Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1884. (75)

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begeben  und  einige  Reichsstände,  vor  allem  den  Kurfürsten  von  Brandenburg,
  eingeladen  hatte.  Aber  mit  größeren  Festungen  gaben  sie  sich
nicht  ab,  nachdem  sie  schon  im  Vorjahre  sich  vergeblich  an  Bautzen
und  Görlitz  versucht  hatten.  Die  Umgegend  jedoch  wurde  in  entsetzlicher
Weise  heimgesucht;  Taucha,  das  eine  Weile,  begünstigt  durch  den
magdeburger  Erzbischof,  mit  Leipzig  rivalisiert  hatte,  so  daß  man
später  sogar,  wenn  auch  unrichtiger  Weise,  behauptet  hat,  erst  infolge
der  hussitischen  Zerstörung  habe  sich  aller  Handel  von  da  nach  Leipzig
gewandt,  wurde  von  den  Hussiten  von  Grund  aus  in  Trümmer  und
Asche  gelegt.  Dann  zogen  die  Unholde  nach  Süden  ab  und  die
rauchenden  Ruinen  von  Altenburg,  Crimmitzschau,  Werdau,  Schmölln,
im  Vogtlande  von  Reichenbach,  HOlsnitz,  Auerbach  u.  a.  O.  bezeichneten
ihren  Weg.  Als  sie  vor  Plauen  kamen,  übergab  ihnen  der  geängstete
Rat  die  Stadt;  aber  die  Einwohner  waren  damit  nicht  zufrieden,
machten  einen  Auflauf  und  erschlugen  den  geringen  Teil  der  Hussiten,
der  schon  in  die  Stadt  gekommen  war.  Als  das  die  noch  draußen
waren  erfuhren,  nahmen  sie  die  Stadt  in  heller  Wut  mit  Sturm  und
schlugen  tot,  was  ihnen  vorkam.  Auch  das  Schloß,  wo  ein  böhmischer
Herr  von  Sternberg  gefangen  saß,  wurde  genommen  und  die  dort
versammelte  Ritterschaft  teils  erschlagen,  teils  des  Lösegeldes  wegen
gefangen  hinweggeführt.  Darauf  legten  sich  die  Böhmen  vor  Gera,
nahmen  es  ohne  Mühe  und  führten  den  Grafen,  der  auf  dem  Rathause
  mit  den  Ratmannen  zusammen  war,  davon;  für  ihn  verlangten
sie  die  Unsumme  von  40  000  Schock  Groschen,  die  nicht  aufgebracht
werden  konnte.  So  starb  er  kläglich  im  Gefängnis.  Die  genannten
von  den  Hussiten  heimgesuchten  Städte  haben  sich  nachher  allgemach
wieder  aufgebaut;  aber  wer  kennt  die  Ortschaften,  die  von  jener  Zeit
an  wüst  lagen  und  von  der  Landkarte  verschwunden  sind?  Erhebungen,
die  über  die  sogenannten  wüsten  Marken  des  Königreichs  Sachsen
angestellt  wurden,  haben  ergeben,  daß  von  den  370  durch  die  Forschung
  aufgefundenen  vier  Fünftel  aus  dem  Hussitenkriege  herrühren,
daß  ferner  der  Kreisdirektionsbezirk  Leipzig  die  meisten  enthält  und
hier  wieder  die  Mehrzahl  auf  die  Amtsbezirke  von  Wurzen  und  Oschatz
entfällt.  —  Nach  dem  Vogtlande  kam  Franken  daran;  die  Gegend  von
Koburg  ward  verheert,  Kulmbach  und  Bayreuth  gingen  in  Flammen
aus,  die  Bischöfe  von  Bamberg  und  Regensburg,  die  Stadt  Nürnberg,