Wenn aber dem durch die neue Zeit und ihren reicher
pulsierenden Verkehr die idealen Güter verkümmert und
ihre Pflege verkürzt werden will, mahnt er — und nicht
umsonst — die Ratsherrn (1524), daß sie höhere christliche
Schulen gründen sollen. Ilefeld im Harz und sein
Michael Reander, Goldberg in Schlesien und sein Trotzendorf,
Straßburg und sein Johann Sturm, Nürnberg mit
Joachim Camerarius, Ansbach mit seinem Koch, Augsburg
bei St. Anna mit dem Harburger Schreiber Hierony-=mus
Wolf, das Gymnasium Poeticum zu Regensburg
sind die Antwort auf solchen Rat, der kleineren Schulen
nicht zu gedenken, wie sie auch durch unser Bayerland
verstreut waren. Dem evangelischen Gymnasium schenkt
Melanchthon seine griechische Grammatik, die wohl 80 Auflagen
erlebte. Edle Schulkomödien dienen ihm, wie Rollenhagens
„reicher Mann und armer Lazarus“, reine Bilder
sollen das Gelehrte veranschaulichen, aber vor allem soll
man an den PSprachen, dieser „Kemenate des Geistes
halten, der Scheide des Geistesschwertes.“ So ward Latein,
in dessen Handhabung Luther nach seiner Art Meister
war, fleißig geübt — man „nRhonnte meinen, Deutschland
liege in Latium“ — und die griechische Sprache kam zu
Ehren, die Muttersprache aber blieb nicht dahinten. Aus
Luthers Werken haben ja die — Jesuiten die Musterbeispiele
für eine deutsche Grammatik geholt!
So viel aber Luther über die Universitäten klagte,
über den Unfleiß der Studenten, denen „die Tinte schimmlig
und der Grind auf dem Rücken ist und die gerne die Pest
in Wittenberg hätten, um feiern zu hönnen“, über die
Roheit und Unsitten, daß seine Stadt ein Sodom und
Gomorrha geworden, von dem er wegziehen will — er
hat doch Wittenberg mit Weltruf geschmücht und Anregung
zur Gründung neuer Hochschulen gegeben. Marburg,
Königsberg und Jena sind des Zeugnis und wenn's erlaubt
ist zu sagen, auch unser — Erlangen; denn am
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