Full text : Geschichte der Hohenzollern.

derjenige,  der  solche  Eigenschaften  vereinigt,  ist  ein  ächter  Soldat.  —  108
Kanonen,  250  Munitionswagen,  des  Feindes  Lazarethhäuser,  seine  Feldschmieden,
  seine  Mehlwagen,  ein  Divifionsgeneral,  zwei  Brigadegenerale,  eine  große
Anzahl  Obersten,  Stabs=  und  andere  Offiziere,  18,000  Gefangene,  zwei  Adler
und  andere  Siegeszeichen  sind  in  Euren  Händen.  Den  Rest  derjenigen,  die
Cuch  in  der  Schlacht  an  der  Katzbach  gegenüber  gestanden  haben,  hat  der
Schreck  vor  Euren  Waffen  so  sehr  ergriffen,  daß  sie  den  Anblick  Eurer  Bajonette
  nicht  mehr  ertragen  werden.  Die  Straßen  und  Felder  zwischen  der  Katzbach
  und  dem  Bober  habt  Ihr  gesehen,  sie  tragen  die  Zeichen  des  Schreckens
und  der  Verwirrung  der  Feinde.  Laßt  uns  dem  Herrn  der  Heerschaaren,  durch
dessen  Hülfe  Ihr  den  Feind  niederwarft,  einen  Lobgesang  fingen  und  im  öffentlichen
  Gottesdienste  ihm  für  den  uns  gegebenen,  herrlichen  Sieg  danken.  Ein
dreimaliges  Freudenfeuer  beschließe  die  Stunde,  die  Ihr  der  Andacht  weihet.
Dann  sucht  Curen  Feind  aufs  Neue!“

Die  Freude  über  diese  glorreichen  Schlachttage  wurde  durch  die  Siegesnachricht
  vom  Hauptheere  in  Böhmen  noch  erhöht.  Letzteres  hatte  Anfangs
nicht  unbedeutende  Verluste  erlitten,  freilich  aber  auch  den  schwierigsten  Stand
gehabt,  denn  ihm  gegenüber  befehligte  die  Kernmasse  der  Franzosen  der
fieggekrönte  Herrscher  selbst,  dem,  wo  er  persönlich  erschien,  auch  nach  dem
Gottesurtheile  auf  den  Steppen  Rußlands,  stets  der  Sieg  treu  zu  bleiben
schien.  Napoleon  hatte  sich  bei  Dresden  festgesetzt;  hier  begannen  am  26sten
August  die  Gefechte,  am  27sten  erfolgte  die  Entscheidung,  nicht  zur  Befriedigung
  der  Verbündeten,  denn  10,000  Oestreicher  nebst  dem  Feldmarschall-Lieutenant
  Mesko  wurden  kriegsgefangen;  Moreau,  welchen  der  Haß  gegen  den
Unterdrücker  der  republikanischen  Freiheit,  oder  vielleicht  auch  nur  gegen  den
glückbegünstigten  Nebenbuhler  an  die  Spitze  des  sein  Vaterland  bedrohenden
Heeres  getrieben  hatte,  fand  in  dem  ersten  Versuche,  sein  Talent  mit  dem
seines  beneideten  Kriegsgefährten  zu  messen,  einen  schmerzvollen  Tod.

Der  Rückzug  des  großen  Heeres  bis  in  die  Ebenen  von  Kulm  war  die
Folge  dieses  verlustvollen  Kampfes;  hier  sollte  der  General  Vandamme  die
Vernichtung  der  erschütterten  Gegner  vollenden.  Ein  durch  den  Tod  Bessidre's
erledigter  Marschallstab  winkte  ihm  als  Lohn.

Am  29sten  August  begann  der  Angriff  von  franzöfischer  Seite  mit  stürmischem
  Muthe  und,  trotz  des  äußerst  tapferen  Widerstandes  der  Verbündeten,
nicht  ohne  Erfolg.  Schon  ermüdete  der  Widerstand  vor  dem  furchtbaren  Geschützfeuer
  der  franzöfischen  Schlachtlinie,  da  führte  der  König  von  Preußen,
durch  sein  Ansehen  jedes  Bedenken  niederschlagend,  die  bisher  geschonte  Reserve-Reiterei
  heran  und  rettete  so  die  Ehre  des  Tages.  Aber  am  30sten  wiederholte
sich  das  blutige  Wagespiel;  es  sank  die  Schale  des  Glückes  zu  Gunsten  der
Verbündeten,  und  ein  preußisches  Corps  gab  den  glorreichen  Ausschlag.

Mit  großer  Anstrengung  war  der  Generallieutenant  von  Kleist  während
der  Nacht  auf  dem  Kamme  des  Gebirges  nach  Nollendorf  dem  Feinde  in