186. Eingabe der Akademie gegen l.onsanp's Ernennung (1807). 333
Diesem allergnädigsten Befehle hätte vielleicht schon früher Genüge geleistet
werden sollen. indeın man Pläne vorgelegt hätte, welche dem Allerhöchsten Verlangen
entsprechen könnten. Nur hat ınan lieber den Abgang mehrerer älterer
Mitglieder und Beaınten abwarten wollen, zu deren Wiederbesetzung wir auch bisher
zu keiner Wahl geschritten sind, noch Ew. Maj. mit Vorschlägen haben beschwerlich
fallen wollen. Bei den gegenwärtigen Erledigungen nun, und da überhaupt bei
Ew. K. Maj: segensvoller Zurückkunft ein neues kräftiges inneres Leben auch für
die Wissenschaften hervorgehen kann, würde unsres Ermessens jetzt die rechte Zeit
sein zu einer solchen inneren ruliigen zweckmälsigen Umformung der Akadeınie.
Denn es kommt allerdings nicht vorzüglich auf die angeführten Rechte der
Akadeınie an (obgleich es ewige Pflicht für sie bleiben muls, die ihr ertheilten
hohen Wohlthaten ihrer Königlichen Beschützer nicht durch Sorglosigkeit verloren
gehen zu lassen), sondern die Hauptrücksicht besteht in dein Zwecke der Akademie
selbst, in der — nach Ew. Maj. unvergefslicheın Ausdruck — elırenvollen und
nützlichen Existenz derselben.
Ein so wichtiges unfassendes Institut, wie die Akademie vorzüglich durch
Ew. Maj. weise und gnädige Anordnungen geworden ist, und womit sich vielleicht
noch dereinst mehr gelehrte Anstalten der höheren Art verbinden lassen, ein solches
Institut mufs sowohl in seinem Innern als seinen Äufsern den bedeutenden Platz
einnehmen, auf den es seiner Natur nach eigentlich gestellt ist, und worin es den
andern grofsen Societäten in Europa gleich sein kann. Gegenwärtig sind unsere
Verbindungen mit ausländischen Akademien theils sehr erkaltet, theils fast ganz
abrebrochen, und zur Förderung der Wissenschaften ist ein solcher Zusammenhang
doch durchaus nothwendig. Der Geist lebt nur durch Mittheilung; man bleibt in
einer sehr beschränkten Sphäre, wenn man nicht weils und erfährt, was anderwärts
gewulst, gedacht, gelehrt wird, was entdeckt, erwiesen, bestritten ist. Wozu,
für die vergangenen Zeiten, eine grolse Bibliothek dient. das bewirkt, für die
jetztlebende Zeit, der thätige Eifer in einer Verbindung, die nur durch gelehrte
Anstalten dieser Art möglich wird.
Das öffentliche Organ der Akademien ist der beständige Secretär. Er
führt den Briefwechsel. und er mufs ihn so führen, dafs die Akademie in steteın
Zusammenhange mit den grofsen Fortschritten der Wissenschaften bleibe, und dafs
die Ausländer ein Interesse nelhımen können an dem Correspondenten und an dem,
was er ihnen berichtet. Zugleich mufs derselbe im Stande sein, von Zeit zu Zeit
seiner Akademie einen allgemeinen belehrenden Abrils von dem Zustande der bestimmten
Wissenschaften vorzulegen. "
Gegenwärtig ist aber das gesammte Gebiet der Kenntnisse von so unermelslichen
Umfang und wird täglich durch die allgeınein geweckte höhere wissenschaftliche
Ansicht und Bearbeitung der Naturgegenstände sowohl als der Gegenstände
für den forschenden und denkenden Geist und für das eimpfindende Gemüth
so unübersehbar erweitert, dals selbst ein Leibniz, falls er wieder in unsre Mitte
käme, nicht blofs bescheiden, sondern wirklich furchtsam zurücktreten würde, wenn
er die Feder führen sollte in allen diesen mannigfachen Fächern, mit allen zum
Theil sich hoch auszeichnenden andern Gesellschaften und einzelnen Gelehrten.
Ebenso mülste die Akademie, obgleich sie gegenwärtig Mitglieder besitzt, welche
unser Land mit Stolz und das Ausland ınit gröfster Hochachtung betrachtet, sie
ıülste verlegen sein, irgend einen zu erwählen, welcher universal genug wäre,
eine solche Stelle auszufüllen.
Vielleicht also — wenn wir etwas von einen neuen Plane andeuten dürfen —
vielleicht wäre es nützlich, nach Art anderer Akademien, und selbst einer älteren
Verfassung der unsrigen nicht ungemäls, statt Eines gemeinschaftlichen Secretärs,
aus jeder der vier Klassen einen besonderen zu wählen. Wenn hierzu erfahrne,