Sobald der Vergleich zwischen Friedrich III. und dem kaiserlichen Hofe
in sicherer Aussicht stand, kam es auch schnell zu einer gütlichen Einigung.
Der älteste Bruder Philipp Wilhelm entsagte seinen auf das Testament begruͤndeten
Ansprüchen gegen ein Jahrgehalt von 24,000 Thalern, die jüngern
erhielten die Hälfte; allerseits um #r wurden eidlich die alten Familienpakten
bekräftigt (1692). Natürlich blieb jetzt auch die volle Genehmigung des Kaisers
nicht mehr aus.
Wie erfreut der Kurfürst über die gütliche Schlichtung eines Streites war,
der sein gegen Jedermann wohlwollendes Herz von der Nothwendigkeit gegen
die, welche ihm die Natur am nächsten gestellt hatte, Gewalt und Härte auszuüben,
läßt sich aus dem folgenden Schreiben an den Fürsten von Anhalt
über den Schluß der Verhandlungen ersehen: „Ew. Liebden werden, als welche
an Meines kurfürstlichen Hauses Interesse und Wohlfahrt allemal so großen
Antheil genommen, gern vernehmen, daß die mit meinen Brüdern wegen ihrer
Abfindung und Appanage bisher vorgewesene Handlung nicht allein mit Meinem
ältern Bruder, Markgraf Philipp Wilhelm, sondern auch mit den beiden andern
nunmehr Gottlob zu völliger guter Richtigkeit gediehen. Ich bin, wie Ew.
Liebden leicht errathen können, deshalb nicht wenig consolirt, weil ich dadurch
den alten Grund, worauf Meines kurfürstlichen Hauses Macht und Ansehen
nun so lange Jahre her geruht hat, von Neuem befestigt, und das zwischen
Meinen Brüdern und Mir von der Natur gebundene Band von allem, so
dasselbe über kurz oder lang alteriren konnte, gänzlich befreit habe“.
Schon in den ersten Akten seiner Regierung, der Erbhuldigung, den
Anzeigen seines Regierungsantritts bei fremden Höfen und der Bestattung seines
Vaters entfaltete Friedrich III. seinen später so überwiegend hervortretenden
Trieb zu Prunk und glänzenden Ceremonien; obgleich er auf Dinge der Art
weit mehr gab, als die Aufrechthaltung seiner fürstlichen Würde erheischte: so
ist doch anzuerkennen, daß er auch wichtigere und würdigere Zwecke mit Ernft
und Auedauer verfolgte. Vor Allem lag ihm, und zwar nach dem ruhmreichen
Vorgang seines Vaters, zweierlei am Herzen, nämlich der Schutz der protestantischen
Interessen, so wie die Erhöhung seines Hauses, und niemals verlor
er diese beiden Zwecke aus den Augen. Die bewährten Diener seines Vaters
bestätigte er in ihren Aemtern und Würden, unter ihnen natürlich auch seinen
wohlbewährten Freund und bisherigen Ratbgeber, Eberhard von Dankelmann,
den er unter dem Titel eines Oberpräsidenten, wie dies unter seinem
Vater mit Otto von Schwerin geschehen war, an die Spitze des Geheimen
Rathscollegiums stellte.
In politischen Beziehungen konnte sich, wie wir schon gesehen haben,
der junge Kurfürst keinesweges anfangs frei bewegen da ihm die Stellung
seiner Familie zum Kaiser und die Forderungen des Letzteren zum Entgelt für
seinen Beistand einige Schranken anlegten. Freier bewegte er sich nach andern
Seiten hin. Wir haben gesehen, wie eifrig sein Vater auf die Erhaltung des