren,  von  König  Heinrichs  I  zweiten
Sohne,  Dttos  I  Bruder  Heinrih,  abjtammenden  Linie,  ein  Enfel
dieje8  Herzogs  von  Bayern  von  dejien  Sohne  Heinrih  (I)  —
Herzog  Heinrich  von  Bayern.  Aber  er  hatte  eine  Partei  gegen
ih;  eine  Verfammlung  zu  Aachen  erklärte  fich  für  Herzog  Hermann
  von  Schwaben,  und  noch  ein  dritter  Bewerber  eritand,
Sffehard  Marfgraf  von  Meißen,  der  hHauptiächlich  unter  den  Sachten
Anklang  fand.  Die  PVarteiung  war  lebhaft,  auch  unter  der  Geiftlichkeit:
  der  einflußreichite  unter  den  Bilchöfen,  Erzbiichof  Willigis
von  Mainz,  aber  erklärte  fich  für  Heinrich,  aljo  für  das  Erbrecht,
und  Diejer  gewann  mehr  und  mehr  Boden:  auch  in  Sachjen,  nad)-dem
  Effehard  eben  zu  rechter  Zeit  durch  einen  zufälligen  Angriff
oder  Überfall  umgefommen  war  und  Heinrich  ihnen  ein  Regiment
nad)  ihren  Gefegen  zugejagt  hatte,  und  in  Schwaben,  wo  Hermann
jeine  Sache  al3  auzficht2[o8  aufgab.  Nieder»  und  Oberlothringen
folgten,  Franken  und  Bayern  gehörten  ihm  jchon  und  fo  hatte  er
nunmehr  die  fünf  großen  Stammlande  Germaniend  beifammen.

An  Heinrich  II  (1002—  1024)  haftet  der  Beiname  des  Heiligen
und  man  hat  ihn  fich  zumeilen  al3  eine  Art  Ludwig  den  Srommen,
al3  einen  fchwachen  und  von  der  Geiftlichfeit  abhängigen  Mann  vorgeitellt.
  Er  war  e3  in  jeinem  Denken  nicht  mehr  als  jeine  Beit  überhaupt,
  im  übrigen  aber  erfennt  man  in  ihm  einen  höchit  tüchtigen,
wohlüberlegenden,  feiner  Ziele  bewußten  und  ihnen  mit  Kraft  und
solgerichtigfeit  nachftrebenden  Herricher,  der  in  einem  Fränflichen
Körper  eine  Starke  Seele,  einen  hellen  Berftand  und  einen  geduldigen,
aber  feineswegs  fchwanfenden  Willen  hegte,  und  dem  nur  das,  was
die  Menjchen  das  Glüd  nennen,  fehlte.

Seine  erfte  Tätigkeit  mußte  er  gegen  Often  richten,  Auguft  1003,
gegen  einen  oder  eimige  unzufriedene  Großen  und  gegen  den  fühn